Von der Gedächtniskunst überhaupt. 7
der sog. parischen Chronik (Ep. 55) hervorgeht — währendseines Aufenthaltes zu Athen, wo er bei Hipparch lebte, auchals Lehrer der Gedächtniskunst aufgetreten zu sein. Daß eraber noch als Greis — er lebte in seinem Alter bei Hieroin Syrakus — seine Kunst, und zwar nicht ohne Erfolg,geübt haben müsse, erhellt aus einem ihm beigelegtenDistichon in der griechischen Anthologie.
13. Wie kam Simonides zu seiner Erfindung'?
Derselbe wurde einst — so erzählt man — zu einemgroßen Gastmahle geladen, welches ein gewisser Skopas zuKranon in Thessalien zu Ehren eines gekrönten Faustkämpfersgab. Für den letztem hatte Simonides um einen festgestelltenPreis ein Lobgedicht geschrieben, worin er jedoch auch derTyndariden gedacht. Nachdem nun Simonides bei Tischesein Gedicht vorgelesen, verweigerte der Fechter ihm einenTeil des bedungenen Preises, da ja nicht er allein, sondernmit ihm auch Kastor und Pollux besungen seien. An diese,meinte er, möge der Dichter sich nun wegen des Resteswenden. Gleich darauf wird dem Simonides gemeldet, daßzwei Jünglinge ihn in einer dringenden Angelegenheit zusprechen wünschten. Er geht hinaus und kaum hat er sichentfernt, als die Decke des Saals einstürzte und den Gast-geber mit all seinen Gästen erschlug. Man fand später ihreLeichname bis zur Unkenntlichkeit zerschmettert und entstellt.Simonides aber — der, da er die Jünglinge nicht gefunden,in seiner Errettung den Schutz der Götter zu erkennenglaubte — hatte sich bei Tische jedes einzelnen Platz gemerkt,und vermochte nun deshalb über jeden Auskunft zu geben.Und so gelangte er zu der Ansicht, daß das Gedächtnis sehrunterstützt werden müsse, wenn man sich bestimmte Plätzedenke, und in diesen vermöge der Anschauung das zu Merkendeniederlege.
14. Wie geschah dieses?
Man benutzte gewisse — gleichviel ob wirkliche odergeschaffene — Gedächtnisplätze, z. B. die Räume eines