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15 (1848) Vitet bis Zwolle und Universalregister
Entstehung
Seite
609
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Zwingli s,09

Zwillingsgeburten nach großen Epidemien, z. B. nach dem Schwarzen Tod (s. d.), be-obachtel haben.

Zwingli (Huldreich) wurde zu Wildhaus in der schweizer. Grafschaft Toggenburgam I.Jan. 1484 geboren und war der dritte unter den acht Söhnen des dasigen Amt-manns. Seine Studien machte er in Basel und Bern, dann auf der Universität zu Wien,wo er sich der Philosophie, und in Basel, wo er sich unter Wytkcnbach der Theologie wid-mete. Er wurde >506 Pfarrer in Glarus, und studirte anfangs mit großem Eifer die lat.Klassiker und die Kirchenväter, spättr aber, als er 1513 griechisch zu lernen begonnen hatte,das Neue Testament. Die Briefe des Paulus schrieb er in der Grundsprache ab und lerntesic auswendig, was ihm nachher bei seinen Disputationen gute Dienste that. Den Feld-zügen d.r Glarner für den Papst gegen die Franzosen in der Lombardei wohnte er >512,1513 und 1515 als Fcldpriestcr bei, für welchen Dienst er bis >515 vom Papste eine Pen-sion von 511 Fl. jährlich bezog- Im I. 1516 rief ihn der freier denkende AdministratorGeroldseck als Prediger in das durch Wallfahrten berühmte Kloster Maria-Emsicdcln.Hier fing Z. an, wider manche in der Kirche eingerissene Misbräuche zu predigen; auchfoderte er die Bischöfe zu Sitteü und Konstanz auf, zur Verbesserung der Kirche nach An-leitung des göttlichen Worts tbätig zu wirken. Doch war er damals noch so wenig verdäch-tig, daß ihm der päpstliche Legat Antonio Pulci >518 das Diplom als Akoluthenkaplandes heiligen Stuhls gab. Bald darauf wurde er nach Zürich berufen; er trat sein Amt alsPfarrer am großen Münster daselbst am 1. Jan. 151g mit einer Predigt an, worin er sichfür das reine Evangelium und gegen den Perikopenzwang erklärte. In diesem Amte, zu demer >521 noch eine Stelle als Chorherr erhielt, legte er den Grund zu seinem nachmaligenNeformationswerk. Er fand dazu dieselbe Veranlassung wie Luther. Im I. 1518 warnämlich Bernardin Samson, ein Franciscaner aus Mailand, in die Schweiz gekommen,in der Absicht, für den päpstlichen Hof Ablaß zu verkaufen. Z., der bei Samson's erstemErscheinen noch in Einsiedel« war, widerschtc sich ihm sowol hier als in Zürich mit der ganzenGewalt seiner Kanzclbercdtsamkcit und erlangte soviel, daß er in Zürich nicht in die Stadt ge-lassen wurde. Von nun an ging Z., obschon von den Mönchen und von manchen Chorherrenseines Stifts angcfcindet, immer weiter; denn die Obrigkeit in Zürich unterstützte seine Ver-besserungen dergestalt, daß sie schon 1520 einen Befehl durch ihr Gebiet ergehen ließ, ver-möge dessen das Wort Gottes ohne menschliche Zusätze gelehrt werden sollte. Im I. 1522wurde in Zürich die Reformation auch in äußerlichen Sachen vorgcnommen. Gleichzeitigschrieb Z. sein erstes Buch gegen die Fasten der röm. Kirche; auch fing er an mit der hebr.Sprache sich zu beschäftigen. Die von Hadrian VI. ihm gemachten Anerbietungen zu hohengeistlichen Ehrenstellen machten ihn nicht wankend. Im Jan. 1523 lud der Stand Zürichalle Theologen, die Z. eines Bessern überführen könnten, zu einer Unterredung nach Zürichein, und es wohnten derselben gegen 600 geistliche und weltliche Personen bei. Z. hatteseine Glaubensartikel, welche der Gegenstand der Unterredung sein sollten, an der Zahl 67,aufgesetzt und vertheidigte sie gegen die Einwendungen des berühmten Joh. Faber, nach-maligen Bischofs zu Wien, so glücklich, daß der Rath zu Zürich Z.'s Lehrart als richtig aner-kannte und denselben nebst seinen Gehülfen bei derselben bestätigte. Die zweite Disputation,im Oct. > 523, bei welcher Z. vor mehr als 900 Personen gegen den Bilderdienst und dieMesse sprach, hatte die Entfernung aller Werke der bildenden Kunst aus den Kirchen derStadt Zürich und ihres Gebiets, sowie 1524 dir Abschaffung der Messe zur Folge. Noch indemselben Jahre trat Z. in den Ehestand mit der schon 43jährigen Anna Reinhard, der Witwedes Junkers Meyer von Knonow. Im folgenden Jahre gab er sein Glaubcnsbekeniitniß„Vonder wahren und falschen Religion" heraus. Er hatte somit in wenig Jahren das Refor-mationswcrk in seinem Vaterlande auf einen ziemlich festen Fuß gebracht. Mit Eifer wirkteer nun für dasselbe fort, während die Obrigkeit zu Zürich, die ihn fortwährend sehr thätigunterstützte, die Bettelmönche abschafftc, die Ehesachen vor die weltlichen Gerichte zog undeine bessere Verwaltung der Kirchengüter anordnete. Z. war mit Luther und den anderndeutschen Reformatoren in vielen Punkten einig, nur verfuhr er in liturgischer Beziehungmehr, wie Karlstadt (s. d.), biblisch radical und verwarf das Dogma von der GegenwartSorw.-Ler. Neunte Lust. XV. 39