Zwiebel 607
der Bewohner hat sich seit l 83V fast um die Hälfte vermehrt und beläuft sich jetzt auf1170». Die Stadt hat öffentliche Plätze, ist gut gepflastert und seit >825 mit Straßen-beleuchtung versehen. Unter den fünf Kirchen, worunter seit 1 820 eine katholische sich befin-de!, zeichnet sich aus die 1530 erbaute Marienkirche, im goth. Stile, mit einem 3 l 4 F. hohenThurme und mehren trefflichen altdeutschen Gemälden,B. der Segnung der Kinder vonLukas Kranach und den Altargcmälden von Michel Wohlgemuth (s. d.), die >831restaurirt wurden. Andere ansehnliche Gebäude sind das Regierungsgebäude, erbaut imI. >838, das Nathhaus, das >522 erbaute Gewandhaus, das schöne Krankenhaus mitKapelle, die Kaserne, das Militairhospital und das Bahnhofgebäude der Werdau-ZwickauerEisenbahn. Ferner hat die Stadt ein Gymnasium mit einer Bibliothek von mehr als20V00 Bänden, die zum Theil aus dem Kloster Grünhain stammt und in neuerer Zeitdurch das Vermächtniß des Professors Clodius in Leipzig ansehnlich bereichert wurde; so-dann eine neue Bürgerschule, die >8 >2 eingeweiht wurde; eine >828 begründete Schuleund eine katholische Pfarrschule. Das Schloß Osterstein wird seit 1775 als Corrections-und Arbcitsanstalt benuht und umfaßt die erstere gegenwärtig etwa 20« männliche Vaga-bunden und die letztere gegen 500 männliche Verbrecher. Die Stadt hat ziemlich blühendeGewerbe, eine chemische Fabrik, eine Maschinen-Wollkämmcrei, eineMerino-, Strumpf-undWcllspinnfabrik, eine Papier-, vier Mahl-, fünf Öl-, vier Graupen-und drei Tretmühlensowie zwei Tuchwalkfabriken, ansehnliche Brauerei und bedeutende Feldwirthschast. Zugleichist Z. der Sitz des Directoriums des 1841 von dem Kirchen- und Schulrathc vr. Döhnergestifteten Vereins zur Verbreitung guter und wohlfeiler Volksschriften. In der Nähe derStadt unter den Fluren von Planitz, Schedewitz und Cainsdorf am linke», und vonBockwaund Oberhohndorf am rechten Muldenufcr wird ein sehr ergiebiger Steinkohlenbau getrie-ben. Z. ist eine der ältesten Handels- und Gewerbstädke in Sachsen, durch welche bereitsim 12. Jahrh. die Hauptstraße ging, die den Verkehr zwischen Nord- und Südcuropa ver-mittelte und auf der ein Theil der levantischen Maaren spedirt wurde. Erst im 15. Jahrh.,in Folge der sich mehr hebenden Schiffahrt in Holland und England, verlor die Stadt anLebendigkeit. Die 800 Meister, welche Z. im I. 1348 mit Tuchmacher« beschäftigte, sindauf etwa sechs berabgeschmolzen. Zuerst wird Z. im I. 1118 erwähnt, wo die Marienkirchegestiftet wurde, als Stadt aber zuerst 1212. Im I. 1290 soll sie die Reichsunmittclbarkeiterhalten haben; >348 kam sie, nach wiederholter Verpfändung an Böhmen, an die Mark-grafen von Meißen und durch sie an Sachsen. Berühmt war schon im 15. Jahrh. die lat.Schule, das jetzige Gymnasium; auch fand die Reformation Luther's hier schnellen Eingang.Vgl. Schmidt, „Zwickauer Chronik" (Zwick. >656, 4.) und Herzog, „Chronik der Kreis-stadt Z." (2 Bde., Zwick. 1839—45).
Zwiebel heißt eine Pflanzengattung, die gewöhnlich zu den Wurzeln gerechnet wird,aber eigentlich eine Knospt ist, die auf einem kurzen Stamme sitzt, der zuweilen von denblattartigcn Theilen so verdeckt wird, daß man ihn äußerlich gar nicht sehen kann. Nach derForm und Stellung der blattartigen Theilc unterscheidet man die häutige Zwiebel, wo,wie an der gemeinen und der Hyacinthenzwiebcl (s. Hyacinthe), fleischige dicke,nach außen zu dünner und hautartig werdende Schalen so übereinander liegen, daß sie durcheinen Ouerdurchschnitt der Zwiebel als concentrische Ringe erscheinen; ferner die schup-pige Zwiebel, wo, wie an der weißen und der Feuerlilie (s. Lili aceen), dicke flei-schige Schuppen so gestellt sind, daß sie einander dachziegelartig decken; und endlich Zwie-belknollen, wo, wie an der Herbstzeitlose und dem Crocus oder Safran (s. d.), einedicke, fleischige, knollenartige Masse die Zwiebel bildet, die nur von einer trockenen, dünnenHaut oder wenigen dergleichen bedeckt ist. Zuweilen bestehen die äußern Decken oder Scha-len der Zwiebel aus faserigem Gewebe, wie am Allermannsharnisch und der gemeinen Sieg-wurz. Lost man die Häute und Schuppen der Zwiebel ab, so findet man den Stammtheil,welcher die eigentliche Knospt trägt und nach unten insgemein sadenartige Wurzeln treibt.Alle Zwiebeln bilden sich nur unter der Erde aus; doch entwickeln sich auch kleine Awiebel-chen in den Blattachseln mancher Gewächse, z. B. der Tiger- und Feuerlilie, oder zwischenden Blütenstielen, z. B. beim Gemüse- und Weinbergslauch, bei welchem letztem sie dieBlüten verdrängen, oder endlich sogar an der Stelle der Samen, wie bei der asiat. Haken-
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