606 Zwerge Zwickau
hohle und zwei Venen aus dieser in die Brusthöhle treten. Das Zwerchfell unterstützt alsBoden der Brusthöhle das Herz und die Lungen, welche theilweise auf ihm ruhen, und dientals Dach der Unterleibshöhle, an welchem die Leber, der Magen und die Milz aufgehan-gen sind. Bei seiner Zusammcnziehung plattet es sich ab, die Brusthöhle wird weiter, dieUnterleibshöhle enger, was besonders beim Einathmen und Ausleeren der Unterleibsein-geweide geschieht.
Zwerge sind eine Ausartung, keine besondere Gattung des Menschengeschlechts; denndie Pygmäen der Alten und andere Zwergnationen sind blos Geschöpfe der Einbildungs-kraft, während es nicht ohne Beispiel ist, daß unter großen und starken Kindern gleich großerund starker Altern sich auch ein Zwerg befindet. Die Natur behandelt diese Geschöpfe nichtimmer ganz stiefmütterlich, und wenngleich kein Beispiel von einem Zwerge vorhanden ist,der sich durch außerordentliche Talente ausgezeichnet hätte, so sind sie doch öfters nicht ohneAnlagen. Ein Zug, der sie besonders charakterisirt und sie den Kindern noch mehr gleichmacht, ist die hervorstechende Eigenliebe und hohe Meinung, die sie gewöhnlich von ihrerPerson haben. Bei den Römern wurden die Zwerge zu mancherlei Verrichtungen, biswei-len selbst, um des Contrastes willen, bei Fechterspielen gebraucht. Am Hofe zu Konstanti-nopel wird noch jetzt eine Anzahl Zwerge als Pagen unterhalten. Auch an den deutschenHöfen fehlte es bis in die erste Hälfte des 18 . Jahrh. unter der Hofdienerschaft nicht aneinem „Kammerzwark", der bisweilen auch die Nolle eines Hofnarren spielte. Am weitestentrieb es damit in Rußland Peter der Große, der die Zwerge seines Reichs an seinem Hofeversammelte, und die bekannte Zwergenhochzeit veranstaltete. — In der Naturgeschichtenennt man Zwerg einen Organismus, der die gewöhnliche Höhe seiner Species nicht erreichthat, ohne doch verkrüppelt zu sein, z. B. in der Botanik ein Gewächs, das in seiner Art nie-driger ist als andere, z. B. das Knieholz auf den Sudeten. In der Gärtnerei heißt Zwerg-baum ein Baum, der durch Pfropfen lind besondere Wartung so gezogen ist, daß er keinenStamm in die Hohe treibt, sondern bald über der Wurzel sich in Zweige ausbreitet, undnichtsdestoweniger viele und gute Früchte trägt.
Zwerge (altnvrd. üvergrir) gehören als dämonische Wesen der german. Mythologiezu den Elfen (s. d.) im weitern Sinne und sind die Schwarzelfen (swsrtültsr). Nach dernord. Auffassung folgte der Schaffung der Riesen (s. d.) die der Zwerge, dann die derMenschen; nach der Vorrede des „Deutschen Heldenbuchs" wurden zuerst Zwerge geschaffen,um das wüste Land und Gebirge zu bebauen, dann Riesen, die Ungeheuer und Würmc zu töd-tcn, zuletzt Helden, den Zwergen gegen die Riesen beizustehen. In den eigentlichen Zwergen,mit denen andere dämonische Wesen des german. Volksglaubens, wie die Kobolde, Haus-geister und andere „Wichte", d. i. eigentlich soviel als „Dinger", Manches, auch die kleineGestalt, gemeinsam haben, sind unterirdisch wirkende Naturkräfte personificirt; als Berg-geister, Erdmännlein wohnen sie in Höhlen und Bergen, wo sie als kunstreiche Schmiedemit dem Erz zu thun haben. Zwergensprache, üvergmsl, heißt im Nordischen das Echo.Von Außen sind sie häßlich und misgestaltet, schwarz und rußig, klein, von Daumen - undSpannenlänge bis zur Größe eines vierjährigen Kindes. Aber ihre Stärke reicht weit überihre Größe; dabei sind sie wunderbar listig und verschlagen; auch die Gabe der Weissagungkommt ihnen zu, und durch zauberhafte Mäntel, die Nebel- oder Tarnkappen, sowie selbstdurch Hüte können sie sich unsichtbar machen. Sie bilden zusammen ein Volk und haben ihrenKönig, wie deren mehre in der Sage, so die Könige Laurin und Alberich, erwähnt werden.Wie die Elfen überhaupt, stehen auch die Zwerge mit den Menschen in häufigem Verkehr;sie lieben ihre Musik und lohnen ihnen geleistete Dienste durch Kleinode, haben aber imGanzen etwas Scheues und erscheinen oft feindselig, neckend, trügend und diebisch, entfüh-ren Jungfrauen und Kinder der Menschen, deren Anbau, sowie das Christenthum, sie hassenund ihre Verbreitung zu stören suchen.
Zwekschen,s. Pflaumen.
Zwickau, eine alte, noch mit Mauern umgebene Stadt im erzgebirg. Kreise des Kö-nigreichs Sachsen, der Sitz einer Kreisdirection, eines Appellationsgerichts und eine- Consi-storiums, liegt in einem sehr anmuthigen Thale am linken Ufer der westlichen Mulde, welchehier von einer ansehnlichen Brücke überzogen wird, und die Vorstädte durchstießt. Die Zahl