Schottland (Geschichte) 757
wurde. Angus bemächtigte sich nun abermals der Gewalt und des jungen Königs. Letzterermachte sich 1528 frei und ergriff, von seinen Freunden geleitet und von Rache gegen dieGroßen erfüllt, das Staaksruder. Der Fall des Hauses Angus war die nächste Folge. Jakobschloß sich dem hundertjährigen Todfeinde des Adels, dem Klerus, an, womit Beaten wiederzur Macht gelangte. Als Heinrich VIII. von England seinen Neffen zur Einführung derKirchenreformation auffoderte, lehnteJakob dies ab. Dagegen verband er sich enger mit demkatholischen Frankreich, indem er die Prinzessin Marie von Guise heirathete. Heinrich VIII.eröffnete endlich 154V gegen seinen Neffen den Krieg. Jakob rüstete sich zwar 1512, vonder Geistlichkeit reichlich unterstützt, zu einem Einfall in England; aber der feindselige Adelweigerte sich, außer Landes zu kämpfen, und der Feldzug nahm einen schimpflichen Ausgang.In tiefe Schwermuth versenkt, starb Jakob V. 1542. Er hinterließ das nach außen vonEngland, im Innern von kirchlichen Wirren bedrohte Reich seiner kaum geborenen Tochter,Maria Stuart (s. d.), für welche Beaton vermöge eines untergeschobenen Testaments dieZügel der Regierung ergriff.
Der schot. Klerus war stets vom röm. Stuhle ziemlich unabhängig gewesen. EineNationalsynode leitete die kirchlichen Angelegenheiten, bis 4468 unter heftigem Widerstandedas Erzbisthum St.-Andrews gegründet wurde. Diese Stellung machte die Kirche vonjeher von den Königen abhängig, die ausschließend die kirchlichen Würden vergaben. DieKönige hingegen betrachteten dicKirche, dem übermächtigenAdel gegenüber, als Verbündeten,und ergriffen darum jede Gelegenheit, das Ansehen und den Ncichthum derselben zu stärken.Zu Anfänge des > 6. Jahrh. besaß die schot. Geistlichkeit fast die Hälfte des ganzen Erund-cigenthums, was die Furcht und die Eifersucht des Adels und den Unwillen des gedrücktenBürgerthums erregte. Außerdem befand sich in S. das alte Kirchenthum in noch tiefermVerfall, als in andern Ländern. Die Priester waren ohne Bildung, lebten in Üppigkeit underhielten das gemeine Volk im rohsten Aberglauben. Mit der Reformation in Deutschlandund England wendeten sich auch in S., wo die Wiclifst ten bereits vorgearbeitet, dieHöherstehenden und Gebild eten auS Interesse und innerm Bedürfnis den neuen Religions-ideen zu. Wiewol Beaton die neue Lehre mit Feuer und Schwert verfolgte, schlug doch dieReformation unter dem Schutze des Adels bis zum Tode Jakob's V. feste Wurzel. Auchals Beaton die Negierungsgewalt an sich gerissen, vermochte er weder durch List noch durchSchrecken die kirchliche Umwälzung zu hemmen. Die Regierungsgewalt war in S. noch zuschwach, die Macht des Adels zu groß, als daß die Hofpolitik hätte durchdringen können.Mit Hülfe der Großen eignete sich alsbald Jak. Hamilton, Graf von Arran, ein schwacherMann, der aber dem Throne nahe stand, das Amt des Reichsverwesers zu und verlobte, umden franz. Einfluß zu lähmen, die junge Königin Maria Stuart mit dem Sohne Hein-rich's Vlll. von England. Die Anschläge Heinrich's auf dieUnabhängigkeit S.s führten jedochschon 1543 einen Bruch herbei, und Arran trat zum Katholicismus zurück und verband sichmit der franz. Partei und der Königin^Mutter, Marie von Guise. Trotz dieser ungünstigenVerhältnisse brach sich die Reformation unaufhaltsam Bahn. Nach Heinrich's Vlll. Todeversuchte der engl. Neichsverweser Somerset nochmals, die Hand Verjüngen schot. Königinfür Eduard VI. von England zu erwerben. Weil er aber zugleich die allen Ansprüche her-vorzvg, kam eS sogar zum Kriege, in welchem die Schotten 1547 bei Pinkay geschlagenwurden. Diese Niederlage brachte S. gänzlich auf die Seite Frankreichs. Der franz. Hofschickte 1548 einHülfscorps von 6VVVM., und die schot.Thronerbin wurde nach Frankreichgebracht und dort mit dem ältesten Sohne Heinrich's.II., dem nachherigen Fran()K, verlobt.Während stch die Gebrüder Guise, die eifrigsten Träger dcS Katholicismus, MVormündernder jungen Maria Stuart aufwarfen, gewann die Königin-Mutter durch-Schmeichelei dieschot. Protestanten, sodaß sie 1554 an Arran's Stelle die Regentschaßkäwernehmen durfte.Noch mehr befestigte sich die Macht der Regentin und der EinfluLK^ankreichs, als MariaStuart 1558 mit dem stanz. Kronprinzen vermählt wurde. Ms Anstiften ihrer Oheime,der Guisen, Unterzeichnete hierbei Maria Stuart eine UrkiMde, nach welcher, im Falle ihreskinderlosen Todes, das schot. Reich an Frankreich falle« sollte. In Rücksicht ihrer Erban-sprüche auf den engl. Thron nahm sie mit ihrem Gemahl zugleich den engl. Königstitel anund zog sich dadurch die verhängnisvolle Feindschaft der Königin Elisabeth von England zu.