Druckschrift 
12 (1847) Regalien bis Schottische Philosophie
Entstehung
Seite
753
Einzelbild herunterladen
 

Schottland (Geschichte) 753

kirche nach ihrer gegenwärtigen inner« und äußern Verfassung" (Hamb. 1827). Der pres-bytcrianischen Kirche gehört mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes an, nächstdemleben in S. über 400000 dissentirende Presbyterianer und gegen 20000V Katholiken, meistausgewanderte Irländer, in Jnverncß und Banff, auch gibt es unter den hohem Ständenviele Anhänger der bischöflichen Kirche, Methodisten und Taufgesinntc.

Die ältesten Bewohner von S. gehörten nach Sprache, Religion und Sitte zum großenVölkerstamme der Kelten (s. d.). Die Römer, die sich 50 Jahre v. Chr. im südlichen Theileder großen brit. Insel fcstsetzten, nannten jedoch die Völkerschaften, welche über den Tweed-fluß hinaus wohnten, Caledonier (s. Caledonia). Erst im 1.80 drang der röm. StatthalterAgricola aus dem röm. Britannien in das Land der Caledonier vor. Das Land wurde nurbis an die Grampianberge unterworfen, hinter welchen die Caledonier dem Feinde trotzten.Um die Einfälle der Barbaren ins röm. Gebiet abzuhalten, errichteten die Römer befestigteWälle, einen zwischen den Flüssen Forth und Clyde, später einen andern zwischen Solwayund Tyne, der die Grenze des röm. Reichs blieb. Im Anfänge des 4. Jahrh. werden vonden röm. Schriftstellern, die überhaupt die frühesten Nachrichten enthalten, die Bewohnerjenseit der Wälle Picken (s. d.) genannt. Man hat dargethan, daß die Picken nicht neueEinwanderer, sondern die alten Caledonier waren. Etwas später traten auch die Scotenauf, ein wilder Keltenstamm, der sicherlich aus Irland herüber kam. Als die Römer im I.420 Britannien aufgaben, fielen die Pieten und Scoren verwüstend in das civilistrte Süd-britannien ein. Die Briten riefen die Sachsen und Angeln zu Hülfe, welche zwar 440 dieBarbaren hinter die Wälle trieben, sich selbst aber in Südbritannien festsetzten. Seitdemverschwinden die Picken und Scoten aus längere Zeit aus der Geschichte. Um das I. 600nahmen die Scoten, unter einem Fürsten Fergus, feste Wohnsitze an der westlichen Küsteund aus den Inseln, während die Picken den Osten und Norden bewohnten. Gegen dieMitte des V.Jahrh. verbreitete der GlaubenspredigcrColumba unter dcnPictcn Und Scotendas Christenthum. Derselbe gründete auch auf der Insel Jona ein Kloster, das der Stammsitzgeistiger Bildung wurde, und aus dem die unter dem Namen der Culdeer (cnltvres I)<n)bekannten geistlichen Genossenschaften hervorgingen, welche bis ins Mittelalter hinauf dieschot. Kirche vor der Abhängigkeit vom Papste bewahrten. Nachdem der Stamm der Picten-fürsten erloschen, gelang es 843 dem Scotcnkönig Kenneth, beide Ländercheile zu einemReiche, Schottland (Scotlancl), zu vereinigen, dessen Grenze gegen England der Römer-wall blieb. Allmälig wuchsen die beiden Völkerschaften zu einem Volke zusammen. Schonmüdem 10. Jahrh. entbrannten aus Vergrößerungslust die blutigen Kriege der Schottenmit den Engländern. König Edmund von England belehnte 945 den schot. König Malcolmmit der Provinz Cumbcrland unter der Bedingung, daß ihm derselbe gegen die eindringendenDänen beistäudc. Aus dieser Verleihung leiteten alsbald die engl. Könige eine Oberherrlich-kcit überS. her. Außerdem erregte die Verbindung den Zorn der Dänen, die nun S. ebensowie England verwüsteten. Um das I. 1040 wurde der schot. König Duncan von seinemVetter Macbeth (s. d.) aus Privatrache ermordet. Während sich Macbeth mit Hülfe derStämme des Gebirgslandes auf den Thron schwang, floh der älteste Sohn Duncan's, Mal-colm Canmore, nach Cumbcrland. Macbeth behauptete zwar die Krone zehn Jahre, machtesich aber durch Grausamkeit verhaßt. Von Siward, Grafen von Northumberland, und demKönige von England unterstützt, fiel Malcolm 1054 in S. ein und trieb Macbeth ins Hoch-land, wo.derselbe im Kampfe fiel. Die Thronerhebung Malcolm's III. Canmore war für S.von größtem Einfluß. Derselbe hatte am Hofe Eduard's des Bekenners gelebj und brachteengl. Bildung in die Heimat zurück. Als die Normannen 1066 EnglaH-«oberten, be-günstigte er den rechtmäßigen engl. Thronerben, Edgar Atheling, und nahm Tausende vonflüchtigen Angelsachsen auf. Zwar gelang es ihm nicht, Wilhelm denl-soberer zu vertreiben,aber er brachte von einem Kriegszuge nach Nordengland zahllose Gafimgene mit, durch welcheer sein Reich bevölkerte und civilistrte. Seitdem wurden engl. Sprache und Sitte in Niedcr-schottland einheimisch, während im Hochlande (s. d.) altkeltische Eigenthümlichkcit undWildheit fortdauerten. Nachdem Malcolm M. 1093. im Kriege gegen England gefallen,usurpirten seine Söhne und Verwandten untereinander den Thron, bis endlich 1124 »erConv.-Lex. Neunte Ausl. XII. 48