Schottland (Geographie und Statistik) 751
sehnliche Eisenbergwerke besitzen die Grafschaften Lanark, Ayr, Clackmannan und Stirling;besonders zeichnen sich aus die Clyde- und Calderwerke in Lanarkshire, die Werke zuMuckirkin Ayrshire und zu Carron in Stirlingshire. Galmei wird zu Wanlockhead und Leadhills,und Alaun zu Moffak in DumfrieS, bei Leadhills in Lanark und zu Hurlett bei Paisley ge-wonnen. Ausgezeichnete Bruchsteine von Granit und Schiefer finden sich an mehren Orten,ebenso Mineralquellen. Reiche Steinkohlenlager, obschon den bessern englischen an Gütenicht gleich, erstrecken sich in einer Linie von mehr als 29 M. längs der Busen des Clydeund des Forth, durch die Grafschaften Lothian bis nach Glasgow. Salz wird als Mineralnicht gefunden, sondern aus Meerwasser gesotten. In der Industrie kommt S. Englandnicht gleich. Von der gesammtcn brit. Baumwollenfabrikatiou fällt etwa nur der neunteTheil aufS. Doch liefern Glasgow und Paisley vortreffliche Baumwollenwaaren; ganzbesonders ausgezeichnet sind die Musseline von Paisley, und in der Kattundruckerei, nament-lieh der Shawls, hat man es in S. weiter gebracht als in England. Einen uralten Stapel-artikel bilden die Leinwand und andere Fabrikate aus Flachs. Er ist theils als Neben-, theilsals Hauptbeschäftigung über das ganze Land verbreitet, und wird fabrikmäßig, vornehmlichin Dumfries, Perth, Dundee, Aberdeen und Jnverary betrieben, hat sich aber seit derMitbewerbung Irlands und dem vermehrten Gebrauch wollener Stoffe vorzugsweise aufgröbere Gewebe beschränkt, zu denen Rußland den Hanf, die Niederlande und Deutschlandden Flachs liefern. Der Binnen-und Küstenhandel ist sehr wichtig; zahlreiche Kanäle, Ei-senbahnen und gute Kunststraßen dienen dazu, denselben zu fördern. Vor der Vereinigungmit England unbedeutend, hat der Handel seit der Mitte des 18. Jahrh. mit der gestiegenenManufacturindustrie einen immer höher» Schwung genommen und erstreckt sich seit Be-schränkung der Handelsvorrechke der Ostindischen Compagnie sogar bis nach Indien undChina. Der Verkehr mit England führt gegen Schlachtvieh, Wolle, Leinwand und einigeSorten Baumwollenwaaren fast alle Wollwaarcn für den einheimischen Bedarf, Seide,Eisenwaaren und Thce, von Irland für Hafer und Vieh seine Kohlen und sein Eisen ein;mit Amerika und Westindicn tauscht man gegen Baumwollenwaaren und Leinwand ge*wöhnlich rohe Baumwolle, Zucker und Rum ein und aus Rußland holt man Hanf undHolz. Der Clyde ist der Sammelplatz der meisten Schiffe, die diesen Handel treiben, undGlasgow der Hauptsitz desselben. Zur Beförderung des Verkehrs bestehen viele öffentlicheBanken, von denen die 1695 gegründete Schottische Bank mit 16'/ Mill. Thlr. Einlage-kapital ein Nationalinstitut ist, dessen Geschäftsführung unter der Controle der gesetzgebendenGewalt steht. Außer ihr gibt es in S. noch 32 andere Banken.
Für die Volkserziehung ist durch Schulen allenthalben ausreichend und weit besser alsin England gesorgt. Schon seit 1696 erhielt jedes Kirchspiel eine Schule, und die Gesell-schaft zur Verbreitung des christlichen Unterrichts stiftete später auf ihre Kosten allein in demHochlande über 329 Schulen. Unter den vier Hochschulen zu Edinburg, Glasgow, Aber-deen und St.-Andrcws ist die zuerst genannte die bedeutendste, besonders für das Studiumder Arzneiwisseuschaft. Die schot. Universitäten haben nichts von der mönchischen Disciplinder beiden alten englischen und sind in ihrer Einrichtung mehr den deutschen ähnlich. Allebesitzen reiche Büchersammlungen, doch gibt es in S. nicht so viele Privatbibliotheken als inEngland. Mit der allgemeinen Belebung des Volks, um die Mitte des > 8. Jahrh., erhobsich auch die Literatur, welche während der innern Unruhen im 17. Jahrh. in tiefen Verfallgerathen war, und aus S. gingen mehre der ausgezeichnetsten Geister hervor, welche denRuhm der Englischen Literatur (s. d.) erhöhten. (S. auch Schottische Philo-sophie.) In der bildenden Kunst haben sich, wiesrüher Jamieson (s. d.), so in neuererZeit Naeburn, Nasmyth und der treffliche Genremaler Wilki e (s. d.) ausgezeichnet.
Politisch ist S. in 33 Grafschaften (31 Counties und zwei Stewartries) eingetheilt,von welchen Orkney und Shetland (Stewartry), Caithncß, Sutherland, Roß, Cromarty,Jnverneß zu Nordschottland; Argyle, Buke (Stewartry), Nairn, Elgin oderMoray, Banff,Aberdeen, Kincardine oder Mearns, Angus oder Forfar, Perth, Fife, Kinroß, Clackman-nan, Stirling, Dumbarton zu Mittelschottland; Linlithgow oder Westlothian, Edinburgoder Midlothian, Haddingten oder Ostlothian, Berwick, Nenfrew, Ayr, Wigton, Lanark,Peebles, Selkirk, Roxburgh, Dumfries und Kirkcudbright zu Südschottland gerechnet wer-