388 Russische Sprache und Literatur
geschmackvollen Kritiker bemerkbar gemacht hat. Ebenso ist der als Professor in Moskauverstorbene Mersläkow als Dichter und Kritiker beachtenswerth. Der General Dawidowhat sich als Dichter von Soldatenliedern Ruhm erworben. Der Collcgienrath Chemnicer(s.d.) (>344—84) und der Bibliothekar Krylow (s. d.) sind als originelle Fabeldichter zunennen. Der Bibliothekar Gnieditsch (1384 —1833) hat sich durch eine Übersetzung der„Ilias" in Hexametern ein großes Verdienst erworben; auch übersetzte er Shakespeare's„Lear". Bulgarin (s. d.) und Gretsch (s. d.) dürften nicht weniger dieser als dersol-genden Periode zuzuzählen sein.
Diese letzte Periode ist als diejenige zu bezeichnen, in welcher die russ. Literatur endlich >zu einer selbständigen, wahrhaft national-russischen sich erhob und das Russische den Sieg überdie andern in sie hincingekommcnen Elemente davon trug. Auf das mächtigste trug dazu bei,daß Kaiser Nikolaus es als die Hauptaufgabe seiner Regierung betrachtete, die verschiedenenTheile seines Reichs zu einem großen Ganzen zu verschmelzen, den russ. Volksgeist zu wecken,das Nationalgefühl zu beleben und dem Vaterländischen die Liebe und Achtung des Volkszuzuwenden. Während alle Regierungsmaßregeln daraufhinleiteten, war es Puschkin's(s. d.) Genius, der die Literatur auf den russ. Volksgcist bafirte, in dessen Gedichten alle Ele-mente des russ. Lebens, die Freude, der Schmerz, der Ruhm, die Vaterlandsliebe und derHumor ihren Ausdruck fanden. Als Puschkin's Genossen und Nachfolger sind zu nennenBaratynski (s. d.), der 18-14 zu Neapel starb; Baron Delwig (gest. 1831), der Heraus-geber des russ. Musenalmanachs „Nord. Blüten" (1823 und 1826), welcher in seinenGedichten auf deutsch-gemüthliche Weise den Ton des Volksliedes anschlug; Benediktow(s. d.) und A. Podolinski, von dem liebliche poetische Erzählungen herrühren. Einer dergepriesenstcn lyrischen Dichter der Gegenwart war Lermontow, der ebenfalls schon früh ver-starb. Die bedeutendsten und fruchtbarsten dramatischen Dichter sind Nikolaus Polewoi rmllNestor Kukolnik, die den Stoff ihrer meist mit Beifall aufgenvmmenenDramen hauptsächlichaus der russ. Geschichte entlehnt haben; Gogol stellt dagegen in seinen Lustspielen mit Launedas kleinstädtische russ. Leben dar. Die russ. Romane schildern vornehmlich einen gesellschaft-lichen Sittenzustand, in welchem sich die Roheit mit dem Scheine der Civilisation um denVorrang streitet. Zum Romane im höher» Sinne ist Rußland noch nicht herangereift. .Einer der ausgezeichnetsten Erzähler war Bcstuzew (s. d.); Bulgarin (s. d.) hat, sowenig auch seine Erzählungen vom ästhetischen Standpunkte aus genügen mögen, doch dasunleugbare Verdienst, zuerstSchilderungen aus dem vollen Leben gewagt zu haben. Pawlowgibt sich in seinen Novellen als gewandten Zeichner des Individuellen und tiefen Menschen-kenner kund; Sagoskin schildert in seinem beliebten Romane „Jury Miloslawsti oder dieRussen im I. 1612" (deutsch von Schultz, 2 Bde., Lp;. 1839) in Walter Scvtt'scher Mr-nier das Volksleben mit Treue und Lebendigkeit. Auch Wasili Uschakow's „Kirgis-Kaisak"(deutsch von Goldhammep, 2 Bde., Lp;. >834) enthält anziehende Sittenschilderungen. DerGraf Solohub schildert in trefflichen Novellen die höhere Petersburger Gesellschaft. FürstOdojewski, der Baron Theodor Korf, Konst. Masalski, Senkowski und Dahl sind ebenfallsnoch als Erzähler hervorzuheben. Besondere Erwähnung verdienen auch die Erzählungen,welche das anmuthige und gcmüthliche Kosackenleben schildern und zum Theil in dem soge-nannten kleinruss. Dialekte abgefaßt sind, wodurch der Anfang gemacht ist, diese Mundart zur iSchriftsprache zu erheben. Hier sind Gogol, Grebenko und Kwitka (pseudonym Osnvwia-nenko) zu erwähnen, deren rührende idyllenartige Darstellungen durch Frische und Natürlich-keit ansprechen. Große Aufmerksamkeit hat man, wie in allen slaw.Ländern, den Volkssagenund Volksliedern zugewendet; Sammlungen erschienen von Maximowitsch, Makarow undSacharow. Die neue Richtung der russ. Literatur offenbarte sich besonders auch in den histo-rischen Schriften. Hier verdient vorzügliche Beachtung die „Geschichte Rußlands" von demPetersburger Professor Ustrialow (3 Bde., deutsch, Stuttg. 1840), die zum Compendium für dieruss. Unterrichtsanstalten bestimmt ist und Großrußland als den Mittelpunkt darstellt, nachdem Kleinrußland, Nothreußen, Lithauen u. s. w. durch ihre geschichtliche Entwickelungnothwendig hingeftihrt werden müßten. Ein namhafter Historiker ist Pogodin, Professorder Geschichte in Moskau, der sich besonders um die Sichtung der altern Geschichte Rußlandsverdient gemacht hat. Polewoi gab eine sehr umfassende Geschichte Rußlands heraus, und