386 Russische Sprache und Literatur
und Russischen eine feste Grenze zog, das Übergewicht der groß-russ. Sprache befestigte, aber fdieser, indem er sie nach der lateinischen zu bilden und insbesondere in der Poesie in lat.Formen einzuzwängen versuchte, unnatürliche Schranken anlegte. Daher findet sich in seinenOden und Tragödien bei dem Mangel an wahrer Poesie das Vorherrschen eines schwülstigenTones und rednerischen Schmuckes. Unter den Nachfolgern Lomonosow's als Dichter istzu erwähnen Sumarakow (> 718—77), der zu seiner Zeit berühmt, aber in Allem sehr breit,alle Arten der Poesie umfaßte, das größte Verdienst aber um das Drama sich erwarb. Ob-gleich sich schon im Anfänge des 17. Jahrh. rohe Anfänge rufs. dramatischer Kunst inden Darstellungen biblischer Geschichten finden, welche von den kiewer Studenten während fder Ferienzeit aufgeführt wurden, und auch der Mönch Simeon von Poloczk (1628—80)Dramen schrieb, welche zu Feodor's III. Zeit erst im Kloster, dann am Hofe gegeben wurden,so war doch Sumarakow eigentlich der Erste, der ein regelmäßiges russ. Trauerspiel lieferte.Sein „Nebukadnezar" und „DerverloreneSohn" sind in der „Altruff. Bibliothek" (Bd.8)abgedruckt. Zwar wurde schon vor ihm das erste nicht geistlicheDrama, eine Übersetzung vonMoliere's „Arzt wider Willen" von der Zarin Sophia Alcriewna mit ihren Hoffräuleinaufgeführt, allein ein eigentlich ruff. Theater bestand erst seit 1776, nachdem Theodor Wol-kow die Privatbühne, welche er in Zaroslaw errichtet, in die Residenz versetzt hatte, wo Su-marakow's Stücke die ersten waren, welche zur Aufführung kamen. Durch die Vorliebe derKaiserin Katharina II. für das Drama stieg dasselbe schnell in der Liebe des Volks, woraufSumarakow 1764 seine erste Oper aufführen ließ. Nach Sumarakow behauptet Kniäsch-nin (1742—91) als Dramatiker die nächste Stelle, und es haben sich einige Lustspiele vonihm, in die er manche Lächerlichkeit seiner Zeit cinwebte, noch jetzt auf der Bühne erhalten.
Er übertrifft Sumarakow an Reinheit des Stils, wird aber oft schwülstig und frostig. Wi-zin (1745—92) machte sich verdient um das Lustspiel; zwei seiner Lustspiele inIrofa, vollechter Komik und treu seine Zeit darstellend, gefallen nvch jetztz auch ist er einer der erstenProsaiker dieser Periode. Von Cheraskow (1733—1897) haben wir, außer Tragödien,Oden und Episteln, zwei große epische Gedichte über die Eroberung Kasans und über Wla-dimir den Großen. Seine Sprache ist schön und fließend, aber seine Gedichte leiden an einergewissen Sckwäche. Zu seiner Zeit galt er für Rußlands Homer, gegenwärtig aber ist ervergessen. Oserow (Generalmajor, 1779—>816) gehört der Zeit nach der folgenden, inHinsicht der Sprache aber dieser Periode an; er schrieb Trauerspiele in Alexandrinern, z.B.„Fingal" und „Ödip"; seine Sprache ist weder rein noch schön, aber der Ausdruck oft kräf-tig, die Darstellung der Leidenschaften wahr; einige Scenen sind in der That tragisch undeinige Charaktere gut gezeichnet und sicher durchgeführt. Fürst Michailowitsch Dolgoruki(1764—>823) schrieb philosophische Oden und Episteln, die sich durch tiefes Gefühl undNatürlichkeit auszeichnen; Graf Chwvstow (s. d.) lyrische und didaktische Gedichte, die denbesten Erzeugnissen der Art zugezählt werden. Bobrow (gest. 1819) schrieb eine Mengeschwülstiger Oden und ein beschreibendes Gedicht „Chersonida", das ein Chaos mit einzel-nen glänzenden Dichterfunken ist. Petrow (1736—99), ein Dichter, an Ideen und star-ken Bildern sehr reich, in der Sprache aber rauh, besang in seinen Oden die Siege der grossenKatharina, und seine Helden waren Potemkin und Rumjanzow. Auch übersetzte er die„Äneis" in Alexandrinern. An Bogdanowicz (s. d.), dem Verfasser des Gedichts 's„Psyche", ist Naivetät und Grazie zu rühmen. In der letzten Hälfte dieser Periode trat dergeniale, originelle Derzawin (s. d.) auf, der erste wahrhaft volksthümliche ruff. Dichter.
Er besang den Ruhm russ. Waffen unter Katharina II., wie Lomonosow und Petrow, dochmit dem Unterschiede, daß diese nur Lobredner waren, Derzawin aber mit freiem Dichter-geistc seinen Gegenstand ergriff. Kapnist (s. d.) steht dem Derzawin an Kühnheit der Ge-danken nach, kommt ihm aber an Gemächlichkeit und Reinheit der Sprache gleich.
Nicht in so kurzer Zeit, wie die Poesie, erhob sich zu gleicher Ausbildung und Gewandt-heit die Prosa. Langsamer wirkte hier Lomonosow's Muster. Besondere Ausbildung er-hielt sie durch die geistlichen Reden, in denen jedoch oft eincbombastischeRhetorikden mindernGcdankengehalt vertreten mußte. Neben dem Metropoliten von Moskau, Platon (H d.)zeichnete sich der Erzpriester in Kiew, Lewanda (1736—1814), durch Kraft der Gedatnken "vorkheilhaft aus. Um die Geschichte machten sich verdient Schtscherbatow (1733—99)^ der >