Druckschrift 
6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
688
Einzelbild herunterladen
 

658

Hase (Karl Bened.)

bach im Herzogtum Altenbnrg, empfing seine Vorbildung auf dem Gymnasium ru Al-tenburg. Im I. 1819 bezog er die Universität zu Leipzig, wurde jedoch wegen Thcilnahmean der Burschenschaft 1829 verwiesen und setzte nun seine Studien in Erlangen fort. Anden Bund, der damals der Burschenschaft eine universalere Tendenz geben wollte, schloßsich H. an, trat aber schon 1822 wegen der überspannten Grundsätze der meisten Bundes-glicdcr wieder aus demselben. Dennoch gericth er in Folge jener vorübergehenden Thcil-nähme in eine langwierige Untersuchung und mußte, nachdem er sich bereits 1823 zu Tü-bingen habilitirt hatte, fünf Monate auf der Festung Hohcnasperg zubringcn. Nach seinerFreilassung ging er nach Dresden, darauf nach Leipzig, wo er sich 1828 habilitirte undnamentlich durch seine Vorträge über Dogmatik und über das Leben Jesu anzog. Bereitsim folgenden Jahre erhielt er eine Professur in Jena, die er 1830 antrat, nachdem er zu-vor eine Reise nach Italien gemacht hatte, und wo er noch gegenwärtig wirkt. Seine theo-logischen Grundansichten legte er schon in der Schrift „Des alten Pfarrers Testament"(Tüb. 1823) nieder; klarer entwickelte er sic in seinem „Lehrbuch der evangelischen Dog-matik" (Tüb. 1825; 3. Aust., Lpz. > 832) und in der für Gebildete bestimmten „Gnosis"(3 Bde., Lpz. 1828—28). Dem Wesen- nach ist sein System Rationalismus, der jedochin der Lehre von der Sündenvergebung in Supernaturalismus umschlägt. Unter sei-nen zahlreichen andern Schriften erwähnen wir, außer dem „Leben Jesu" (Lpz. 1829;3. Aust., 1839) und der durch pracise körnige Darstellung bisher unübertroffenen „Kir-chengcschichte" (Lpz. 1833; 5. Aust., 1833), die geschätzte Ausgabe dcr„Di>,ri »^mboliciecclc-ise evsngeiicse" (Lpz. 1827; 2. Aust., 1837), sowie den „Rutterus reäivivu»oder Dogmatik der evangelisch-lutherischen Kirche" (Lpz. 1828 ; 3. Aust., >838). In demletztem Werke hob er die Consequenz der altlutherischen Dogmatik gegen neuere Systemehervor und gcrieth dadurch in eine literarische Fehde mit Röhr. Vgl. seine „TheologischenStreitschriften" (Hst. 1—3, Lpz. >833—37). Endlich ist noch als Beitrag zur neuestenKirchengeschichte seine Schrift „Die beiden Erzbischöfe" (Lpz. 1839) zu nennen.

Hase (Karl Bened.), Conservatcur der griech. und lat. Handschriften an der könig-lichen Bibliothek zu Paris, geb. am 1 l. Mai 1789 zu Sulza bei Naumburg, wo seinVater Obcrpfarrer war, wurde in Weimar unter Böttiger's Leitung gebildet und durchdiesen für die klassischen Studien gewonnen, die er dann auf den Universitäten zu Jena undHelmstedt fortsetztc. Im 1.1891 begab er sich nach Paris und erhielt daselbst 1895 aufVilloison's Empfehlung eine Anstellung bei der königlichen Bibliothek. Zugleich wurde er1815 Professor des Neugriechischen an der Rcolo »peciale der oriental. Sprachen, 1823Mitglied der Akademie der Inschriften und 1830 Mitglied des Verwaltungsraths bei derPolytechnischen Schule. Durch Herausgabe und Verbesserung der Schriften des Lydus„Do msgistrstid»» Romsnorum" (Par. 1812) und „De ostentiü" (Par. >823), sowiedes Leo Diakonus (Par. 1819, Fol.), den er später auch für die Niebuhr'sche Ausgabe derByzantiner bearbeitete; ferner durch seine trefflichen Beiträge und gediegenen Abhand-lungen in den „Notice» et extrsit» cke manuscrits cko is I-ibliotiiögne <Iu roi" im „äuur-„sl <lo» ssvsnts", „äournsl ssistigno" n. s. w., endlich durch die thätige Thcilnahme ander Begründung der bei Didot erscheinenden neuen Ausgabe des Stcphan'schen griech.,,1'Iiessiirus" hat er sich einen ehrenvollen Platz unter den jetzigen Gelehrten gesichert. Dieerfreulichen Fortschritte der humanistischen Studien inFrankreich sind durch seinen Unterrichtund durch seine Werke wesentlich befördert worden, und auch das Ausland, namentlichDeutschland, ist ihm wegen der außerordentlichen Zuvorkommenheit bei Benutzung der rei-chen Schätze der königlichen Bibliothek zum größten Dank verpflichtet. — Sein Bruder,Heinrich H., geb. zu Altcnburg am 18. Jan. 1789, studirte in Leipzig und Jena, lebtedann >899—17 als Hauslehrer in Kurland und wurde, nachdem er eine größere wissenschaft-liche Reise durch Frankreich und Italien gemacht hatte, 1829 Inspektor des Antiken - undMünzcabinets zu Dresden und 1836 Obcrinspcctor bei dem Antikencabinet und dem Mu-seum der Mengs'schcn Eypsabgüssc. Im 1.1839 unternahm er zu wissenschaftlichen Zwe-cken eine Reise nach Griechenland. Er starb am 9. Nov. 1832. Von seinen Schriften er-wähnen wir die „Nachweisungcn für Reisende in Italien" (Lpz. > 82'.); „Verzcichniß deralten und neuen Bildwerke und übrigen Altcrthümer in der Antikensammlung zu Dres-