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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
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658
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658 Haustein Hanswurst

tillerie- und Ingenieurschule Vorlesungen über angewandte Mathematik, und steht seit1837 der trigonometrischen Vermessung Norwegens allein vor. In Druck sind von ihmnoch seine Vorlesungen über die Astronomie, ferner ein Lehrbuch der Geometrie, das ihn ineine literarische Fehde verwickelte, und ein sehr werthvolles Lehrbuch der Mechanik erschie-nen ; außerdem ist er Herausgeber des „Norwegischen Almanachs".

Haustein (Gottfr. Aug. Ludw. von), ein um Kanzelberedtsamkeit verdienter Theo-log, geb. 1761 zu Magdeburg, war nach Beendigung seiner Studien von 1782 an Colla-borator an der Domschule zu Magdeburg, bis er 1787 das Diakonat zu Tangermimde er-hielt. In dieser Stellung erwarb er sich durch sein Rednertalent, sowie durch die von ihmanfangs in Verbindung mit Sucro 1781—93 herausgegebenen „Homiletisch-kritischenBlätter für Candidaten des Predigtamts" solchen Ruf, daß er 1803 zum Inspektor amDome zu Brandenburg und im Jahre darauf zum Oberconsistorial- und Schulrathe, Propstund Inspektor am Dome zu Berlin ernannt wurde. Hier starb er 1821. Von seinenSchriften, die sich durch Klarheit und rationelle Auffassung des Christenthums auszeich-nen, erwähnen wir noch das „Neueste Magazin von Fest-, Gelegenheits- und andern Pre-digten und kleinern Amtsreden" (3 Bde., Magdeb. 1816—18), das er zuerst mit Ribbeck,dann mit Eylert und Dräseke herausgab. Vgl. (Wilmsen) „Denkmal der Liebe, dem PropstH. geweiht" (Berl. 1821).

Hanswurst ist die Benennung eines ehemals stehenden grotesk-komischen Charak-ters der deutschen Bühne. Es erscheint als ein eigenthümlicher Zug, daß man in fast allenLändern den herumziehenden Possenreißer nach dem Lieblingsgericht der niedern Volks-classen nannte; so gab es in Holland Pickelhcringe, in Frankreich einen Jean Potage, inItalien Maccaroni, in England einen Jack Pudding; Deutschland aber nannte ihn Hans-wurst. Die älteste Erwähnung des Hanswurst geschieht in Luther's gegen den Herzog vonBraunschweig-Wolfenbüttel gerichteter Schrift „Wider Hanswurst" vom I. >531. Auseiner Stelle derselben: „Wohl meinen etliche, ihr haltet meinen gnädigen Herrn darum fürHanswurst, daß er von Gottes Gaben stark, fett und völliges Leibes ist", läßt sich abneh-men, daß man ihn gern mit einem wohlgemästeten Körper gewählt habe. Bei seiner Töl-pelei war demnach der Hanswurst, wie der Harlekin (s. d.), auch ein Fresser, nur mitdem Unterschiede, daß bei jenem das Essen ansetzt, dieser aber dabei schlank, leicht und ge-schmeidig bleibt. Aus diesem Umstande dürfte man vielleicht einen Schluß auf die Ver-schiedenheit des Witzes und ganzen Benehmens beider grotesker Charaktere ziehen. Jndeßauch so wie er war, blieb Hanswurst Jahrhunderte lang ein Liebling des schaulustigendeutschen Volks, der anfangs wol blos aus dem Stegreif sprach. Di« älteste Komödie,worin er vorkommt, ist Peter Probst's Fastnachtsspiel „Vom kranken Bauer und einemDoctor" (15 5 3). In Georg Roll's Komödie vom „Fall AdamS" (l 57 3) steht er und HansHan neben Gott dem Vater und dem Sohne; in einem Stücke, „Der verlorne Sohn",von 1692, prügelt er sich mit einem Heiligen und zwei Teufeln wacker herum. Erst seitAnfänge des 18. Jahrh. fanden sich Schauspieler, welche diesen Charakter auch mimischauszubildcn beflissen waren. Unter großem Beifall stellte Jos. Ant. Stranitzky, geb. zuSchweidnitz in Schlesien, der zu Wien 1768 als Nebenbuhler der Italien. Komiker auftratund ihre Buffonerien nalionalisirte, den Hanswurst als das Zerrbild Harlekins unter derTracht und dem Charakter eines einfältig possirlichen salzburger Bauern dar. Über die Artseiner Darstellungen verbreitete er sich in seiner „Olla potritla des durchtriebenen Fuchs-mundi" (Wien 1722). Nächst ihm war Gottfr. Prehauser aus Wien als Darsteller desHanswurst berühmt, welcher 1726 zuerst die Pritsche nahm, die er, ein Mann von nichtgemeinen komischen Talenten, nachher mit vielem Ruhme bis zu seinem Tode im I. >759führte. Unter den übrigen Schauspielern Deutschlands, die noch in dieser Nolle auftraten,verdienen ausgezeichnet zu werden Schönemann in Berlin, Bernardvn (von Kurz) in Wienund Franz Schuch in Breslau. Als endlich das gelehrte Schauspiel die extemporaire Ko-mödie zu verdrängen oder ihr wenigstens die Herrschaft streitig zu machen begann, wurdegegen den Hanswurst, der ohnehin immer mehr in Plumpheit und Gemeinheit ausgeartetwar, von vielen Seiten ein zuletzt siegreicher Feldzug eröffnet. Den Hauptsieg über ihn er-rangen 1737 seine verbündeten Gegner, Gottsched (s. d ) und die bekannte Schauspie-