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Guizot
Guizot (Franc. Pierre Guill.), franz. Geschichtschreiber und Publicist, gegenwär-tig Minister der auswärtigen Angelegenheiten, ein Protestant, geb. zu Nimcs am 4. Oct.1787, kam, nachdem sein Vater, der Advocat war, während der Schreckenszeit hingerich-tct worden, >794 mit seiner Mutter nach Genf, wo er Philosophie und neuere Sprachenstudirte. Nach einem kurzen Aufenthalte in seiner Vaterstadt begab er sich >805 nachParis. Hier setzte er seine Studien unter Royer-Collard's Leitung fort und gewann andem Gesandten der Schweiz, Stapfer, einen eifrigen Günndr. Es gelang ihm, die Auf-merksamkeit Fontanes' auf sich zu ziehen, der ihm >812 Erlaubniß ertheilte, Vorträge überdie neuere Geschichte zu halten. Noch sehr jung hatte er sich bereits auf der schriftstelleri-schen Laufbahn versucht und eine Reihe von Werken herausgegeben, von denen wir nurseine Ausgabe von Eirard's „^l»»vek»u Oictionnnire Iiniversel lies s^non)mes Os I-t liui-gue kräng." (2 Bde., Par. 1808; 3. Ausl. >829); die „Vis Oes postes krsng. Oil siedeOe Douis XIV^) (Bd. I, Par. 1813); die,, Xnnsles Oe I'eOucntion" (6 Bde., Par. 181115) und die Übersetzung von Nehsues' „Spanien im I. 1808" (2 Bde., Par. I8II)erwähnen. Nach der Restauration wurde er im administrativen Fache beschäftigt- Erschwang sich schnell empor und wurde erst Generalseeretair im Ministerium des Innern,dann im Ministerium der Justiz. Die Art aber, wie er manche von seinen Gönnern angc-ordnete Maßregel ausführte, ja schon, daß er sie ausführle, machte ihn nicht beliebt. NachNapoleon'S Rückkehr von Elba begab er sich zu Ludwig XVIII. nach Gent- Dieser Schrittund seine vermeintliche Theilnahme am „^tunitsur Oe 6i»nO", die er indessen auf das be-stimmteste geleugnet hat, haben ihm vielfache Anfeindungen zugezogen. Gleich nach derzweiten Restauration wurde er zum Requetenmeister des Staatsraths und zum General-secretair ernannt. Nachdem er indessen freiwillig seine Entlassung von dieser Stelle cingc-reicht hatte, machte ihn der König zum Staatsrath. In dieser Stellung erlangte er niilDe'eazes und seinen andern politischen Freunden einen großen Einfluß im Kabinet. Da-mals entstand für diese Männer der Name Doctrinaires (s-d.). Beim Sturze des Mi-nisteriums Decazes im Nov. 1819 erhielt auch G. mit Noyer-Collard und Camille Jor-dan zugleich seine Entlassung und trat nun wieder als Lehrer der neuern Geschichte bei derbacnlte Oes lettre«, sowie bei der Normalschule auf; auch wurde er Censor, verlor je-doch beide Stellen, als 1822 die Normalschule und später die Censur aufgehoben wurde.Da seine geschichtlichen Vorträge in den I. 1821 und 1822 den Ministern mißfielen, sowurden sie ihm >824 untersagt, und erst >828 konnte er sie unter Martignac wieder be-ginnen. Er trat nun in offenen Zwiespalt mit den Tendenzen der Negierung und suchtedenselben, besonders als Mitglied und endlich uls Präsident der Gesellschaft XiOe-toi,le ciel t'aiOera (s. d.) entgegenzuwirken. In dieser Zeit, wo er gewissermaßen nebstseiner Gattin um das tägliche Brot arbeiten mußte, entwickelte er eine außerordentlicheschriftstellerische Thätigkeit. Seine Vorträge von 1821—22 erschienen unter dem Titel„kkistoire <I» Gouvernement rej,resentr»tik" (2 Bde., Par. 1821—22); die von 1828—30 gedruckt unter dem Titel „(lonrs O'tiistoire nioOerne" (6 Bde., Par. >828—30) ent-halten die „Historie cke In civilisation en b'rance Oepnis In clinte Oe I'eiozrire romainsnsHn'en 1789" (5 Bde.), welcher die „Ikistoire Aener-Oe Oe In civilis-ltion enropeennetlepuis I-l cdute etc." als Einleitung dient. Beide Werke sind äußerst lehrreich, obgleichsie den umfassenden Gegenstand nur geistreich skizziren. Mit mehren Gelehrten in Ver-bindung besorgte er die äußerst wichtige Sammlung „Oollection Oes 5kemoires relatiks äI'tustaire Oe b'rsnce Oepuis Ir» konOatiou Oe Ir» inonarclne kräng. surc;u'su XIII siede"(31 Bde., Par. 1823 fg.) und die nicht minder wichtige „6oIIection Oes »lemoires rek-tiks ü I'tnstoire Oe Ir> rövolution O'Xngstettzrre" (26 Bde., Par. 1823 fg.). Nächst vielenWerken Anderer, die er mit Einleitungen, Anmerkungen und Ergänzungen versah undzum Druck beförderte, wie ;. B. Letourneur's Übersetzung des Shakespeare (>2 Bde.,Par. 1821), gab er Mably's „Observ-rtions sur I'kistoire Oe b'r-»nce"(3Bde.,Par. 1823)heraus, denen er zur Ergänzung und Berichtigung als vierten Band den „bissen sur I'Iü-stoire Oe kVLnce" (Par. 1824) folge« ließ. Sein wichtigstes historisches Werk ist die un-vollendet gebliebene „üistoire Oela revolution O'-I-Ngleterre" (2 Bde., Par. 1826;DeutschStraSb. >827), welche die bedeutendste Erscheinung innerhalb der sogenannten pragma-