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auf die Aufhebung des Testcidcs antragcn, und nachdem er diese erlangte, brachte ereine Dill ein, die unter der Bedingung eines Treueides den Katholiken politische Rechts-glcichheit wenigstens insofern gewährte, als sie von nun an in das Parlament treten konn-tcn. Diese Dill, allerdings nur unter dem heftigsten Widerstande und der Erbitterungder Tories angenommen, wurde im Volke mit dem größten Enthusiasmus empfangen,obschon sic das irländ. Elend durchaus nicht zu mildern vermochte. Zugleich aber erwach,ten die Hoffnungen und Bestrebungen für weitere Reformen in allen Elasten des Volks.
Seit der franz. Revolution hatten sich auch in G. freie politische Ansichten um so gründ-licher entwickelt, als.die rein aristokratische Staatsverfassung mit der großen persönlichen ^Freiheit, die das Volk von jeher genoß, sehr in Widerspruch trat. Die gedrückte Lage der i
nieder» Claffen, das Elend Irlands und die lange Toryverwaltung, die jeder Verbeffe- j
rung unbeugsam entgegentrat, konnte die Richtung auf reformatorischc Bestrebungen nurbestärken. Besonders aber war die uralte, von dcrZcit überwucherte Parlamentsvcrfassungschon seit Pitt her ein Gegenstand vielfältiger Ncformplane gewesen. Sollten die allge-meinen Interessen des Volks wirklich vertreten werden, sollte eine vorurtheilsfrcic, Privat-vortheilen abgewandte Verwaltung möglich sein, so mußte das Unterhaus eine Umgestal-tung erleiden. Im Oberhause saßen die Peers nicht als Volksvertreter sondern, mit Aus-nahme der schot. und irländ. Lords, die als die Delegirtcn ihres Standes erschienen, jederEinzelne als der Vertreter seiner individuellen Interessen. Im Unterhause erschienen zwardie Abgeordneten der Ortschaften und Grafschaften und übten sogar das Steuerbewilli- ^gungsrecht ausschließlich, allein die Art der Wahl und der Zusammensetzung war so aus-geartet, daß eigentlich das Volk alle Einwirkung auf die Gesetzgebung verloren hatte.Wollte das Volk seinen Willen bei wichtigen Maßregeln zu erkennen geben, so mußte cssich zu Petitionen, zur Presse, zu imponirenden Versammlungen wenden, die der Negie-rung zu leicht nur Gelegenheit gaben, die Sache unter dem Anschein des Gesetzes zu ver-hindern. In den Grafschaften waren die Wahlen ganz der Aristokratie anheimgesallen;der hohe Adel benutzte hier als ausschließlicher Grundbesitzer und Inhaber der höchstenProvinzialämtcr seinen Einfluß, um die jünger» Söhne oder seine Anhänger ins Unter-haus wählen zu lassen; die Parlamcntsstellen waren aufdieseWeise in manchen Familienfast erblich geworden. Bei der Vertretung der Städte fand ein anderer Übelstand statt.Wiele Städte und darunter die bedeutendsten des Landes besaßen entweder das Recht derAbsendung eines Deputaten gar nicht, weil sie zu der Zeit, als die Privilegien erthcilt wur-den, noch nicht cpistirtcn, oder die Zahl ihrer Parlamentsglicder stand doch in dem größtenMisverhältniß zu ihrer gegenwärtigen Bevölkerung. Manche Städte, die mit der Zeit zugeringen Burgflecken (rotten dorouglis) hcrabgesunkcn, sandten einen oder mehre Abge-ordnete ins Parlament, nur weil sie das Recht früher nach dem Vcrhältniß ihrer Bevölke-rung besessen hatten. Überdies hing die Bevölkerung in den kleinen Städten und Fleckengewöhnlich von einem Territorialhcrrn ab, der die Parlamentsstellen daher nach Gutdün-ken verleihen oder verkaufen konnte. Mehre dieser verrotteten Flecken zählten nicht loo, janicht 50 stimmfähige Männer, die wol gar noch die Bedienten des Grundbesitzers waren. .Der Einfluß der Aristokratie war dadurch allmälig so weit gediehen, daßvon den 513 Par-lamentsgliedern, die England und Wales abschicktcn, nur etwa "?0 aus unabhängigen Wah- !
len hervorgingcn. Diese und noch andere misbräuchlicbe Einflüsse auf die Wahlen mach- >
ten cs nur möglich, daß die Toryverwaltung die Majorität im Ünterhause besaß, obscho» lsie von dem Volke verabscheut wurde.
Die Whigs, die während ihrer langen oppositionellen Stellung überhaupt demokratischergeworden, verbanden sich jetzt mit den Stimmführern des Volks, um die Parlamcntsrcform,namentlich die Reform des Wahlgesetzes, durchzuführen. Diese Verbindung konnte frei-lich nur vorübergehend sein. Während die Whigs, als Theil der Aristokratie, nur die Ab- jschaffung der schreiendsten Misbräuche im Auge hatten, betrieb eine zahlreiche Volksparteidie radkale Umgestaltung und völlige Demokratisirung des Unterhauses. Man fodertejährliche Parlamente, allgemeines Wahlrecht, geheime Abstimmung u. s. w. und sah selbstdies nur als die Grundlage fernerer Veränderungen an. Die Bewegung, in welche allmä-lig das Land durch die auf großen Volksversammlungen verhandelte Neformfrage gerieth,