Großbritannien 453
, dessen war der Haß der Nation gegen Ludwig XIV. zu groß, als daß der König bei der Er-! Neuerung des Kampfs um die span. Erbfolge nicht hätte auf die Unterstützung des Parla-ments rechnen sollen. Wilhelm starb unter den Vorbereitungen des Kriegs und hintcrließdie Demüthigung Frankreichs seiner Schwägerin, der Königin Anna (s. d.), 1702 - >4,mit deren Negierungsantritt die brit. Waffen den Kampf in den Niederlanden, in Deutsch-land und in Spanien zugleich, und zwar unter glänzendem Erfolge eröffneten. Unterdessenkam auch eine wichtige innere Veränderung, die völlige Vereinigung Schottlands, das sichunter jakobitischem Einfluß bereits sehr unabhängig gestellt, mit England zu Stande. Diebeiderseitigen Parlamente entwarfen eine Unionsacte, die am 6. Mai 1707 in Kraft trat.
" Beide Länder wurden hiernach unter dem Namen Großbritannien zu einem Königreichvereinigt mit gemeinsamer protestantischer Thronfolge. Die Schotten behielten ihre Pri-vatgesctze und Gerichtsverfassung, sollten aber von nun alle Privilegien und Vorthcile der -^ Engländer genießen, zu den Staatsbedürfnisscn den vierzigsten Theil beitragen und zu dem! gemeinsamen Parlament l 6 schot. Peers ins Oberhaus, 45 Abgeordnete der Städte und! Grafschaften ins Unterhaus senden. Wiewol Schottland seit diesem vorthcilhaftcn Ver-trage reißende Fortschritte in der Entwickelung seiner Nationalkräste machte, war die UnionI doch den zahlreichen Jakobiten verhaßt, sodaß Frankreich diese Stimmung benutzte und denPrätendenten Jakob III., der den Namen des Ritters St.-Georg annahm, im März >708mit bedeutender Streitmacht einen Landungsversuch an der schot. Küste machen ließ. DerAdmiral B yng (s. d.) verhinderte jedoch den gefährlichen Anschlag. Während bisher alle^ Friedensvcrsuche gescheitert waren, trat ein Ereigniß ein, das für den Augenblick die brit.
^ Politik gänzlich veränderte. Durch eine Hofcabale fiel die Familie Marlborough (s-d.)
und mit ihr die ganze Whigpartei bei der Königin in Ungnade. Die Verwaltung des Gra-fen Eodolphin mußte 171l) einem Toryministerium Platz machen, dessen Hauptpersonen, Harley, Graf von Oxford (s.d.), und Saint-John, Viscount von Bolingbrocke (s.d.),waren. Auch ein neues Parlament wurde berufen, in welchem nun die Tories das Übcrge-i wicht erhielten. Besonders nahmen aberdicUnterhandlungenmitFrankreichernstlichen Fort-
gang, als der Herzog von Ormond an Marlborough's Stelle den Befehl in den Nicder-^ landen erhielt. Am 11. Apr. 1713 wurde zu Utrecht der Friede mit Frankreich geschlossen,am 13. Juli mit Spanien. E. erhielt von Frankreich die Hudsonsbai, einen Antheil vonSt.-Christoph, ganz Neuschottland und Neufundland und die Anerkennung der protestan-tischen Thronfolge; Spanien hingegen mußte Gibraltar und Minorca aufgebcn und denAssientovertrag (s. d.) bestätigen. Außerdem lag die franz. Seemacht in Trümmern,während die brit. Marine zu Ende des Kriegs 232 große Schiffe mit 9954 Kanonen und54000 der tüchtigsten Seeleute zählte. G. war seitdem der Beherrscher der Meere; seinHandel, seine Industrie, sein Colonialwesen nahmen einen unermeßlichen Aufschwung.
Nach Anna's Tode bestieg, der protestantischen Succcsstonsacte vom 1.17ol gemäß,welche die brit. Krone den protestantischen Nachkommen Jakob's I. zusichcrtc, der Kurfürsti von Hannover als GeorgI. (s.d.), 1714—27, den brit. Thron. Die Tories mußten jetzt! wieder den Whigs Platz machen, Nob. Walpole (s. d.) trat an die Spitze der Verwal-tung, und das alte Ministerium wurde wegen des utrcchter Fricdcnsabschlusscs, zur Gcnug-; thuung der öffentlichen Stimme, zu strenger Rechenschaft gezogen. Diese Maßregel vcr-
i mehrte den jakobitischcn Anhang; im nördlichen England zeigten sich drohende Unruhen; in
l Schottland erhob der Graf Marx an der Spitze von 15000 Jakobiten die Fahne des Auf-
l ruhrs, und im Dec. 1715 landete sogar daselbst der Prätendent in Person und ließ sich als
König von Schottland ausrufcn. Alle diese Anstrengungen, bei denen das katholische In-teresse die Hauptrolle spielte, wurden indessen durch die Bereitwilligkeit des Parlamentszunichte gemacht und dienten nur dazu, die Partei völlig zu erdrücken und die mit demNationalintcrcssc verbundene Dynastie zu befestigen. Da sich während des Aufruhrs das-> Parlament so ergeben gezeigt, so setzte der Hof, allerdings unter großem Widerstande, 1715eine Acte durch, nach welcher das gegenwärtige und jedes folgende Parlament die Dauervon sieben Jahren (s. S eptenna lität) haben sollte. Dieses wichtige Gesetz verlieh derGesetzgebung einen festen Charakter und trug wol zur Befestigung, aber auch zugleich zurAbhängigkeit der Krone von dem Volkswillen wesentlich bei. An den auswärtigen Ver-