Großbritannien 437
Reichs. Doch seit dem Anfänge des 3. Jahrh. n. Ehr. konnten die röm. Kaiser ihre Herrschaftüber das entlegene Land nur mit Mühe noch gegen andere keltische Völkerstämme, gegendie Picken und Scoten in Irland und Schottland, behaupten. Endlich um das I. - 13 V zo-gen sich die Römer gänzlich aus Britannien zurück und überließen die Bevölkerung ihremSchicksale. Das Land war nun Iahrzehnde der Schauplatz pictischer und scotischer Verwü-stung. In diesen Wirren rief Vortigcr, ein angesehener Fürst im Süden, gegen die wildenStämme des Nordens Krieger von den Küsten Norddeutschlands zu Hülfe. Der Sage nacherschienen -139 in Britannien auf drei Schiffen die Söhne des sächs. Heerführers Witigil,Hengist und Horsa, denen zahlreiche Haufen von Sachsen, Angeln, Jüten, die sämmtlichzum sächs. Völkerbunde gehörten, folgten. Diese Ausländer, nachdem sie die Picten undScoten zurückgetrieben, setzten sich fest und überwältigten auch die Briten. Ein Theil derleßtern floh in die unzugänglichen Gegenden des heutigen Wales (s. d.), ein anderer setztenach Armorica in Frankreich über, das davon den Namen Bretagne (s. d.) erhielt; dieWenigsten blieben unter dem Joche der Sieger. So wurde Britannien nach Sitte, Sprache,Verfassung und Bevölkerung germanisch, und das sich bildende Volk erhielt von den letztenAnkömmlingen den Namen der Angeln. (S. Angelsachsen.)
Unter den german. Heerführern bildeten sich nun sieben kleine Königreiche: Kent,Sussex, Weffex, Esser, Northumbrien, Ostangeln und Mcrcien, die im ersten Viertel des9.Jahrh. von Egbert (s.d.), einemKönige vonWessex, zu einer erblichen Monarchie, Ang-lien oder England, vereinigt wurden. Schon unter seinen nächsten Nachfolgern erlitt dasReich häufig zerstörende Einfälle von den Normännern aus Dänemark und Norwegen, diesich sogarin Northhumberland festsetztcn. Ein Urenkel Egbert's, Alfred derGroße (s d.),871—991, brachte unter heftigen Kämpfen die Eindringlinge endlich unter seine Bot-mäßigkeit, richtete altsächs. Verfassung und Recht wieder auf und erhob das Reich in blü-henden Zustand. Das Land genoß jetzt der Ruhe, bis unter König Ethelred II., 979—1916,die Däne» ihre Einfälle schrecklicher als je wiederholten. Das Reich war unter schwachenFürsten in die traurigste Verfassung geralhen. Die Geistlichkeit beherrschte den Hof, dieMönche sogen das Volk aus, die Grafen und Herzoge in den Provinzen hatten ihre Statt-halterschaften erblich gemacht und regierten ohne Verantwortung. Der König mußte jähr-lich den Abzug der Danen durch große Summen, das sogenannte Danegeld, das als Grund-steuer erhoben wurde, erkaufen, und dennoch blieben ganze Schwärme der Eindringlingezurück und setzten sich in den Provinzen fest. Ethelred machte den Versuch, sich dieser Gäste1092 durch ein allgemeines Blutbad zu entledigen. Diese That aber bewog den dän. Kö-nig Sven zu neuen Einfälle», die >913 mit der völligen Eroberung Englands endeten.Ethelred floh zu seinem Schwager, dem Herzoge von der Normandie, kehrte aber 1913,nachdem Sven gestorben, auf den Thron zurück. Nach seinem Tode behauptete Sven'sSohn, Knut der Große (s. d.), die engl. Krone gegen den sächs. Negcntenstamm undheirathete zur Befestigung seiner Macht Emma, Ethelred's Witwe. Als dessen Söhne,Harald, >936, und Harthaknut, 1939, kinderlos gestorben, riefen die engl. Großen einenSohn Ethelred's und Emma's, Eduard den Bekenner, 19-1 >—66, auf den Thron. Die-ser schwache, gutmüthige Fürst hatte während der langen Verbannung am Hofe seinesOheims in der Normandie gelebt und begünstigte darum seine normänn. Freunde in demMaße, daß die engl. Großen in häufige Empörungen ausbrachen. Mit seinem Tode wuvtesich der mächtige Graf Harald, Statthalter von Wessex, der Krone zu bemächtigen. An-geblich hatte jedoch König Eduard den Herzog Wilhelm von der Normandie (s. Wilhelmder Eroberer), seinem Freunde und Verwandten, die Nachfolge in England zugesichert.Derselbe erschien am 29. Sept. 1966 mit 3999 Segeln und einem Heere von 69999Normännern an der Küste von Sussex, schlug und tödtete Harald am >3. Oct. in de?Schlackt bei Hastings und ließ sich von den Großen als König von England anerkenneil.
Mit der Thronbesteigung des Hauses Normandie ging England der größte» Umwand-lung entgegen. Zwar bestätigte Wilhelm das unter Eduard gesammelte Gemeine Rechtder Angelsachsen (s.d.), führte aber zur Befestigung seiner politischen Macht dassranz. Lehnwesen ein. Der freie Grundbesitz wurde dadurch aufgehoben und alles Eigen-thum an die Krone gekettet; 799 große Ritterlehen, Baronien, wurden errichtet und blos