Druckschrift 
13 (1847) Schouw bis Suetonius
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6 Schrepfer Schrevel

Der Gebrauch dieser Schrift erhielt sich im 17. bis zu Anfang des I8.Zahrh.; man findet nochin Bibliotheken und Bildercabinetten ganze Bildnisse mit Einfassungen, die aus ganz kleinerSchrift bestehen, welche die Geschichte der abgebildeten Person, eine Lobschrist derselben oderbiblische Stellen enthält. Da diese Arbeit mit vieler Mühe verbunden war, so wählten sichdie Schönschreiber einen freiem Spielraum und fertigten zu Verzierungen ihrer Schriften,besonders zu Anfang und am Ende derselben, mit der Feder namentlich architektonische Ver-zierungen, wie Tempel, aber auch ganze Landschaften u. dgl. Der bessere Geschmack hat jedochsowol die Kleinschreiberei als auch die eigentlicheSchreibmalerei in Vergessenheit gebracht.Versteht man unter Schreibmalerei, wie dies öfter geschehen, die Verbindung dereigentlichen Malerei mit der Schreibekunst, so ist der Ursprung derselben weit früher zu suche».Denn schön gemalte Initialen finden sich z. B. schon im 9. Jahrh. Den höchsten Grad derVollkommenheit erreichte diese Art von Schreibmalerei in Italien im l 5. Jahrh., wo die Vor-bilder alter, namentlich griech. Kunst auf die Malerei und mithin auch auf die SchrcibmalereiEinfluß äußerten; daher finden sich z. B. in ital. Missalen (s. d.) des 15. Jahrh. dieschönsten und gelungensten Initialen. Doch artete diese Kunst mitten in ihrem Geburtslandesehr bald aus und die abenteuerlichsten Figuren, Affen, Vögel u. s. w-, mußten den Grund-zug zu den Initialen hcrgebcn, eine Entartung des bessern Geschmacks, die sich lange nochauch durch die xylographischen Producte des 15. und 16. Jahrh. hindurchzog.

Schrepfer (Joh. Georg), nicht Schröpfer, wie er gewöhnlich geschrieben wird,ein Betrüger, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. großes Aufsehen machte, war zuNürnberg >759 geboren und früher preuß. Husar. Nachdem er 1768 in Leipzig ein Kaffee-haus eröffnet, spielte er eine wichtige Rolle im Freimaurerorden, den er als den Weg vorzeich-nete, die menschliche Natur zu vervollkommnen, wenn man bete, faste, Buße thue, und so durchgehörige Präparation selbst mit dem höchsten Wesen in innigere Gemeinschaft käme. Inder Loge machte sein Benehmen Unruhen; er gerieth mit ihrem Vorsteher in Streit, ein Pas-quill, das er auf denselben machte, zog jhmAneJujurienklage, manche andere Unbesonnenheitöffentliche Beschimpfung zu, und am Ende mußte'er Leipzig bankerott verlassen. Desto mehrAufsehen machte er nun an verschiedenen Orten als Eeisterbeschwörer. Daß künstliche Vor-kehrungen, ein von dunkelm Nebel erfülltes, nur durch das matte Licht hin- und hergetrage-ner Kerzen erhelltes Zimmer, der durch berauschende Getränke exaltirte Zustand seiner Jüngerdie letzter« in ihrem Glauben so unerschütterlich stark machte, war kein Wunder, da wahr-scheinlich auch optische Spiegel und Elektricität hier mitwirkten und da sein Ansehen durchden Beifall und den Schutz, welchen er von einem sehr erlauchten Gönner genoß, gegen jedenAngriff geschützt wurde. Wahrscheinlich war er das Werkzeug einer Partei, die ihn nachherfallen ließ. Unter ihren Schutz kehrte er nach Leipzig zurück und errichtete daselbst eine söge-nannte schot. Loge für Geisterbeschwörungen, wo Beten, Messelesen, Abendmahl, Fasten«. s. w. die Hauvtceremonien bildeten. Viele waren fest überzeugt, daß er, wofür er sich aus-gab, eigentlich ein Oberst von Steinbach in franz. Diensten und der Sohn eines franz. Prinzensei. Bei alle Dem hatte er sich endlich so verstrickt, daß er sah, wie er nicht mehr ohne Schandeherauskommen könne. Am 8. Oct. >774 ging er mit vier seiner Freunde unter dem Vor-wände, ihnen etwas Außerordentliches zu zeigen, vor Sonnenaufgang in das Rosenthal beiLeipzig, entfernte sich seitwärts und erschoß sich. Seine Papiere zeigten, daß er diesen Schrittmit Überlegung that; Geldmangel und gänzliches Verzweifeln an dem Gelingen seinerPlane waren die wahrscheinliche Ürsache. Indessen hatte er das Gaukelspiel bis zum letztenAugenblicke getrieben. In einem hinterlassenen Billct drohte er, daß Jeder, den er riefe, ihmwürde im Tode Nachfolgen müssen; zu Weihnachten aber könnte jeder Gläubiger erwarten,von unbekannter Hand befriedigt zu werden. Die Ruhe und Besonnenheit, die Art, wie erzum Tode ging, hatte etwas Heroisches, für seine Anhänger etwas Heiliges. Der Enthu-siasmus war damals in Sachsen für ihn aufs höchste gestiegen.

Schrevel oder Serev el (Cornelius), ein bekannter Lexikograph, gcb. >615, gest.1664 als Rector der Schule zu Leyden, besorgte viele Ausgaben griech. und röm. Schrift-stellercum not;« vai-inr-um", die typographisch zwar trefflich ausgestattet, übrigens aber ohneallen Werth sin!, und erlangte einen freilich unverdienten Ruf durch sein früher allgemeinverbreitetes uni oft wiederholtesl,«xicon manuale graeco-Iut." (Leyd. >641; von Hill