4 Schreiber (AloyS Wilh.) Schreiber (Heinr.)
Schrift und Mönchsschrift (s. d.). Erst am Ende des >5. Jahrh. kam auch bei demDrucke die Current- oder Cursivschrist in Gebrauch; man hatte bisher blos mit gerade-stehender Schrift gedruckt, allein der ältere Aldus Manutius in Venedig erfand auch dieschieflicgcnde oder Cursivschrist. Im in. Jahrh. erhielt die deutsche Schrift ihre vorzüglichsteAusbildung durch Albr. Dürer (s. d.); dieser setzte anfangs für die Fractur, nachher aberauch für die übrigen Schriften die Proportion fest, worauf sic durch seine Schüler und die'Schönschrciber die jetzige regelmäßige Gestalt erhielten.
Schreiber (Äloys Wilh.), bad. Hofrakh und Historiograph, geb. am I'-'. Oct. >763in dcni Thale Kapcl unter Windeck in Baden, besuchte das Gymnasium zu Baden und dieUniversität zu Frciburg, und wurde bereits 178-1 Professor der Ästhetik an dem Gymnasiumzu Baden. Im I. 1788 ging er nach Mainz als Hauslehrer bei dem Grafen von Westfalen.Später lebte er in Nastadt zur Zeit des Cvngresses und kam >79!» wieder als Lehrer an dasinzwischen in ein Lyceum umgcwandclte Gymnasium in Baden. Im I. > 80ä wurde erProfessor der Ästhetik an der Universftät zu Heidelberg, wo er mit I. H. Voß und dessenSohne Heinrich fast täglichen Umgang pflog. Der Unfug, der damals mit Poesie und My-stik getrieben wurde, wurde hier lebhaft besprochen und bekämpft. S. nahm davon Veran-lassung zu seiner„6vmokii!a <Ittimr", die bei ihrem Erscheinen nicht wenig Sensation erregteund consiscirt wurde. Als Baggcsen nach Heidelberg kam, der die Abende in Gesellschaftvon Heinr. Voß, S. und Martens stets bei I. H. Voß zubrachte, vertrieb man sich die Zeitmit Gedichten, die Baggesen, ohne Vorwissen der Übrigen, unter dem Titel „Der Karfunkeloder Klingrlin.gcl-Almanach" (Tüb. 1810) herausgab. Dieser Almanach erregte unge-meines Aussehen, und Goethe selbst schrieb darüber an Heinr. Voß: ,Zhr seid tolle Kerls,ihr macht vortreffliche Sonette, um die Sonette todt zu schlagen." Unter den HeidelbergerProfessoren wurde durch lne Veröffentlichung dieses an und für sich harmlosen Zeitvertreibsder bereits vorhandene, Nzß nur vergrößert; bald mischten sich noch andere Leidenschaftenein; insbesondere halte auch S. viel zu dulden. -SeinLLirkungskrcis hatte sich indeß er-weitert. Da nach Saalfeld's Weggänge Niemand über Naturrecht und natürliches Staats-recht las, so übernahm S. diese Fächer. In neue Unannehmlichkeiten sah er sich durch die„Lebensbeschreibung des Eroßherzögs Karl Friedrich von Baden" (Heidclb. !8II) ver-wickelt, in welcher er die Universität gehöhnt haben sollte. Müde der unaufhörlichen Ouälc-rcie» und des akademischen Lebens überhaupt, hielt er 1812 um die seit Poffelt's Ted er-ledigte Stelle eines bad. Historiographen an. Sein nächster Auftrag war hier, eine „Ge-schichte des Eroßhcizogthums Baden für Schulen" zu schreiben, den er auch in musterhafterWeise löste (Karlsr 1 ->i ä). Eine Geschichte der Herzoge vonZahringcn kam nicht zu Slande.Übrigens war S 's Wirksamkeit in der Residenz höchst wichtig durch seine vielbesuchte» Vor-lesungen über Geschichte, Ästhetik und Kunstgeschichte. Nach einem dreizehnjährige» Auf-enthalte in Karls! uhc wurde er unerwartet pensionirt, und wählte nun das Thal von Badenzum Aufenthaltsorte, wo er am 21. Oct. ! 81! starb. Hier setzte er nach dem Regierungs-antritte des Großherzogs Leopold seine in Karlsruhe begonnenen Vorlesungen fort, diehauptsächlich von Fremden besucht wurden. Von seinen zahlreichen Schriften sind nochanzusührrn „Baden mit seinen Bädern und Umgebungen" (Karlsr. >805; «-.Ausl-, 1838);„Geschichte und Beschreibung Heidelbergs und seiner Umgebungen" (Heidelb. 181 l);„Der Rhein, ein Handbuch für Reisende" (Heidelb. 1812; ö.Aufl., 1811 ), ein in dieserGattung vortreffliches Werk; „Poetische Werke" (3 Lde., Tüb. 18!7 —!8); „Deutsch-land und die Deutschen von den ältesten Zeiten bis zum Tode Karl's des Großen" (1 Hefte,Karlsr. 1321); „Sagen aus den Gegenden des Rhein und des Schwarzwaldes" (2. Ausl.,Heidelb. 1820); „Sagen aus den Nhcingegendcn, dem Schwarzwalde und den Voge-sen; neue Sammlung" (Heidelb. 1830 ); „Erzählungen und Novellen" (2 Bde., Stuktg.1833) und „Novellen" (2 Bde., Karlsr. 1830). Zu mehren Kupftrwerken lieferteer den Text; das von ihm 1816 begründete Taschenbuch für deutsche Frauen, „Cornelia",setzte er bis 1810 fort.
Schreiber (Heinr.), Professor der historischen Hülsswiffenschaftcn an der Universitätzu Frelburg, geb. daselbst ani 11. Juli > 703 und auch hier gebildet, wurde hier, nach vollen-deten theologischen und philologischen Studien und nachdem er 1815 die Priesterweihe erhal-