Druckschrift 
10 (1846) Moskau bis Patricier
Entstehung
Seite
750
Einzelbild herunterladen
 

750 Patbognomik Pathologie

und der Entzündung, trotz der sorgfältigsten Forschungen, noch keine vollkommene Kenntnißerlangt worden ist, hinreichend schließen, wenn man auch davon absteht, daß eigentlich erstdie genügende Beantwortung der Frage, was das Leben sei, der Pathogenie eine festeGrundlage zu geben vermag. Vgl. Hufeland,Ideen über Pathogenie und Einfluß derLebenskraft auf Entstehung und Form der Krankheiten" (2. Aufl., Jena 1709) undW. Rau,Grundlinien der Pathogcnie" (Franks. > 83-1).

Pathognomik bedeutet eigentlich die Kunst, eine Krankheit zu erkennen. Diese Er-kenntniß kann aber nur aus der Betrachtung d^r durch die Sinne wahrnehmbaren Verän-derungen des erkrankten Organismus, der Symptome, geschöpft werden und erfodcrt daher,da diese Symptome an Werth sehr verschieden sind, sowol genaue theoretische Bekanntschaftmit den regelmäßigen und unregelmäßigen Vorgängen imKörpcr als auch praktische Übungin der Unterscheidung und Beurtheilung der Krankheitszeichen. Obgleich man keine Krank-heit findet, welche sich in jedem Falle in allen ihren Symptomen vollkommen constant zeigte,so hat man doch bei vielen Krankheiten gewisse, ihnen fast immer und äusschließend zukom-mende Erscheinungen wahrgenommen, z. B. den eigenthümlichen Ton des Hustens beiKeuchhusten, und diese pathogn omonische Zeich en genannt. Im engern Sinne ge-braucht man auch Pathognomik für die Kunst, den innern körperlichen und geistigen Zu-stand eines Menschen aus den Veränderungen in den Gestchtszügen desselben zu erkennen.

Pathologie oder Krankheitslehre heißt diejenige Wissenschaft, welche denMittelpunkt der gesammten Medicin bildet, indem alle mit besonderm Bezug aus die Me-dicin behandelten und im medicinischen Lehrcursus der Pathologie vorangehenden Wissen-schaften die Kenntniß der Krankheitslehre vorbcreiten, und alle medicinische Wirksamkeitsich auf diese stützen muß. Nach der Auffassung des Begriffs Krankheit im abstrakten oderconcreten Sinne zerfällt die Pathologie in die allgemeine und die besondere. Erstere versuchteine Definition von Krankheit festzustellen und die Krankheitsanlagen (physi alogischePathologie), die entferntern oder allgemeinen und die nähern Krankheitsursachen (s.Pa-lhogenie) und die Krankheitszeichen (s. Symptomatologie), so weit sich dieses Allesallgemein ausfassen läßt, zu beleuchten; letztere wendet die von der erstem aufgestelltenGrundsätze auf die einzelnen Krankheiten an und zerfällt demnach ganz in dieselben Unter-abtheilungen. Da eine Definition von Krankheit ohne Bezug auf eine solche vonLeben(s. d.) nicht gegeben werden kann und jene als Basis einem jeden Systeme der Pathologieeine ihr entsprechende Richtung geben muß, so ist der Einfluß leicht erklärbar, welchen vonjeher die philosophischen Systeme auf die gesammte Pathologie gehabt haben, da auch diesemit einer Erklärung des Seins und Lebens beginnen müssen, und die Geschichte der Medicinweist auch in der That in jedem Zeitalter den genauen Zusammenhang der herrschendenAnsichten über Pathologie mit der vorwaltenden philosophischen Richtung nach. Die Ge-schichte der Pathologie fällt mit der der Medicin zusammen, sodaß die eine nicht ohne die anderebehandelt werden kann, und die Namen, die in der einen glänzen, zugleich auch in der anderndas größte Gewicht haben. Von den neuern Werken über allgemeine Pathologie istStark'sAllgemeine Pathologie oder Naturlehre der Krankheit" (2 Bde, 2.Aufl-, Lpz. 184445),welches auch die nöthigcn geschichtlichen Angaben und die Literatur enthält, als das vor-züglichste anzuführen, während Lehrbücher über specielle Pathologie stets auch die speciellcTherapie (s. d.) enthalten. Das Adjectivum pathologisch wird in doppeltem Sinne,objectiv und subjectiv, gebraucht und bezeichnet entweder einen Gegenstand, der seinem(krankhaften) Wesen nach von derÄrankheitslehre behandelt werden muß, oder eineSache,welche sich mit derartigen Gegenständen beschäftigt. In crstcrm Sinne nennt man solcheZustände, Erscheinungen, Zeichen u. s. w. pathologisch, welche nicht in der normalen Be-schaffenheit eines Organismus, sondern in dessen Abweichung von derselben begründet sind,in letzterm bedient man sich oft der Ausdrücke pathologische Wissenschaften, patho-logische Vorlesungen, pathologische Sammlungen u. s. w. Von den patho-logischen Wissenschaften sind in der neuern Zeit besonders zwei, als am sichersten »poste-riori zur Erkenntniß der Krankheiten und Auffindung der geeignetsten Mittel gegen die-selben führende, Gegenstand des eifrigsten Fleißes geworden, nämlich die pathologischeAnatomie und die pathologische Chemie. Von diesen sucht jene die durch Krankheit