746 ' Pasticcio Pastoret
die schmackhaftesten Pasteten, die hier durch eigene Pastetenbäcker gefertigt werden.Am berühmtesten sind die strasburger Pasteten, die sehr weit verführt werden.
Pasticcio (ital.), d. i. etwas Zusammengestoppeltes, ein Mischmasch, nennt man inder Kunstsprache ein Gemälde oder Musikstück, welches in der Manier irgend eines großenKünstlers gemacht und für dessen Arbeit ausgegebcn wird. Einer der größten Verfertigersolcher Pasticcj war Dav. Toners der Jüngere, dessen Arbeiten oft selbst erfahrene Ken-ner täuschten.
Pastinake (Uastinaca Sittiva), eine in mehren Gegenden Deutschlands wild wach-sende, durch Cultur aber sehr veredelte Pflanze, welche ihrer genießbaren Wurzel halbersowvl in den Gärten, als auf dem Felde angebaut wird. Man unterscheidet zwei Formen,die langwurzelige und die rundwurzelige oder Königspastinake. Die süße,gewürzhafte Wurzel dient dazu, den Suppen Geschmack zu geben; auch ißt man sie alsGemüse. Als Viehfutter ist sie sehr geschätzt. Es läßt sich ein guter Syrup und Brannt-wein daraus bereiten, und die Engländer verwenden sie sogar zur Darstellung von Ma-deira Und Canariensect.
Pastorale ist zunächst der lat. Ausdruck für Schäferspiel (s.d.). — InderTonkunst versteht man darunter ein Musikstück idyllischen Charakters und von einfacherMelodie und Harmonie. Auch gebraucht man es in Zusammensetzungen, wie z. B- Pa»storalsymphonie und Pastoralmesse.
Pastoralklugheil (prrxieotia psstorslis) nennt man gewöhnlich den Theil derPastoraltheologie (s. d.), der sich auf die außerkirchlichen Functionen des Geistlichenbezieht und Anweisung gibt, wie in denselben die nöthige Weisheit und Würde zu behaup-ten ist. Sie bespricht das Verhältniß zu den einzelnen Gemeindegliedern (Seelsorge), zuder Schule und ihren Lehrern, zu dem Staate und seinen Beamten (Kirchenrecht). Vgl.HarmS, „Pastoralklugheit" (3 Bdc., 2. Aufl., Kiel 1837).
Pastoraltheologie, auch, obschon mit Unrecht, Predigerwiffenschaft genannt,ist die wissenschaftliche Anweisung zu den Pflichten und Rechten des christlichen Lehr-amts- Sofern nun letzteres theilS kirchliche, theils außcrkirchliche Functionen umfaßt,Herfällt sie in die Theorie des religiösen Vortrags oder Homiletik und Katechetik,m die Theorie der kirchlichen Gebräuche oder Liturgik und in die Pastoralklug-heit (s. d.). Vgl. Hüffell, „Über das Wesen und den Beruf des evangelischen Geistli-chen" (4. Aufl., Gieß. 1833).
Pastoret (Claude Emmanuel Joseph Pierre, Marquis de), ein ausgezeichneterGelehrter und während der Restauration Kanzler von Frankreich, wurde >756 zu Mar-seille geboren. Sein Vater, der aus einer angesehenen Juristenfamilie stammte, war Ge-nerallieutenant und Marinebeamter. Der junge P. studirte die Rechte bei den Oratoriernzu Toulouse, vollendete seine Bildung durchReisen und erhielt 178» die Stelle eines Rathsam 6our ÜL8 sickes zu Paris. Durch mehre gekrönte Preisschriften, in denen erliefeKenntniß der Gesetzgebung des Alterthums bewies, erwarb er sich 1785 eine Stelle in derAkademie. Nachdem er 1788 Nequetenmeister geworden, ernannte man ihn zumGeneral-director der geschichtlichen Arbeiten rücksichtlich der Politik und Gesetzgebung. Zu Anfängeder Revolution präsidirte er mehrmals den Wahlcollegien der Hauptstadt und trat dannals Abgeordneter von Paris in die Gesetzgebende Versammlung, in der er sich als gemäßig-ten Royalisten erwies. Ludwig XVl. trug ihm damals die Ministerien des Innern undder Justiz an, die er jedoch ausschlug. Nach den Unruhen vom 2». Juni 1791 verließ er dieVersammlung, kehrte aber nach den Ereignissen vom 1». Aug. auf seinen Platz zurück, umwo möglich den Thron wieder aufrichten zu helfen. Als Royalist verdächtigt und verfolgt,flüchtete er ins Ausland, wo er sich bis nach dem Sturze der Schreckensherrschaft aufhielt.Unter der Directorialregierung in den Rath der Fünfhundert gewählt, gesellte er sich derroyalistischen Opposition zu und sah sich deshalb nach der Revolution vom 18. Fructidorabermals genöthigt, einem Deportationsdecret durch die Flucht zu entgehen. Er durchwan-derte die Schweiz und Italien und kehrte erst nach dem 18. Brumaire nach Frankreich zurück.Man berief ihn jetzt in das Institut und gab ihm, da seine Vermögensverhältnisse sehr ge-fisten, die Professur des Natur - und Völkerrecht« am College de France. Nach einiger Zeit