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Passy
führten. Hierauf lebte er theils auf Reisen, theilS in Berlin, wo er eine Zeit lang sogarnoch F. A. Wolf hörte. Im I. 1815 wurde er Professor der alten Literatur an der Uni-versität zu Breslau, wo er im Verein mit Karl Schneider durch seine Vorträge, wie durchdie Leitung des 18 l 5 erneuten Seminars die philologischen Studien mit dem glücklichstenErfolge anbaute. Die Irrungen und Hemmnisse, die durch P.'s, auch in einer eigenenSchrift „Turnziel" (Brest. 1818) bcthätigte Theilnahme an den damaligen Turnübungenund Turnbestrebungcn hervorgerufen wurden, waren nur vorübergehend. Er starb amII.Febr. 1833. Als Schriftsteller wirkte er vorzüglich nach zwei Seiten hin fruchtbringend.Er wußte nämstch nicht nur durch großartige Auffassung und geschmackvolle Behandlungder AlterthumSwissenschaft in F. A. Wolfs Geiste Anerkennung und Liebe für die philolo-gischen Studien in weitern Kreisen zu verbreiten, sondern hat sich auch durch streng wissen-schaftliche Bearbeitung der Philologie in der Geschichte derselben eine ehrenvolle Stelle ge-sichert. Als wesentlich fortbildendes Glied in ihrem Entwickelungsgange müssen seineLeistungen für griech. Lexikographie gelten, die durch ihn eine durchgreifende Umgestaltungund planmäßige Begründung erfuhr. Vorbereitend dazu war die Schrift „Über Zweck,Anlage und Ergänzung griech. Wörterbücher" (Berl. 1812); die Ausführung liegt inseinem „Griechisch-Deutschen Handwörterbuch" (2 Bde., 4. Aust., Lpz. 1830) vor. Nächst-dem sind besonders hervorzuheben seine „Grundzüge der griech. und röm. Literatur undKunstgeschichte" (Berl. 1829, 4.), eine umgearbeitete Ausgabe einer früher (1816) er-schienenen Übersicht, welche sich auf die Literaturgeschichte beschränkt hatte. Zn kritischerund exegetischer Hinsicht werthvoll sind seine mit deutschen Übersetzungen versehenen Aus-gaben der „Küsse" des Johannes Secundus (Lpz. 1807), des Persius (Bd. 1, Lpz. 1809),des Musäos (Lpz. 1810), des Longos (Lpz. 1811); ferner die Bearbeitungen der „6er-mallia" des Tacitus (Lpz. 1817), des „6orpus scriptoruia evoticorum graec." (2 Bde.,Lpz. 1824 — 33), leider nur den Parthenius und Lenophon aus Ephesus enthaltend; danndes Dionysius Periegetes (Lpz. 1825) und der „karspbrasi»" des Nonnus (Lpz. 1834).Mit dem Director Jachmann in Jenkau gab er heraus das „Archiv deutscher National-bildung" (4 Hefte, Berl. 1 812) und mit Schneider das, Museum criticum vratislaviense"(Bd. I, Bresl. 1820). Eine Sammlung seiner akademischen Gelegenheitsschriften veran-staltete Nik. Bach unter dem Titel „Oziusculs, ucudemica" (Lpz. 1835). Ein schönes Bildseines Lebens und Wirkens entwirft Linge in der Schrift „Ile kassovii ritu et ocriptis"(Hirschberg >839). Vgl. „P.'s Leben und Briefe" von Wachler (Bresl. 1839).
Passy (Hippolyte), ftanz. Depulirter und Finanzminister, geb. 1793 im Departe-ment Eure und Loire, war in den letzten Jahren unter der Restauration bei der Redactioneines Oppositionsjournals betheiligt. Erst nach der Julirevolution begann er als Abge-ordneter von Louviers in der Kammer eine politische Laufbahn. Er zeichnete sich alsbalddurch große Sachkenntniß in den Verhandlungen über das Budget von 1831 und 1832aus und wurde in den wichtigsten Finanzfragen zu Rathe gezogen. In seiner Politik ge-mäßigten Grundsätzen huldigend, gesellte er sich dem Tiersparti zu. Neben Etienne, Teste,Sauzet und Dupin dem Altern galt er als der beste Redner dieser Mittelpartei. Als der Tiers-parti nach der Abdankung des Marschalls Ge'rard, am 29.Oct. 1834, zurOpposition überging,sah sich der König genöthigt, das neue Ministerium aus den Halbliberalen zu wählen. Maretwurde Präsident des Cabinets vom I l.Nov., und P. übernahm die Finanzen; allein schonnach drei Tagen mußten die dem Hofe misliebigen Männer ihren Vorgängern wieder weichen.P. näherte sich nun mehr dem Hofe und stimmte mit seinem Genossen Sauzet in der Sitzungvon 1835 für die sogenannten Septembergesetze. Nach dem Rücktritte Broglie'S brachteThiers am22.Febr. 1836 im Verein mit dem Liersparti ein Cabinet zu Stande, in welchemP. Handelsminister wurde. Bereits am 25. Aug. dankten aber sämmtliche Minister wiederab, weil sie vom Könige in den span. Angelegenheiten compromittirt worden waren. P.hielt sich nun längere Zeit in der Kammer zu der Koalition ThierS, die den Sturz der Ver-waltung Molfs und der Doctrinaires mit Heftigkeit betrieb. Im Jan. 1839, im ent-scheidenden Augenblicke, zog er sich jedoch von der Coalition zurück und bemühte sich, nachdem Wunsche des Hofes, um die Zusammensetzung eines Ministeriums aus seinen Freunden,was indessen fehlschlug. Dagegen übernahm er bei Eröffnung der Sitzung, am 4. Apr., in