Druckschrift 
10 (1846) Moskau bis Patricier
Entstehung
Seite
739
Einzelbild herunterladen
 

Pasquill

Paßwesen

739

s

c

n

n

n

u

n

b.

,/

f'

->s-

iobe.irnui>ättig-o>e-hi.

m-

>>4

IM

r;e

rei>

nz-

>ts- ,

ns- '

sen

;-n

Le-

er-

Er

le-

ten

i" ^

nd

der

Rückkehr Napoleon'S abgab. Bei der zweiten Restauration vertraute man ihm in dem kur-zen Ministerium Talleyrand's (s-d.) die Siegel, sowie interimistisch das Portefeuilledes Innern. Nach Auflösung dieses Cabincts wurde er Präsident der Commission zur Li-quidirung der Schuld an die verbündeten Mächte. Nachdem er 1816 als Abgeordneter desSeinedepartements in die Kammer getreten, in welcher er die Präsidentschaft erhielt, benesihn der Herzog von Richelieu als einen gemäßigte» Charakter aufs neue ins Ministeriumund übergab ihm im Jan. 1817 die Siegel. Treu seinen leidenschaftslosen Ansichten, ver-schmähte er in das Ministerium Dessoles' zu treten und nahm zugleich mit Richelieu denAbschied. Er fuhr indeß fort, den Bourbons durch Überreichung von Denkschriften seineDienste und Ergebenheit zu bezeugen, und dies bewog Decazes, ihm bei der Bildung desCabinets vom 19. Nov. >819 das Portefeuille des Auswärtigen zu verleihen. In dieserStellung entfaltete P. alle Hülfsmittel seines thätigen und gewandten Geistes. Er kämpftemit unermüdlicher Beredtsamkeit gegen die Häupter der äußersten Linken wie der äußerstenRechten und betrieb zugleich beim östr. Hofe durch einen lebhaften Notenwechsel die Räu-mung Piemonts. Dessenungeachtet erlag er endlich in den Diskussionen der Adresse von1821 den vereinten Angriffen der Ultras und Liberalen und mußte sein Portefeuille an denHerzog von Montmorency abtreten. Ludwig XVIII. hatte ihm kurz vorher die Pairswürdeverliehen, die ihn, nun Gelegenheit gab, einen großen Einfluß auf die erste Kammer zu üben.Wiewol er die Beschränkungen der Presse und viele andere willkürliche Maßregeln unter-stützte, erklärte er sich doch als heftiger Gegner Villele's und Peyronnet's in der Sitzungvon 1824 gegen die Nentenreduction, sowie gegen das Sacrilegiengeseh. Nach dem SturzeVillele's, zu dem er viel beitrug, suchte ihn die gemäßigte Partei wieder in die"Verwaltungzu bringen, was jedoch an der Abneigung Karl's X. scheiterte. Dagegen ernannte ihn Lud-wig Philipp nach der Revolution von 1830 zum Präsidenten der Pairskammcr, in welcherEigenschaft er eifrigst zur Herstellung der Ruhe wie zur Befestigung der neuen Dynastiewirkte. Der König belohnte seine Anhänglichkeit und die Dienste welche er dem Hofe alsgeheimer Rathgeber leistete, indem er ihn 1837 zum Kanzler von Frankreich erhob. P. hatöisctturj et opinious" (4 Bdc., Par. 1842) veröffentlicht.

Pasquill nennt man eine anonyme oder Pseudonyme Schmäh - oder Lästerschrifl,die durch den Druck oder durch bloße Abschrift, in Prosa oder in Versen zu dem Zwecke ver-öffentlicht wird, um dem guten Rufe eines Andern dadurch zu schaden und wenigstens diePersönlichkeit, den Charakter und die Wirksamkeit desselben dem Gelächter preiszugeben.Den Namen erhielt dieses Wort von einem Schuhflicker Pas quino, welcher zu Anfang'des I6.Jahrh.zuNom lebte und durch Witz und beißenden Spott stets eine große Menschen-menge in seine Werkstatt lockte. Als man später in der Ecke des Palastes Orsini, wo ehe-mals die Bude jenes Schuhflickers stand, eine Bildsäule ausgrub und dort wieder aufstelltc,bezeichnete das Volk diese Bildsäule ebenfalls mit dem Namen Pas quino und behing sievon jetzt an mit witzigen Einfällen und Satiren über die Tagesbegebenheiten, die im Geistejenes Schuhflickers verfaßt waren. Schon die Römer kannten das Pasquill, besonders seitder Kaiserzeit, unter der Benennung Lmosus libellus und AugustuS ließ daher namentlichgegen den pseudonymen Verfasser desselben die strengsten Untersuchungen einlciten und dasGesetz des Hochverraths in Anwendung bringen, sodaßEhrlosigkeit, Schläge, selbst der Todals Strafe erfolgten.

Paß nennt man eine zu passirende Terrainstelle. Namentlich spricht man

von Gebirgspässen, z. B. d»dcollendorfer Paß in Böhmen. Doch braucht man dasWort von durch Wasser oder Sumpf gebildeten Engwegen, von langen Dämmen u. s. w.(S. De'file.)

Paßwesen. Die Pässe, als ein Zeugniß der Obrigkeit über Persönlichkeit und Ver-hältnisse eines Reisenden, sind alt und zunächst zum Schutze und zur Empfehlung derReisenden aufgekommcn. In ältern Pässen wurde dem Reisenden gewöhnlich bezeugt, daßer aus keiner Gegend käme, wo ansteckende Seuchen herrschten, und die fremden Obrig-keiten wurden ersucht, ihn ungehindert hin- und Herreisen zu lassen und, wo nöthig, Beistandzu leisten. Die allgemeine Vorschrift des Gebrauchs der Pässe, die Benutzung dieses Instituts

47*