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Signal gegeben für das allgemeine, kräftige Erblühen dieses Zweigs musikalischer Kunst,
' der durch den Aufschwung des deutschen Natwnalgefühls seit I8I-I bedeutend gefördertwurde. Allenthalben entstanden unter verschiedenen Namen Vereine für den Männergc-sang und die bedeutendsten Coinponistcn widmeten dem neuen Zweige ihre Kräfte. Na-mentlich trugen die akademischen Sängervercine, deren Mitglieder von der Universität nachallen Richtungen sich zerstreuen, zur Verbreitung des Männergesangs bei. Sic waren csauch hauptsächlich, die durch Einrichtung einer regelmäßigen Kirchenmusik die Veranlas-sung gaben, den Männergesang für die höchsten ernstesten Kunstgattungen zugänglich zu, machen. Unter den Componisten hat Bernh. Klein (s. d.) vor Allem das Verdienst, einerder Ersten gewesen zu sein, welche Kraft und Begeisterung dem religiösen Männeraesangwidmeten. Ihm folgten Andere; Psalmen, Hymnen und Motetten entstanden, mit undohne Instrumentalbegleitung, bis endlich C. Löwe es unternahm, selbst ganze Oratorien. für blose Männerstimmen zu schreiben. Man blieb aber bei der gesonderten Wirksamkeitder einzelnen Vereine nicht stehen. Austausch und Wechselwirkung fanden statt. Die Lie-dertafeln ganzer Kreise vereinigten sich zu großem Aufführungen, an denen das Volk denregsten Antheil nahm, und vor denen die älter» großen in ihrer Herstellung weit schwerfäl-ligem Musik feste (s. d.) immer mehr in den Hintergrund traten. Jndeß haben dieseLiederfeste, wie die wuchernde selbständige Ausbildung des Männergesangs überhaupt,auch ihre Gegner gefunden. Zugeben muß man allerdings die Einseitigkeit dieser Ausbil-dung; auch mag es wahr sein, daß an der übergroßen Anzahl dieserLicderfcste Ostentationund Modesucht keinen geringen Antheil haben. Ebenso gewiß aber ist, daß sie dem vorlau-ten Hervortrcten des persönlichen Elements, wie es im Virtuosenthum zum Übermaß aus-gebildet, und selbst den Musikfesten nicht fremd blieb, in sich selbst, wie durch das erregteInteresse entgegenzutreten geeignet sind. Was Eitles und Übertriebenes an ihnen ist, daswird die Zeit abschleifen und zurückweisen. Wenn es aber die Aufgabe der ganzen Kunst* ist, bildend und veredelnd die Gesammtheit der Gesellschaft zu durchdringen, so hat die Ton-kunst in den Liederfesten sicher eines der zuverlässigsten und unmittelbarsten Mittel zu Lö-sung dieser hohen Aufgabe gefunden.
Licfland oder Livland, von den Liven, den ursprünglichen Bewohnern und Be-herrschern dieses Landes so benannt, war ehemals ein selbständiges Herzogthum, welchesjetzt das russ. GouvernementLivland bildet, während in früherer Zeit auch Esthland(s.d.) und ein Theil von Kurla nd (s.d.) zum Bereich jenes Herzogthumö gehörten. DieOstsee, Esthland, der Peipus, Pskow, Witebsk und Kurland begrenzen das heutige L. DieBewohner sind gegenwärtig Livländer, d.h. Deutsche und Russen, als die Herren des Lan-des, welche sich in den Adel und die Bürgerschaft theilen, und Letten und Esthen oder dieauf den Dörfern wohnenden, zwar nicht mehr Leibeigenen, aber doch noch zu schweremFrvhndienst verpflichteten Dauern. Man unterscheidet in L. nach diesen beidenfortwährendin Streit lebenden Völkerschaften ein Eigentliches Lett- und ein Esthland, wovon jenes densüdlichen und westlichen, dieses den nördlichen und östlichen Theil L.s ausmacht. DieEsthen sind finnischen Stammes (s. Finnen); die Letten, mit den Lithaucrn und Kureneins, gehören dem slaw. Stamme an, von dem sie sich freilich auch im Laufe der Zeit in, Sitten und Sprache um ein Beträchtliches entfremdet haben. Auch ein kleiner Nest der' Liven, der Urbewohner des Landes, wohnt hier und ist ebenfalls finnischen Stammes. Dieherrschende Religion ist die protestantische; außerdem zählt auch die reformirte, katholischeund griech. Kirche einigeBekenner. L.ist!>65 OM. groß und hat gegen 783V00E. Es lebenalso auf der lüMeile nur wenig mehr als 800 E., sodaß L. zu den sehr dünn bevölkertenLändern Europas gehört. Das Gouvernement ist gegenwärtig in fünf Kreise getheilt,nämlich in Riga, Wenden, Dorpat, Pcrnau und die Insel Osel mit der Stadt Arensburg,und zählt elf Städte, nämlich die Hauptstadt Riga (s. d.) mit dem Hafen und der Festung) Dünamünde, Schlock, Wenden, Wolmar, Lemsal, Fellin, Walk, Werro, Pcrnau, Dor -p at (s. d.) und Arensburg. L- ist reich an schönen Ruinen, die aus der Zeit der livländ.Schwertritter stammen. Besonders zeichnet sich an solchen alten Baudenkmalen die Gegendvon Wenden aus, die von den Deutschen im Lande die livländ. Schweiz genannt wird. Be-rühmt sind hier Wenden, Nurmis, das Aathal mit der Eutmannshöhle, und die drei Nit-