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8 (1846) Kaaba bis Ligne
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745
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Liebeshöfe Liebestrank 745

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Liebeshöfe (Oours <I'i»no»r, 6orti ll'ainore), insofern man darunter eigentliche, be-sonders weibliche Gerichtshöfe mit anerkannter richterlicher und executiver oder auch nursittenrichterlicher Gewalt verstehen will, hat es nie gegeben. Mit noch größerer Unkritikhat man diese Minncgcrichte in der Provence zur Blütezeit der Troubadourspoeste suchenwollen, in welcher doch ein solch öffentliches Preisgcben des Namens der Geliebten für diegröbste Unsitte angesehen worden wäre. Aus den Gedichten der Troubadours läßt sich nurso viel beweisen, daß manchmal Liebende ihre Zwistigkeiten dem Urthcile eines Schieds-richters, meist eines berühmten Minnesängers, aber mit Berücksichtigung der Heimlichkeit,unterwarfen; daß bei gelegentlichen Vereinen oder Zusammenkünften von Damen, Rit-tern und Sängern an den Höfen der Fürsten und Dynasten außer mancherlei andern poe-tischen Unterhaltungen mitunter auch Fragen aus der Erotik vorgelcgt und abgehaudcltwurden, worunter man aber nichts Anderes als gewöhnliche Gesellschaftsspiele, wie siedem spitzfindigen und streitsüchtigen Geiste der Zeit angemessen und willkommen waren,verstehen darf, und daß diese höfischen, der Poesie und der Lebenslust gewidmeten Gesell-schaften selbst von den Troubadours bisweilen cort genannt wurden. Ebenso irrig hat mandie in Nordfrankreich und Flandern üblichen ?nzs <i'amc»,r für Liebeshöfe im obigenSinne gehalten, während sie in der That anfänglich blos geistliche Brüderschaften, beson-ders zu Ehren Unser lieben Frau, und später auch literarische Gesellschaften waren, woraussich die Otminbres tle rlletnricpie und die Kammern der Recicker) kers bildeten. Wol aberwurde in den Gedichten des Mittelalters, besonders seitdem die allegorische Richtung inder Poesie vorherrschend geworden, mit dem Gott Amor, den man als König der Liebe dar-stellte und als solchen! einen Hofhalt oder ein Parlament gab und förmliches Minncgerichthalten ließ, und seinem Minnehof allegorisch gespielt; auch wurden in mehren StädtenSüd- und Nordfrankreichs solche allegorische Festspiele von einem Urinee cl'amour oder einerV'onrt smoureilSL öffentlich dargestellt; ja es wurde eine Sammlung von Liebesregelnund Aussprüchen über Licbeshändcl (Regnlae amoris et amnri» varia stickicia" des Ka-pellans Andreas auS dem I 4. Jahrh.), und endlich sogar ein förmliches Licbesgcsctzbuchmit Licbestribunalen (die famösenVrrets U'umour et Larlement il'awour" des Martiald'Auvergne aus dem 15. Jahrh.) gemacht, und von Juristen mit ironischer Gelehrsamkeitcommentirt. Aber aus alle Dem folgt höchstens, daß die Sitte fortbestand, mehr zum ge-selligen Vergnügen als mit richterlichem Ernste gewisse vorgelegte Liebesfragen oder Lic-besstrcitigkciten in geselligen Kreisen und höfischen Cirkeln, besonders unter dem Vorsitzvon Damen, zu verhandeln, welche unter dem Einflüsse jener poetischen Allegorien mehroder weniger den Schein jener eingebildeten Gerichtshöfe und selbst den Namen der Min-nehöfc annahmen. Urkundlich läßt sich nur eine Ourt smoureuse, wahrscheinlich am HofeKönig Karl's VI. von Frankreich und seiner Gemahlin Jsabella von Baiern abgchaltcn,Nachweisen; aber auch dieser so spat erst vorkommende Liebeshof war offenbar nur ein alle-gorisches Festspiel. Vgl. Diez,Beiträge zur Kenntniß der romantischen Poesie" (Heft k,Berl. >825), ins Französische übersetzt mit Zusätzen von Ferd. de Roisin (Par. u. Lille 1842).

Licbesmahle oder Agapen hießen in der ersten christlichen Kirche die gemeinschaft-lichen Mahlzeiten, die zum Andenken an das letzte Mahl Christi mit seinen Jüngern ge-halten wurden und der Feier des heiligen Abendmahls vorangingen. Menschen von allenStänden speisten dabei zum Zeichen der Gleichheit vor Gott und der brüderlichen Gemein-schaft; man begann und schloß mit Gebet und sang während der Mahlzeit der Reihe nachgeistliche Lieder. Jndeß wurde schon im 2. Jahrh. wegen mancher Unordnungen die eigent-liche .Abendmahlsseicr von den Liebesmahlen getrennt und im 4. Jahrh. wurden letztere,die allmälig in gewöhnliche Mahlzeiten auSarteten, durch Synodalbeschlüffe ganz abge-schafft. Die Vrüdergemeine hat die Liebesmahle erneuert und hält sie bei feierlichen Gele-genheiten unter Gesang und Gebet mit mäßigem Genüsse von Thee und Weizenbrot (Lie-be s b r o t genannt) in ihren Versammlungssälen.

Liebestrank, bei den Griechen Philtron, hieß in den frühesten Zeiten ein austheils ekelhafte», thcils sogar schädlichen Substanzen des Thier- und Pflanzenreichs berei-