744 Liebenstein Lieber
lasse: daher hier dicht neben den höchsten Erhebungen des Geistes eine reiche Quelle vonTäuschungen und Schwärmereien liegt, von welcher auch andere Arten der Liebe nicht freizu sein pflegen.
Liebrnstein, ein Dorf im Hcrzogthum Sachsen-Meiningen, zwischen Eisenach undMeiningen, in einer romantischen Gegend des Thüringerwaldes, am südlichen Abhangedcs Jnsclsbergcs, 937 F. über dem Meere, besitzt eine Mineralquelle, deren Wasser (7" N.)zu den stärksten erdig-salimschen Eisenwassern gehört, klar und farblos ist und einen angr-nehmen zusammenziehenden Geschmack hat. Man gebraucht die Quelle besonders zu Bä-dern bei Schwächerer festen Theile und fehlerhaften Blutmischung und den Krankheiten,welche aus diesen Übeln entstehen. Schon im Anfänge des >7. Zahrh. war L. als Curortbekannt und wurde namentlich vom Herzog Kasimir von Sachsen-Koburg sehr bevorzugt,kam aber in späterer Zeit wieder gänzlich in Vergessenheit, bis der Herzog Georg vonSachsen-Meiningen im I. 1899 es als Privatcigenthum an sich brachte und durch vielezur Annehmlichkeit und zum Nutzen der Badegäste dienende Einrichtungen sowie durchErbauung eines eigenen Sommerresidenzschlosses für sich und seine Familie aufs neue denRuf des Bades hob. Zu den interessantesten Punkten der Umgegend gehören die Ruinender im Bauernkriege zerstörtenBurg Liebrnstein, die berühmte Tropfsteinhöhle beiAltenstein, der Jnsclsberg, Neinhardtsbrunnen, Schnepfenthal, die Wartburg u. s. w.Vgl. Schlegel, „Die Mineralquelle zu L." (Mcining-, 1827).
Lieber (Franz), Professor der Geschichte und der Staatsökonomie a» dem Collegiumzu Columbia in Südcarolina, ged. zu Berlin am >8. März 179!», studirte auf der dasigenUniversität Medicin, als der Krieg gegen Napoleon 1815 wieder ausbrach. Er sollte ak?Compagniechirurg cintreten; doch lag dies nicht in seinem Wunsche, vielmehr trat er miteinem seiner Brüder unter die freiwilligen Jäger des Regiments Kolberg. Er focht in denSchlachten von Ligny und Waterloo und wurde am 29. Juni beim Sturm aus Namurschwer verwundet. Nach der Rückkehr nach Berlin im 1.1816 wurde er ein eifriger Schü-ler Jahn's, während er sich zugleich mit großem Eifer von neuem für die Universität vor-bereitete. ImI. 1819 als Demagog Verhaftet und nach viermonatlicher Gefangenschaftvon der Universität relegsst, gssch er nach Jena, wo er promovirte. Im 1.182V wurde ihmzwar erlaubt, in Halle zu studiren, jedoch mit dem Bescheide, daß er weder in Schule nochKirche je auf eine Anstellung rechnen dürfe. Obgleich er nun hier sehr zurückgezogen lebte,so dauerten die policeilichen Behelligungen doch fort, was ihn endlich bewog, nach Dresdenzu gehen. Im Herbste 1821 reiste er zu Fuße durch die Schweiz nach Marseille, woer sich als Philhellene nach Griechenland einschiffte. Doch diese Zeit war für die Philhelle-nen eine sehr unglückliche. Nach mehren Monaten großer Entbehrungen sah er sich genö-thigt, nach Italien zurückzukehren, wo er in Nom im Hause des damaligen preuß. Gesand-ten Niebuhr, dem er sich ohne Hehl entdeckte, die freundlichste Aufnahme fand. Hier schrieber das „Tagebuch meines Aufenthalts in Griechenland im I. 1822" (Lpz. 1823). MitNiebuhr reiste er nach Deutschland zurück, wo er aber trotz aller Versicherungen, in denpreuß. Staaten ruhig leben zu können, von der Police! verfolgt und l 82-1 nach Köpenickgebracht wurde, bis ihn Niebuhr's Einfluß wieder in Freiheit setzte. Hierauf gab er unterdem Namen Franz Arnold seine „Wein- und Wonnelieder" (Berl. 1825) heraus.Als er indeß erfuhr, daß ein neuer Arrest ihm drohe, entfloh er im Sept. 1825 nach Eng-land und lebte ein Jahr in London, wo er sich durch Unterricht erhielt. Im I. 1827 ginger nach den Vereinigten Staaten und hielt hier in mehren Städten öffentliche Vorlesungenüber Gegenstände der Politik und Geschichte; auch gründete er in Boston eine Turnanstaltund eine Schwimmschule. In Verbindung mit einigen andern Gelehrten gab er die „Ln-c^dopeciia awericana" (13 Dde., Philad. 1829 — 33) heraus. Endlich im I. 1835 er-hielt er seine noch gegenwärtige Anstellung in Columbia. Von seinen übrigen Schriftenerwähnen wir noch die „4,ettros to a gontleinsn in Cermsn^, rvritten alter a trip fronekbiiadelplüs to Niagara" (Philad. 183-1); „Ille strsn^er in America" (Lond. 1835);„Erinnerungen aus meinem Zusammenleben mit G. R. Niebuhr" (deutsch von Thibaut,Heidelb. 1837); „Lssax on subjeots us penal s»«l VN nninterrupteck solitär^ conti-L«mvnt at mFÜt Lncklabvr 6»)" (Philad. 1838); „Oegal sncl politicsl tiermeneu-