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8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
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Liebe

Gestalten, die cs annehmen, und der verschiedenartigen Gemüthszuständc, mit denen es sichverknüpfen kann, nicht ganz leicht, seinen Begriff scharf zu umgrenzen. Das erste Charak-teristische für die Liebe ist jedenfalls, daß das Eemüth des Liebenden an einen bestimmtenGegenstand dergestalt gefesselt und gebunden ist, daß der Verlust des letztem schmerzlichempfunden werden würde, also die Anhänglichkeit; und diese kommt beinahe überall vor,wo ein geistiges Leben sich regt, selbst bei den Thicren, und gilt sehr häufig auch unbelebtenund unbcsceltcn Gegenständen. Im Menschen verknüpft sic sich leicht mit der Illusion, indem geliebten Gegenstände wohne ein eigenes geistiges Leben, welches den Gefühlen desLiebenden entspreche. Die Liebe beseelt auch das Unbelebte und Todte und macht cs zumGegenstände ihrer Sorge, ihrer Unterhaltung, eine Form der Liebe, die sich in der Natur-anschauung der Kinder und kindlicher Menschen und in vcr dichterischen Beseelung derNatur sammt den Gefühlen, die ihr zu Grunde liegen, zu erkennen gibt. Ist der Gegenstandder Liebe selbst beseelt und belebt, so sind es vorzugsweise die Gefühle der Befriedigung indem geistigen Verkehre, sowie die sympathetischen Gefühle, aus denen Liebe beruht, wicwolauch hier die Phantasie des Liebenden oft ein geistiges Leben in den Geliebten hincindichtet,welches nicht in ihm liegt. Wie vielfach nun die Veranlassungen sind, welche die Menschenaneinander knüpfen, einen dem andern zum Bedürfnis machen und sympathetische Gefühlein ihnen erwecken, so vielfach find die Quellen der Liebe, und cs kann nicht auffallen, daßim Verkehr der Menscbcn sich der ganze Neichthum eines hoher entwickelten geistigenLebens, die ganze Verschiedenheit der Bildungsgrade, Individualitäten und Charakterein die allgemeine Form dicscsNaturgefühles ergießt. So zeigt sich dicLiebe schon innerhalb1>er Familie sehr verschieden als Älter»-, Kinder-, Geschwister-, Verwandtenlicbe; andereBestimmungen erhält sic, wo sie sich auf die größer» Gebiete des Stammes, des Volks, desVaterlandes ausdehnt; noch andere, wo sic sich in dcmengernKreise derEeschlechtsliebe undFreundschaft conccntrirt. DieGeschlechtsliebe namentlich, die den natürlichen Jnstinct zu ihrerGrundlage hat, aber zur Liebe erst dann wird, wenn sich das Verlangen auf ein bestimmtesIndividuum des andern Geschlechts beschränkt und die damit verbundenen Gefühle imUnterschiede von flüchtigen, desultorischcn Neigungen (der blosen Verliebtheit) einen Gradvon Beharrlichkeit und Dauer gewinnen, ist nicht nur ein reicher Gegenstand dichterischerSchilderungen, sondern auch in der Wirklichkeit in den verschiedenen Formen, die sie an-nimmt und die bei beiden Geschlechtern verschieden sind, eines der wichtigsten Merkmale fürdie Gestaltung des ganzen gesellschaftlichen und sittlichen Lebens. (S. Minne, Familieund Ehe.) Auf je engere Kreise sich die Liebe beschränkt, desto intensiver wirkt sie, und sohängt die Gcschlechtslicbe entschieden an der Existenz des Individuums, seinem Besitze undGenüsse, und dadurch unterscheidet sie sich dem Begriffe nach von der Freundschaft, die aufder Beurtheilung und Achtung der fremden Persönlichkeit beruht und nicht an den auS-schließenden Besitz gebunden ist. Es kann Liebe ohne Achtung, und Achtung ohne Liebegeben; in der Freundschaft verknüpft sich beides. Überhaupt ist die Liebe blos als solchenicht frei von der Nückbezichung der Begierden und Gefühle auf die eigene Person desLiebenden; sic ist eine Verschmelzung des eigenen Ich mit einem fremden, wirklichen oderphantasirtcn; sie gibt daher das eigene Ich auch nicht auf, sondern sucht es durch den Besitzdes fremden zu beglücken. Wo sie daher das eigene Ich vergißt, sich für ein fremdes auf-opfert, da ist sie schon mehr als blose Liebe; sie wird Wohlwollen, uneigennützige Hingabedes eigenen Wollens an ein fremdes. Was man gewöhnlich Liebe nennt, ist oft ein wunder-bares und gcheimnißvolles Gewebe aus diesen verschiedenen Elementen und gerade darumgehört die Liebe zu den stärksten und mächtigsten Triebfedern des Lebens. Wie jedes Gefühl,welches im geistigen Leben tiefe oder weitverbreitete Wurzeln hat, kann die Liebe zur Leiden-schaft werden, vorzüglich, wo ihr die Befriedigung durch Besitz und Gegenliebe versagtbleibt, während sie im Gegenfalle, wie z. B. in der Ehe, einem ruhigen und vertraulichenEemüthszustande Platz macht, der als solcher den poetischen und romantischen Reiz heftigerund rasch wechselnder Gemüthsbewegungen verliert. Die Arten der Liebe, welche keinenin der Erfahrung nachweisbaren Gegenstand haben, wie die Liebe zu Gott, zur Wahrheit,zur Tugend u.s. w., setzen voraus, daß dem Gegenstände des Glaubens, oder den Productendes höhernDenkens eine Realität beigelegt werde, die sie als ein Object der Liebe erscheinen