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Lichten Lichtenstein (Ulrich von)
Lichten heißt in der Schiffsprache überhaupt etwas in die Höhe heben; vorzugsweise >
bedient man sich aber dieses Ausdrucks dann, wenn man den Anker aus dem Grunde heben > >
will; auch nennt man ein auf eine Sandbank gerochenes oder aus andern Gründen erleich-tertes und wieder flott gewordenes Schiff gelichtet, wenn es im Lichterschiffe oder ,
Lcichtcrfahrzeuge (in Ost- und Westprcußen Bordinge genannt) einen Thcil seinerLadung abgegeben hat. ^
Lichtenberg, ein Fürstenthum von etwas über 10 OM. mit 31000 Einw., auf !
dem linken Nheinufer an der Nahe und Blies, zwischen dem bair. Nhcinkrcise und der i ,
preuß. Provinz Rheinland gelegen, früher die Herrschaft Baumh o ld er genannt, wurde ,
in Folge des wiener Cougresses l 816 von Preußen an den Herzog von Sachsen - Koburgabgetreten, der das Ländchen am 5. März l 819 zu einem Fürstenthum erhob, das er nachder alten Pfalz. Burg Lichtenberg benannte. Seit l 821 wurde L. durch einen Landrathrepräsentirt; allein die Julirevolntion und die Bewegungen in Rheinbaiern veranlaßtenauch in L. seit 183 l Unruhen, besonders in der Stadt St. - Wendel, sodaß endlich preuß. jTruppen einrückcn und die Ordnung Herstellen mußten. Dies veranlaßte den Herzog vonSachsen-Koburg, L. durch die Vertrage vom 6. und 26. Jun. >834 mit allen Souveraine-tätsrechten an Preußen abzulretcn. Die Übergabe erfylgte am 15. Aug. 1834; im folgen-den Jahre wurde es als landräthlicher Kreis dem Regierungsbezirke Trier einverleibt. AlsEntschädigung gewahrte Preußen dem Herzoge eine jährliche Rente von 80006 Thlr.
(S. Sachsen-Koburg.)
Lichtenberg (Georg Christoph), gleichberühmt als gelehrter Physiker wie als witzi-ger Schriftsteller, wurde am l. Juli 1742 in Oberramsiädt bei Darmsiadt geboren. DieUnvorsichtigkeit einer Wärterin war Schuld, daß er einen sehr verwachsenen Körper bekam.
Im I. 1763 bezog er die Universität zu Göttingen, wo er sich viel mit Astronomie beschäf-tigte und 1770 eine Professur erhielt. Bei wiederholten Besuchen in England hatte er sicheiner ausgezeichneten Aufnahme zu erfreuen; er brachte einen ausgezeichneten physikali- 'scheu Apparat zusammen, der später in den Besitz der Universität überging, und machtemehre wichtige Entdeckungen auf dem Gebiete der Elektricität, wie er auch als öffentlicherLehrer eingreifend wirkte. Dabei blieb ihm kein anderes Feld geistiger Thätigkeit fremd.
Seine scharfen satirischen Angriffe gegen die verschiedensten Zcitrichtungcn zogen ihm viel-fache literarische Kämpfe zu; so mit Lavater wegen dessen Bekehrungsversuch au Mendels-sohn und wegen der Physiognomik; doch fand hier später völlige Versöhnung statt. Einenandern Streit mit Voß über die Aussprache des Griechischen rief L.'s Schrift „Über diePrvnunciation der Schöpse des alten Griechenlands" (1782) hervor. Treffliche Aufsätze llieferte L. seit 1778 zum „Göttingischcn Almanach", worin auch zuerst Thcilc seiner„Ausführlichen Erklärung der Hogarthschen Kupferstiche mit Copicn derselben von Nie-pcnhausen" (Lief. I —4) erschienen. Mit G. Förster gab er „Das Eöttingische Magazinder Literatur und Wissenschaft" heraus. In seinen letzten Jahren hypochondrisch undfast menschenscheu, starb er am 24. Febr. 1790. Ein Denkzeichcn wurde an L.'S hundert-stem Geburtstage feierlich an seinem Gebuptshause befestigt. Eine wunderbare Vereini-gung seltenen Scharfsinnes und poetischer Anschauungsweise gab seinem Geiste die in derdeutschen Literatur seltene humoristische Richtung; sein persönlicher Charakter war durch-aus achtbar und liebenswürdig. Seine satirischen und scherzhaften Aufsätze sind gcsam- !melt in L.'s „Vermischte Schriften" (9 Bde., Gött. 1800—5; 6 Bde., 1844—45).
Lichtenstein (Ulrich von), ein mittelhochdeutscher Dichter, ans ritterlichem steier-märk. Geschlecht, geb. 1199 oder 1200, starb >275 oder >276. In seinem „Franendienst",welchen zuerst L. Tieck theils in Bearbeitung, theils in Übersetzung (Stuttg. und Tüb.
1812) bekannt machte, gibt er eine Darstellung seines Lebens von 1211—55, in Stro-phen, die aus vicrNeimpaaren bestehen, abgefaßt, welchen er seine Lieder, seinen Leich (s.d.)und mehre „Büchlein" oder Liebesbriefe eingeflochten hat. Außer diesem besitzen wir noch 'ein kürzeres, in kurzen Reimpaaren 1257 von ihm verfaßtes Gedicht, von ihm Frauenbuchgenannt, das in der Weise eines Gesprächs die unter Männern und Frauen eingerissene.Verdcrbniß der Sitten beklagt, und wie jenes wichtig ist für dieKenntniß des höfischen undritterlichen Lebens jener Zeit. Beide sind am besten hcrausgegeben von K. Lachmann, mit