Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
736
Einzelbild herunterladen
 

736 Liberalismus Liberia

sruchtung, dann bei den Römern ein Beiname des Bacchus. Er wurde gemeinschaftlichmit der Ceres und Libera, die man bald zur Ariadne, bald zur Semele, bald zur Perse-phone machte, verehrt. Das Fest desselben in Nom, Liberalia genannt, fiel auf den17. März. An diesem Tage erhielten die Jünglinge die männliche Toga, was feierlichdurch den pruetoi-rbsmis mit einem Opfer auf dem Capitol vollzogen wurde.

Liberalismus. Der Ausdruck liberal als Bezeichnung politischer Richtungenmag mit der Bedeutung des Worts üüersüs bei den Römern um so mehr genetisch zusam-menhängen, als er uns zuerst im Gegensätze zu dem Ausdruck servil begegnet, welcher Ge-gensatz den Römern namentlich in Bezug auf die Arbeiten, d>e dem Freien anständigwaren, und auf die Sklavenarbeit geläufig war. Es ist aber diese Übertragung der Begriffedurch die span. Sprache vermittelt worden, und in Spanien traten zuerst die Namen libe-rales und serviles als politische Parteibezeichnungen auf, bis sie in neuerer Zeit mit andernvertauscht wurden. Im übrigen Europa, namentlich in Deutschland, verband man mit demWorte liberal mehr den Begriff der Freigebigkeit,Hochherzigkeit, und auch das paßt in jeneGedankenreihe. Endlich war der Name in seiner Ableitung von über, d. i. frei, nicht we-niger geeignet, Diejenigen zu bezeichnen, welche in den öffentlichen Fragen mit Vorliebe dieSeite der Freiheit erfaßten. Es gibt einen echten und einen falschen Liberalismus. Diewahrhaft liberalen Ideen find die Ideen der echten politischen und religiösen Freiheit, welchenicht unbedingte Unabhängigkeit von Andern, nicht Ungebundenheit, nicht Zügellosigkeit,sondern Unabhängigkeit in sich selbst, Selbstbeherrschung, Gehorsam gegen das Gesetz derSittlichkeit voraussetzt. Grundzüge des echten Liberalismus sind seine ideale Richtung, dieschöpferische Conception, der begeisterte Schwung, die alle Selbstsucht verleugnenden Moti-ven, die freudige Aufopferungsfähigkeit, die Reinheit und Gesetzlichkeit seiner Mittel. Erläuft Gefahr, viele von diesen Merkmalen abzuschwächen, wenn er zum Parteiliberalismus,sie wol ganz zu verlieren, wenn er zum destruktiven Radikalismus (s. d.) wird. SeineeinzelnenLielpunkte haben oft gewechselt, und wenn seine Träger tiefer ins praktische Lebeneingriffen, so nahmen sie auch wol konkretere Namen an. Eine Geschichte des Liberalismus,wie sie Krug (Lpz. >823) versucht hat, würde viel Interessantes und Belehrendes haben,wäre aber eine sehr schwierige, vor Allem die unbefangenste Objektivität bedingende Auf-gabe. Vgl. Gambihler,Geschichte und Politik des Liberalismus" (Nürnb. 1831).

Liberia heißt die zuerst von dem Quäker Hopkins aus Baltimore im I. >786 ange-legte Niederlassung an der Pfefferküste in Oberguinea, jetzt eine von Cap Mount bis Tra-detown und Bassa, ungefähr 36 M. längs der Küste und über eine Stunde landeinwärtsausgebreitete freie Negercolonie, gegründet von der durch ein Mitglied des Congreffes inWashington, den General Mercer, >817 gestifteten American 6>>Iouirati»n-8oci6t^. DerHaß, welcher in Amerika zwischen der weißen und farbigen Bevölkerung besteht, machte ab-gesonderte Ansiedelungen der freien Farbigen für beide Theile gleich wünschenswerth. , DieGesellschaft gewährt den Farbigen, welche sich in L. niederlassen wollen, unentgeltliche Über-fahrt, ein Geschenk von 36 Acres Land, Dach und Fach, sowie Ackerwerkzeuge. Nur zweiEuropäer hat man in der Colonie zugelassen, nämlich den Hauptagenten und einen Arzt,um den Farbigen Gelegenheit zu geben, ihre Angelegenheiten ungehindert selbst zu ordnen.Der Versuch scheint vollständig geglückt zu sein. Bis zum I. > 833 waren ungefähr 3500Farbige aus Virginien angesiedelt, denen sich allmälig gegen 1566 Eingeborene anschlossen.Die Hauptstadt Monrovia (nach dem Präsidenten Monroe genannt) am Mesurado zählteungefähr 1666 E-, hatte bereits einen gut angelegten Hafen mit schönen Quais und massivgebauten Magazinen, lebhaften Verkehr und war in wachsendem Wohlstände; in den um-liegenden Dörfern blühte der Ackerbau. Im I. 1834 erwarb die Colonie ein Gebiet amAusfluß des San-Juan und legte daselbst eine neue Stadt an, welche zu Ehren EdinburgsEdina genannt wurde. Die umwohnenden Stämme leben auf friedlichem Fuße mit denKolonisten und treiben Handel mit ihnen, den sie anfangen vortheilhafter zu finden als denSklavenhandel. Die Bassas, welche zwischen der Colonie und dem Gebirge wohnen, un-gefähr >36666 Köpfe stark, sind von der Colonie gänzlich abhängig geworden. MehreSchulen, welche ein Frauenverein von Philadelphia unterhält, werde» nicht nur von denKindern der Colonisten, sondern auch von Kindern der Nachbarstämme besucht- Es gibt