Lianen Liard 733
Sturze seines Gönners, des Kanzlers Olivier, ernannte ihn Margarethe von Valois zu
> ihrem Hauskanzler, und durch den Einfluß Herzogs Karl von Guise, Cardinals vonLothringen, wurde er 155-1 Oberintendant der Finanzen. Er verwaltete dieses Amt mitungewöhnlicher Treue und Uneigennühigkeit und setzte sich dadurch in große Achtung. Alseinst Heinrich ll. von ihm die Summe von 2000» Livres für die Diane de Poitiers ver-langte, konnte er den Monarchen mit den Worten abweiscn: „Bedenket, Herr, daß dies dieSteuern von 20 Dörfern sind". Mit der Thronbesteigung Franz's II. trat er in denStaatsrath, folgte jedoch bald darauf der Margarethe von Valois als Kanzler nach Sa-voyen. Katharina von Medici rief ihn, als sie 1560 für den unmündigen Karl IX. dasStaatsruder ergriff, zurück und ernannte ihn zum Kanzler von Frankreich. Als ein Mann
! von universeller Bildung, von mildem Charakter und tiefer politischerEinsicht, sollte er dengänzlich zerrütteten Staat ordnen und die Leidenschaften der Parteien unterdrücken. Inder That suchte er durch ein gemäßigtes, versöhnliches Verfahren, sowvl gegen die Huge-notten (s. d.) wie gegen die Guisen (s. d.) und Katholiken, den Bürgerkrieg beizulegenund den Parteigeist zu brechen. Er stimmte die Königin Mutter für die Protestanten,widersetzte sich der Einführung der Inquisition, hob die Todesstrafe gegen die Ketzer aufund eröffnete das Neligionsgespräch zu Poifsy. Indessen war der Riß in der Nation zutief, als daß eine solche Vermittelungspolitik hätte wirksam sein und Anerkennung findenkönnen. Man nannte ihn von katholischer Seite einen Calvinisten und Atheisten. Schonnach dem Frieden zu Amboise im I. 1565 verlor er selbst seinen Einfluß auf Katharine,die sich den Guisen zuwendete und die Ausrottung der Ketzer im politischen Interesse be-schloß. Auch die Reformen, welche L. im Justiz- und Verwaltungswesen vornehmen wollte,scheiterten an der Zerrissenheit und der Auflösung aller Staatsverhältnisse. Nachdem ihndie Königin Mutter aus dem Scaatsrath ausgeschlossen, legte er 1568 sein Kanzleramtnieder und verließ einen Hof, der nicht nur im Widerspruch mit seinen politischen Grund-
> sähen, sondern auch mit seinen Sitten stand. Auf dem kleinen Landgute Vignai bei Estam-pes lebte er nun fortan einer stillen wissenschaftlichen Muße. Er war so arm geblieben, daßer sowvl für sich wie zur Ausstattung seiner einzigen Tochter um Unterstützung bitten mußte.Ehe die Metzeleien in der Bartholomäusnacht von 1572 begannen, ließ die Königin Mut-ter sein Haus durch eine Abtheilung Soldaten besetzen, um ihn gegen die Wnth des katho-lischen Pöbels zu schützen. Inmitten des Bürgerkriegs, gegen den er unablässig seineStimme erhob, starb er am 13. März 1573. Sein in der Kirche zu Vignai errichtetesGrabmal, das man während der Revolution ins Pantheon schaffen wollte, wurde 1836durch eine Nationalsubscription erneuert. L. hintcrließ schöne lat. Poesien, Memoiren, Re-den und mehreManuscripte juristisch-publicistischenJnhalts,dieunterdemTitel„Oeuvre8"von Dufcy (5 Bde., Par. 1821) herausgegeben wurden. Neuerdings gab Dupin derÄltere „üursnAue <iu ebsncelier <>e s.'blo;>i!->! sur IIN buchet <Iu XVI. ziecle" heraus.
Liancourt (Franc. Alex. Fr., Herzog de Larochefoucauld-), s. Laroche foucauld.
Liänen ist ein zuerst in den franz. Colonien aufgekommener, dann in Deutschlandeingebürgerter Ausdruck, welcher durch das deutsche Wort Schlingpflanzen völlig er-seht wird. Man versteht unter den letzteren alle Gewächse mit sehr langem, biegsamem,klet-terndem oder rankendem Stengel oder Stamm, die theils am Boden liegend fortwachscn,häufiger aber an Wgldbäumen emporsteigen und über ihre Kronen hin fortwuchern. Innord. Ländern ist diese Pflanzenform nicht häufig; dagegen bringt sie in das Bild einertropischen Landschaft einen vielfach wechselnden und um so schöner« Zug, als gerade vieledieser Schlingsträuche durch Menge und Pracht ihrer Blumen auffallen. Sie erschwerenzwar die Zugänglichkeit der Wälder, sind aber als natürliche, oft kaum zerreißliche Seileden Eingeborenen von großem Nutzen. Manche Arzneipflanzen, Vanille, Saffaparilleu. s. w. sind wahre Schlingpflanzen. Botanisch genommen gehören sie zu den verschieden-sten Pflanzenfamilien. In den europ. Gärten sind sie nicht häufig anzutreffen, denn sieverlangen meist eine sorgfältige Abwartung im Glasbause, und sind keineswegs alle mitLeichtigkeit zum Blühen zu bringen.
Liard, war ursprünglich der Name einer franz. Silbermünze, welche seit der Mittedes 16.Jahrh.namentlich unter Franzi, und HeinrichIV. ausgeprägt wurde. Später