726 Leuwenhoeck
den Fall von Schweidnitz, die Niederlage des Herzogs von Bevern bei Breslau, die Über-gabe dieser Festung an den Prinzen Karl und daß dieser mit 92999 M. dicht unter denKanonen Breslaus ein siarkbefestigtes Lager bezogen habe. Diese Nachrichten beugten in-deß den Muth des Königs so wenig, daß sie im Gegentheile seinen Entschluß, den Feindanzugreifen, nur noch mehr befestigten. In Pa»chwitz am 28. Nov. angelangt, gewährteer seinen durch die angestrengten Eilmärsche äußerst ermüdeten Truppen einige Ruhetage,zog während derselben die Trümmer des Bevern'schen Corps an sich und marschirte hieraufam 4. Dec. mit seiner nunmehr auf33999 M. angewachsenen Armee dem Feinde weiterentgegen nach Neumarkt. Hier erfuhr er, daß der Prinz Karl, um den Krieg mit einemSchlage zu beendigen, seine feste Stellung an der Lohe verlassen habe und ihm muthig'ent-gegenrückc, entschlossen, das Glück der östr. Waffen zum ersten Male in völlig freiem Feldezu erproben. Nichts konnte dem König erwünschter sein. Von Borna aus erblickte er am'5. nach einem leichten Reiterscharmützel die feindliche Schlachtlinie. Der Prinz hatte seinHeer mit dem rechten Flügel hinter Niepern und die Mitte hinter Frobelwiß und L. ausge-stellt; der linke Flügel zog sich von lehterm Dorfe an bis über Sagschütz hinaus, von woer mit einer hakenförmigen Krümmung bis an die Teiche von Gohlau reichte. Des KönigsPlan war schnell gefaßt. Mit Anwendung der in der alten Kriegskunst schon bekanntenschrägen Schlachtordnung griff er mit seinem rechten Flügel zunächst den feindlichen linkenan und suchte ihn zu umgehen, während er seinen linken zurückgelehnt behielt. Dann gingdie Armee im Vorrücken immer rechts, während der Vortrab die Östreicber aus den Dörfernvor ihrer Linken vertrieb. Das Manoeuvre wurde mit der schönsten Präcision ausgeführtund bald war der Feind überflügelt, umgangen und seine Linke gänzlich geschlagen. Ver-gebens ließ Daun seine Reserveregimenter anrücken; ehe sie sich ordnen konnten, wurdensie überflügelt, von der Artillerie in den Rücken gefaßt und auseinandergeschmettert.Jetzt wollte Karl von Lothringen mit aller Anstrengung wenigstens das Centrum behaup-ten und ließ deshalb von den Truppen einen ausspringenden Winkel formiren, dessen äu-ßerste Spitze das Dorf L. bildete. Eine starke Batterie wurde hier aufgefahren und derKern der Reserve in das Dorf und besonders in den von einer Mauer umgibenen Kirchhofpostirt. Aber nach einem halbstündigen blutigen Kampfe, in welchem jedes Haus, jedeHecke, jede Mauer erstürmt werden mußte, wurde endlich von der Garde unter Möllendorfder Kirchhof erobert und das Feuer zum Schweigen gebracht, worauf die Östreicher dasDorf fliehend verlassen mußten. Jetzt griff nun auch der bisher zurückgezogene linke Flügelder Preußen den feindlichen rechten an, der, um der Gefahr des Aufrollens zu entgehen,sich genöthigt sah, in großer Verwirrung und von der preuß. Cavalerie lebhaft verfolgt, überdas schweidnitzer Wasser sich zurückzuziehcn. Ein Versuch der östr. Feldherren, zwischenFrobelwitz und Sara sich noch einmal festzusetzen, wurde durck die ungestüme Tapferkeitdes Generals Wedell vereitelt, der die bestürzten, völlig entmuthigten Ostreicher in derFlanke und im Rücken angriffund ihnen 400» Gefangene abnahm. Die Resultate diesesSiegs waren 21599 Gefangene, worunter 397 Offiziere, 134 Kanonen, 400» Wagenund 59 Fahnen, die fast gänzliche Auflösung der östr. Armee und, mit Ausnahme vonSchweidnitz, die Wicdereroberung Schlesiens. Die Ostreicher hatten 7999, die Preußen3999 Todte und Verwundete.
Leuwenhoeck (Anton) oder Leeuwenhoeck, ein berühmter Physiker, gcb. am 24.Oct. 1632 in Delft, machte sich besonders bekannt durch die von ihm verfertigten Mikro-skope und Brillengläser, sowie durch seine zu jener Zeit ungemeinen Kenntnisse in der Ana-tomie und Physiologie. Seine Untersuchungen über die Circulation und die Zusammen-setzung des Bluts, die Construction des Gehirns, die Nerven, die Art der thierischen Be-fruchtung u. s. w. machten zu seiner Zeit großes Aufsehen, nützten aber nur theilweise derWissenschaft, da L. bei allem Fleiße doch oft durch vorgefaßte Meinungen sich zu falschenSchlußfolgen verleiten ließ. Peter der Große achtete ihn sehr hoch, was er ihm bei seinerDurchreise durch Delft bewies. Er starb am 2«. Aug. >723 zu Delft, wo ihm in derHauptkirche ein prächtiges Denkmal errichtet wurde. Seine in Holland. Sprache geschrie-benen Werke erschienen lateinisch unter dem Titel ,,.4rcana naturae cketecls" (4 Bde.,Delft >695—99, 4.; neue Aufl., Leyd. 1719— 22 )