Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
718
Einzelbild herunterladen
 

718 Lethargie Letroime i

ist aber wieder die Tödtlichkeit entweder eine nothwcndigc, wenn die Beschaffenheit des .verletzten Individuums, wobei Alter, Geschlecht, allgemeine Körperconstitution, momenta-ner Körper - und Gemüthszustand u. s. w. zu berücksichtigen sind, oder eine zufällige, wenn ^Umstande, welche außerhalb des Verletzten liegen, z. B. mangelhafte Kunsthülfc, ungeeig-neter Transport u. s. w., die Gefährlichkeit der Verletzung so hoch steigern, daß der Tod als ^die Folge davon anzusehen ist. Diese verschiedenen Abstufungen, welche sämmtlich auf denUrthcilsspruch des Richters nach criminalrechtlichen Grundsätzen Einfluß haben müssen,sind die sogenannten Grade der Tödtlichkeit. Die auf solche Art bewerkstelligte Einthcilung,nach welcher auch in verschiedenen neuern Gesetzgebungen dem Ecrichtsarzte gewisse Fra-gen vorgelcgt werden, an deren Beantwortung er sich streng zu halten verpflichtet ist, be- jfriedigt allerdings die Anfoderungen an ein theoretisches System, erleichtert jedoch bei derunendlichen Verschiedenheit der Fälle die Entscheidung über die Tödtlichkeit einer Ver-letzung nur bis zu einem gewissen Grade, sodaß diese immer noch häufig zu den schwierig-sten Aufgaben für einen Gcrichtsarzt zu rechnen ist, da die gehörige Entwickelung derGründe für die Entscheidung nicht nur einen bedeutenden Schatz von Kenntnissen, sondernauch eine natürliche Gabe von Scharfsinn und logischer Denkweise erfodert. Nicht seltenwerden daher in schwierigen Fällen Entscheidungen über Letalität ganzen Gesellschaftenvon Gelehrten, namentlich Facultätcn auf Hochschulen überwiesen.

Lethargie (letbargas) nennt man diejenige Art der Schlafsucht (s. d.), welche ineinem anhaltenden tiefen Schlafe besteht, aus welchem der Kranke nur schwer erweckt wer-den kann und in welchen er, sobald er sich selbst überlassen wird, wieder versinkt, ohne dieHandlung, die er wachend und mit Bewußtsein unternommen hat, zu vollenden. Meistist die Lethargie ein Symptom, welches sich zu bösartigen Wechselfiebern, schleichendenNcrvcnfiebern, heftigen Entzündungen, besonders der Nespirationsorgane, exanthcmati-schcn Krankheiten, deren Verlauf gestört ist, und Gehirnkrankheiten gesellt, aber auch zu- fweilen bei Nervenkrankheiten, namentlich Hypochondrie (s. d.) und H ysterie (s. d.),cintritt. Ferner entsteht eine weit ungefährlichere Art Lethargie nach bedeutenden Kräftean-strengungen und übermäßigem Genüsse geistiger Getränke- Am meisten beobachtet man siean alten Leuten und im Winter. Die Behandlung muß sich nach der Grundkrankhcit rich-ten; stürmisches Erwecken ist oft von schädlichen Folgen. Im gemeinen Leben nennt manLethargie figürlich den Zustand geistiger Unthätigkeit.

Lethe, Strom der Vergessenheit in der Unterwelt. Aus ihm tranken die Seelen derVerstorbenen, ehe sic in die clysäischen Gefilde kamen, um jede Erinnerung an vergangeneLeiden zu vertilgen.

Letronne (Jean Antoine), einer der ausgezeichnetsten franz. Alterthumsforschcr, 'Mitglied der Akademie.der Inschriften und seit 1840 Oberaufsehcr der königlichen Ar- !chive, geb. am 25. Jan. >787 zu Paris, wurde noch im zarten Alter von seinem Vater,einem unbemittelten Künstler, in das Atelier von David gebracht, sollte dann, da er eineüberwiegende Neigung für die Wissenschaften zeigte, die Polytechnische Schule besuchen,wurde aber durch den Tod seines Vaters daran behindert und fand jetzt in dem Anerbieten jMentelle's, bei seinen geographischen Arbeiten ihm hülfreiche Hand zu leisten, eine wesent- jliehe Unterstützung seiner dürftigen Lage. Nachdem er mehre Jahre hindurch mit Anstren- >gung und Aufopferung seiner Kräfte dieser Beschäftigung sich gewidmet hatte, wobei er !zugleich von >80»7 die Vorträge Gail's (s. d.) eifrigst benutzte, unternahm er von ^181012 eine größere Reise durch Italien, die Schweiz.und Holland. Zurückgekehrt inseine Vaterstadt, erhielt er im Verlaufe der Zeit mehre Ämter und Würden, namentlichdie Professur der Geschichte an dem College de France und die Direktion der königlichenBibliothek, und nahm nun mit der ausdauerndsten Liebe und dem glücklichsten Erfolgeseine frühem Studien wieder auf, sodaß viele wichtige Punkte der Archäologie, Numis-matik, der alten Geschichte und Geographie durch seine Untersuchungen theils Aufklärung,theils Berichtigung gesunden haben. Unter seinen Schriften, von denen einige auch imAuslande Aufsehen erregten, besonders die über die Bildsäule des Mem no n (s. d.), er-wähnen wirKsoai critigue sur!s topvArapbie 6e Lzracusv" (Par. 1813);liscbsr- !clcss geo§rsp!iic;ues et critiyues »ur le livro <1e Aleusura orliis terrae" (Par. 1814);