716 Lesueur (Eustache) Lesueur (Jean Fraux.)
den Grafenstand und übersandte ihm sein Bildniß, um es gleich einem Orden zu tragen.Doch nach dem Willen der Kaiserin mußte sich L. auch in Angelegenheiten mischen, dieaußer seinen! Wirkungskreise lagen. Dadurch und durch seine Frcimüthigkcit vermehrte erdie Zahl seiner Feinde und Neider, denen es endlich gelang, ihn hinwiederum der Kaiserinals strafbar darzustellcn. So wurde er 1748 verhaftet und in die Petersburger Festung ge-bracht, um gerichtet zu werden. Anfangs ertrug er diesen Wechsel des Glücks mit Gleich,muth und Heiterkeit; als er aber durch die Folter zum Geständniß gebracht werden sollte,bekannte er sich für schuldig. Er wurde nun 1753 aller Ehrenstcllcn und Güter beraubtund nach Uglitsch verbannt, wo er drei Jahre zubrachte, hierauf nach Ustjug-Weliki, woer neun Jahre unter Aufsicht verlebte. Seine dritte Gemahlin, Maria Aurora, geb. Freiinvon Mengden, thcilte das Schicksal ihres Gemahls mit musterhafter Aufopferung. AlsPeter III. den Thron bestieg, wurde L. zurückberufen und erhielt seine Ehrenstcllcn wieder.Auch Katharina II. ließ ihm seinen Gehalt, entfernte ihn aber von allen Geschäften. Erstarb 1767 , ohne Kinder zu hinterlasscn.
Lesueur (Eustache), einer der berühmtesten Maler der Franzosen, geb. zu Paris1617 , erhielt den Unterricht in der Zcichenkunst von seinem Vater, einem Bildhauer, undkam dann in die Schule Simon Vouet's. Er zeichnete sich bald durch mehre Gemälde inital. Seil aus; allein sein Ruhm wurde erst durch seine Gemälde für die Karthäuser inParis völlig gegründet. In 22 Bildern, die in neuerer Zeit auch lithographirt erschienen(Par. 1822 —- 23 ), stellte er, > 618 — 51 , die Hauptsccnen aus dem Leben des heil.Bruno,des Stifters dieses Ordens, dar. Zu gleicher Zeit malte er für die Goldschmicdgildc diePredigt des Apostels Paulus zu Ephesus, ein Gemälde, welches der Kirche Notrc-Dauiezum Geschenk gemacht wurde; dann eine Magdalena und den heil. Laurentius; > 651 zweiVorstellungen aus dem Leben des heil. Martin und andere Bilder. Unter seine vorzüglich-sten spätern Arbeiten gehören die Scenen aus dem Leben des Amor und die Musen nebstApollo. Er starb 1655 . Zu anhaltendes Studium, zu angestrengter Fleiß und der Neidseiner Kunstgenosscn hatten seine Lebenskraft aufgezehrt. Daß er eine so hohe Stufe derVollkommenheit in seinen Gemälden erreichte, ist um so bewundernswürdiger, als er niesein Vaterland, ja kaum Paris verlassen, sich also nur nach den wenigen daselbst vorhande-nen Vorbildern der Antike und der ital. Schule gebildet hat. Nafael studirte er vornehm-lich nach den Kupferstichen des Marc Anton. Zu der Reinheit der Formen, welche dasResultat dieser Studien war und ihn von dem kalten, manierirten Pomp mancher dama-liger franz. Künstler freihielt, kam bei ihm noch eine gemüthliche Wärme, ein Hauch innernLebens, der jenen fast durchgängig fehlt. Entschieden schwach ist er nur, wenn energischesHandeln, sinnlich glühendes Dasein dargestellt werden sollen, während er durch Einfachheitund Tiefe Lebrun und Poussin hinter sich läßt. L. war ein Mann von sanftem, redlichemCharakter und wurde deshalb von Jedermann geachtet, obgleich die Eifersucht seines Ne-benbuhlers Lebrun seinen Ruhm bei Lebzeiten nie ganz emporkommen ließ.
Lesueur (Jean Franc.), Componist, ein Nachkomme des Vorigen, geb. am > 5 .Febr. >763 bei Abbevillc auf dem Lande, machte seine Studien in der Musikschule derKathedrale zu Amiens und war dann zuerst bei den Kathedralen zu Saez und Dijon an-gestcllt. Im I. 1784 wurde er an der Kirche des Jnnoccns und 1786 an Nvtre-Damrin Paris Musikdirektor, wo er sehr bald Sacchini's Freundschaft gewann und sich sowoldurch seine großartigen und geistreichen Compositionen als durch die Trefflichkeit, wie ersein Orchester leitete, die allgemeinste Anerkennung erwarb. Neigung und Sacchini'sRath zogen ihn zu Arbeiten für das Theater hin, und als seine erste Oper ,,'I'eIemacjue"mit großem Erfolge gegeben worden, legte er > 788 , um sich ganz der theatralischen Musikzu widmen, seine Stelle an Notre-Dame nieder und lebte unter den angestrengtesten Ar-beiten bis >792 bei einem Freunde und Gönner, Bochard de Champagny. Nach vielenHindernissen gelang es ihm 1793 , seine Oper „I^a caverne" in die Scene zu bringen, die,besonders durch ihre im größten Stil verfaßten Chöre, den glänzendsten Beifall erhielt.Hierauf erhielt er eine Anstellung als Professor der Musik an dem Nationalinstitute undschrieb nun »zehre Musiken zu republikanischen Festen. Später verlor er zwar durch Jn-trigue seine Stelle, doch wurde er durch Napoleon wieder in dieselbe eingesetzt. Im 3-