Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
715
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> Leßmaun L'Estocq 715

^ des Papstes Paschalis durch Kaiser Heinrich V."; ersteres ein Meisterwerk der Charakteristik,voll Tiefe und Ncichthum, letzteres hauptsächlich durch Feuer und dramatischen Gehalt! ausgezeichnet. Das erstgenannte Bild führte den schon längere Zeit vorbereiteten Bruchzwischen L. und den streng katholisch gesinnten Künstlern herbei; ja der blose Ankaufdesselben durch das Städel'sche Institut in Frankfurt bewog den Dircctor der damit ver-bundenen Kunstschule, PH. Veit, zum Austritt aus dieser Stellung. Eine Fülle herrlicherEntwürfe befindet sich noch in L.'s Mappen. Unter den historischen sollen sich besondersauszcichnen die Mvngolcnschlacht bei Liegnitz, eine Scene aus dem Hussitenkriege, ein Zugder Kreuzfahrer nach dem heiligen Grabe u. s. w. Seinen landschaftlichen Entwürfen in§ Tusche ist eine Lichtwirkung eigen, welche ausgeführten Ölbildern nichts nachgibt. L. isti» manchem Betracht als bahnbrechender Genius anzuerkennen. In ihm ganz vorzüglichtritt die düsseldorfer Malerei aus ihrer geurehaft-scntimentalcn Richtung heraus zu denhöchsten historisch-dramatischen Leistungen; auf ihm ruht ganz wesentlich das Schicksalderjenigen deutschen Gcschichtsmalerei, die'im Werden begriffen ist. Energie, Tiefe undFülle des Gedankens wie der Darstellung befähigen ihn hierzu vor Allen. In der Land-schaft ist er wiederum Gründer einer neuen Gattung, insofern bei ihm der poetische Grund-gedanke, der die Stimmung des Beschauers wecken soll, deutlicher und reizvoller zu Lagetritt als bei seinen Vorgängern.

Leßmaml (Dan.), Verfasser zahlreicher Romane und Novellen, geb. am 18. Jan.1794 zu Soldin in der Neumark, besuchte das joachimsthaler Gymnasium in Berlin undstudirte daselbst Mcdicin. Im I. 1813 trat er als Freiwilliger in das preuß. Heer, wurdebei Lützen verwundet und nach seiner Herstellung, sowie von neuem 1813 bei den Feldlaza-rethen angestellt. So fand er Gelegenheit zu einem längern Aufenthalt in Paris. Nachdem Frieden setzte er anfangs seine Studien in Berlin fort, bis er >819 sich nach Wien^ wendete, wo er sehr bald als Hauslehrer in das Haus des Grafen O'Donncl trat, mit demer später nach Italien und nach Ungarn ging. In dieser Zeit beschäftigte er sich vorzüglichmit geschichtlichen Studien. Seit 1824 nach Berlin zurückgekchrt, begann er seine schrift-stellerische Thätigkeit, die sich besonders seit 1827 bedeutend steigerte. Größer» Beifall alsseine lyrischen Gedichte (Venus Amathusia", Berl. 1824, undGedichtet Bcrl. 1839)

> fanden seineNovellen" (4 Bde., Bcrl. 182829) und einige größere WerkeLuise von

> Halling, Briefe aus Südspanien" (2 Bde., Berl. 1827),Biographische Gemälde" (2§ Bde., Berl. 182939) und dasWanderbuch eines Schwermüthigen" (2 Bde., Berl.

183132). Am 1. Sept. >831 trat er in gewohnter heiterer Stimmung eine Fußrcise'nach Leipzig an, wurde aber nach einigen Tagen unweit Wittenberg erhängt gefunden;alle Nachforschungen haben nur einen, freilich psychologisch räthsclhaften Selbstmordwahrscheinlich gemacht. Aus seinem Nachlaß erschienDie Hcidenmühle" (2 Bde., Berl.1833). L. zeichnete sich unter den neuern Novellisten durch Leichtigkeit und Gewandtheitder Darstellung vortheilhaft aus; eine tiefere poetische Bedeutung seiner Leistungen magder große Umfang seiner Thätigkeit, die auch mehre Übersetzungen umfaßt, verhindert haben,L'Estocq (Joh. Herm.), der Günstling der Kaiserin Elisabeth von Rußland, geb.1692 zu Celle im Hannoverschen, war der Sohn eines franz.Nefugie und lernte von seinemVater, einem Barbier, die Wundarzueikunst. Im Z. >713 begab er sich nach Petersburg,wo er bald als Wundarzt in die Dienste Peter's des Großen trat und sich dessen Vertrauenerwarb, aber auch bald wegen leichtfertiger Streiche nach Kasan verbannt wurde- Katha-rina l. rief ihn nach Petcr's Tode zurück und ernannte ihn zum Wundarzt an dem Hofeihrer Tochter Elisabeth. Mit unverbrüchlicher Treue seiner Gebieterin zugcthan, bot er ihrschon nach dem Tode Peter's II. seine Dienste an, wenn sie sich auf den Thron zu scheubeabsichtige; doch wurden damals seine verwegenen Pläne verworfen. Als sich jedoch elfJahre später, 1749, zur Zeit des unmündigen Iwan und seiner die Regierung verwalten-den Mutter Anna, neue Gelegenheit darbot, fand sein Antrag Gehör. Gewandt undstaatsklug leitete er das kühne Unternehmen und verlor selbst in den gefahrvollsten Augen-blicken nie seine Ruhe und Kaltblütigkeit. Nachdem Elisabeth am 24.Nov. >741 denThron bestiegen, ernannte ihn die neue Kaiserin zum wirklichen Gchcimrath, ersten Leibarztund Director sämmtlicher medicinischen Anstalten; der König von Polen aber erhob ihn in