Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
710
Einzelbild herunterladen
 

710 Lesghier ' Lesseps

Verbindung der Buchstabir - und Lautmethode zu Widersprüchen. Wenn früher das Schrei-ben nach dem Lesen gelehrt wurde, so ist jetzt das Verfahren allgemeiner verbreitet, erst dieBuchstaben und später auch die Silben und Wörter schreiben und die geschriebenen dannerst aussprechen zu lassen. Durch Graser und Scholz aufgekommcn und verbreitet, stütztsich dieses Verfahren, welches die reine Stephani'sche Lcsclchrart verdrängt hat, darauf,daß die Menschen erst geschrieben haben mußten, che sie lesen konnten, was zwar an sichrichtig ist, für den Gang des Unterrichts aber nicht entscheidend sein kann. Vielleicht ist dieZeit nicht mehr fern, wo die reine Lautirmethode wieder mehr zu Ehren kommt.

Lesghier oder LeSginer, ein zum größten Thcile noch freies Bergvolk des Kau-kasus (s.'d.), ist nächst den Tscherkeffen der zahlreichste unter allen dortigen Stämmen, dergegen 530283 Seelen umfassen soll. Nur ein sehr kleiner Thcil des von ihnen bewohntenLandes, welches den Namen Lesghistan führt, ist der russ. Oberhoheit unterworfen; diemeisten lesghischen Stämme, deren 32 aufgezählt werden, genießen in ihren Bergen einervollkommenen Freiheit und machen sich den Nüssen durch ununterbrochene Streifzüge ge-fährlich. In früherer Zeit übte das Oberhaupt des Awarenstammes, der sogenannte Awar-khan, eine bedeutende Gewalt über sämmtliche lesghische Stämme; seitdem derselbe aberruss. Generallieutenant geworden, haben sich die übrigen Stämme von ihm abgewendet.Die Lesghier reden eine eigenthümliche, an dm großen indogerman. Sprachstamm erin-nernde Sprache und sind sämmtlich Mohammedaner; sie haben ein sehr ausgebildetesAdelssystem, liefern sehr schöne Metallarbeiten, besonders in Silber und Stahl, und sindsämmtlich gefürchtete, von einem wilden, patriotischen Muthe, der an Fanatismus grenzt,beseelte Räuber. Übrigens ist der lesghische Stamm aus den verschiedensten Völkern zu-sammengesetzt, indem die alten mongol- Awaren, die republikanischen Akuschen,.die Kuba-schen, die sich Frängi nennen und europ. Ursprungs zu sein scheinen, nebst vielen andern in-teressanten Volksstämmcn zu den Lesghiern gehören.

Leölie (Sir John), ein berühmter engl. Physiker, geb. im April 1766, erregte schonin seinem l I. Jahre durch seine Neigung für Geometrie die Aufmerksamkeit des ProfessorsJohn Robinson, was neben einer zugesicherten Unterstützung seinen Altern Veranlassunggab, ihn studiren zu lassen. Von St.-Andrews ging er nach Edinburg, wo er den gewöhn-lichen Cursus vollendete, und von da nach London, wo er sich mit schriftstellerischen Arbeitenbeschäftigte, und als größere Arbeit zuerst eine Übersetzung von Buffon'sNaturgeschichteder Vögel" (S Bde., Land. 1703) herausgab. Einige Zeit daraus begleitete er ein Mitgliedder Familie Nandolph nach Nordamerika, und als er nach England zurückgckchrt war, be-reiste er in Begleitung Thom. Wedgewood's verschiedene Thcile des Festlandes. Besonder»Nuferwarben ihm seine Erfindung des Differentialthermometers, des Hygrometers, desPhotometers, eines Apparats, das specisische Gewicht gepulverter Körper zu bestimmen,und sein Verfahren, Wasser mit Hülfe der Luftpumpe zum Gefrieren zu bringen. Er wurde1803 Professor der Mathematik in Edinburg, 1810 daselbst an Playfair's Stelle Profes-sor der Naturwissenschaften und starb am 10. Nov. 1832.

Lesseps (Jean ,Bapt. Barthelemi, Baron de), der Reisegefährte Lapeyrouse's(s. d.), wurde 1765 zu Cette geboren. Er hatte bereits seinen Vater, der franz. Ecncral-consul zu Petersburg war, fünf Jahre als Viccconsul unterstützt, als er 1765 von Lud-wig XVk. den Auftrag erhielt, Lapeyrouse auf dessen Reise als Dolmetscher zu begleiten.Nachdem die Expedition an der südlichen Spitze von Kamtschatka angelangt, wurde L. am20. Sept. 1787 abgeschickt, um die Resultate der bisher glücklich abgelaufcne» Reise zuLande nach Frankreich zu bringen. Nach einem höchst beschwerlichen Zuge durch unwirth-bare Gebiete gelangte er am 22. Sept. 1788 zu Petersburg an, übergab die Depeschen demfrgnz. Gesandten Sögur und setzte seine Reise nach Versailles fort. Hier war er einige Zeitder Gegenstand der höchsten Neugierde, zumal er auf den Wunsch des Königs die Kleidungeines Kamtschadalen anlegen mußte. Er ging hierauf als Consul nach Kronstadt, späternach Petersburg, wo er noch 1812 war. Napoleon ließ ihn nach dem Einzuge in Moskauzu sich rufen und übertrug ihm die Einrichtung eines Verwaltungsraths. Nach der Restau-ration schickte ihn Ludwig XVIII. als ü'aHmres nach Lissabon und ernannte ihn

später zum dortigen Consul, bis er dieses Amt 1823 an Hyde-de-Neuville abtrat. Er starb