706 Lerchenfcld Lermimer
die Feldlerche ihres wohlschmeckenden Fleisches wegen des Nachts in Streichnehen undbedeutend ist der Lerchenfang zumal in der Gegend zwischen Wittenberg, Leipzig und derSaale, jedoch auch in Thüringen. Ein altes Vorurtheil erklärt die um Leipzig gefangenen,von welchen viele Tausende weit versendet werden, für die fettesten. Die Haubenlerchefindet sich häufig an den Heerstraßen; die Baumlerche lebt mehr in lichten Waldungenund wird als Singvogel in Käsigen gehalten.
Lerchenfeld (Maximilian, Freiherr von), ehemaliger bair. Minister, gcb. zu Mün-chen 1779, studirte zu Ingolstadt und wurde 1806 bair. Gesandter am würtemberg. Hofe,schied jedoch 1808 wieder aus der diplomatischen Laufbahn und wurde nacheinander Gene-ralcommifsair zu Ansbach, Nürnberg, Innsbruck und Würzburg. Von 1817 bis zum Re-gierungsantritt des Königs Ludwig im I. 1825 verwaltete er das Finanzministerium,dann erhielt er den Gesandtschaftsposten beim Bundestage. Die unter dem MinisteriumWallerstein'eingetretenen Differenzen riefen ihn >833 noch einmal an die Spitze des Fi-nanzministeriums, das er bis 1835 verwaltete, woraus er als Gesandter nach Wien ging.Er starb zu Haynersreuth bei Bamberg am 17. Oct. > 8-13. L. paßte nicht für eine eingrei-fende, von einem Hetzern und umfassendem Standpunkte ans geleitete Thätigkeit undbrachte in der Regel die Verbesserungen am Unrechten Orte an. Er suchte als Finanzmini-ster durch Abzüge von den Gehalten der untern Administrativbcamten Ersparnisse zu ma-chen, während er die Besoldung der höhcrn Staatsbeamten erhöhte. Gegen die allgemeineStimme beobachtete er aus Grundsatz eine gewisse Gleichgültigkeit.
Lerida, eine befestigte Stadt von 17000 E. in der span. Provinz Catalonicn, amSegrefluß, der Sitz eines Bischofs, ist das Jlerda der Alten, wo Eäsar die Legaten desPompejus schlug. Im I. 524 wurde hier ein Concil gehalten. Am 28.Apr. 1810 erfoch-ten in der Nähe der Stadt die Franzosen unter Hebert einen Sieg über die Spanier unterOdonuel. An die Nömerzeit erinnern eine Menge Alterthümer und an das Mittelalter derPalast der allen Könige von Aragon.
Lermimer (Jean Louis Eugene), franz. Philosoph und Publicist, geb. am 29.März 1803, studirte in Strasburg und Paris und bereiste nach Vollendung seines juristi-schen Kursus Deutschland zu literarischen Zwecken. Er machte sich zuerst durch seine Auf-sätze in der „IRemis" und im „Olot,«" bekannt, die zum Theil mit halbvcrstandenenSätzen der neuern deutschen Philosophie verseht waren. Im I. > 827 wurde er Doetor derRechte und Advocat, und 1828 cröffnete ihm Guizot die „lievne trany.", für welche er un-ter Anderm zwei große Artikel über Gans' „Erbrecht" und Savigny's „Geschichte desröm. Rechts" schrieb. Seine „Introiluction genei-iile ä I'Iiistoire <Iu ckroit" (Par. 1829)war aus einem Cursus von Privatvorlesunaen hervorgegangen. Nachdem er als Anhän-ger der Saint-Simonistischen Schule einige Zeit am „Olob«" gearbeitet hatte, ging er zuden Anhängern des von Drouineau gestifteten Nevchristianismns über und siel dann, frei-lich gleichfalls nur für kurze Zeit, dem Fourierismus zu. Nachdem er sich dieser socialisti-schen Tendenzen wieder entschlagen und I83> eine Reise nach Italien gemacht hatte, wurdeer von Broglie zu der eigens für ihn geschaffenen Professur der Nechtsgcschichte am Collegede France ernannt. Seine Vorlesungen ließ er unter dem Titel „pliilosnpino cku cliuil"(2 Bde., Par. 1831) drucken, ein Werk, welches, ohne tiefern wissenschaftlichen Gehalt zubesitzen, wenigstens anregend wirkte. Nachdem er längere Zeit im Interesse der Doctrinaircsgeschrieben hatte, schlug er plötzlich um und trat in verschiedenen Journalen, z. B. in der„Hone ckos lieux mol>cke8", im „National" und in „I.e mnncle", feindselig gegen dieseSchule auf. Auch in den „I^sttres plnlnsozckngues ä »n Rerlinois" (Par. 1833), wo allephilosophirendc Richtungen in Frankreich einer beißenden Kritik unterworfen werden, spielter seinen alten Gönnern und Lehrern, Guizot und Cousin, sehr übel mit. In den Vorlesun-gen „11o I'iutjiieuce cls la pllilosoplne cku I8iöme siede sur la Icij-islatiou ot la s>ocial>ilitocku I8üune siecls" (Par. 1833) ging er in der demokratischen Richtung noch weiter. Im1.1837 sing L. plötzlich an, eine ganz neue Richtung zu verfolgen. Er wurde von Mole zumRequetcnmcistcr ernannt und warf sich nun auf einmal dem Conservatismus in die Arme.Die allgemeine Entrüstung über diese Apostasie war so groß, daß seine Vorlesungen sus-pendirt werden mußten, um ihn vor öffentlichen Beschimpfungen zu sichern. Die beiden