M8 Leopold l. (Fürst von Anhalt-Dessau)
guste,geb. 1825, vermählt seit l 83-l mit dem Prinzen Luitpold von Baiern; mit seinerzweite.» Gemahlin zeugte er den'Erbprinzen Ferdinand, geb. am >«>. Juni 1835,den Prinzen Karl, geb. 1839, und die Prinzessinnen Jsabella, geb. 183-1, und Ma-rie, geb. >838. Des Großherzogs Stiefmutter ist die Prinzessin Marie von Sachsen,die jüngere Schwester seiner ersten Gemahlin; von seinen beiden Schwestern ist die einedie Erzherzogin MarieLuise, geb. 1798, unvermählt; diezweite, Marie Th erese,geb. 1801, mit dem Könige Karl Albert von Sardinien vermählt.
Leopold I-, Fürst von Anhalt-Dessau, als Feldherr noch jetzt unter dem Namen desalten Dessauers im lebendigen Andenken, geb. am 3. Juli >676, der Sohn JohannGeorg's II., wurde als Erbprinz mit übergroßer Nachsicht, aber übrigens kräftig erzogen, undbewies schon in früher Jugend bei ungestümer Leidenschaftlichkeit und gebieterischem Trohedie größte Ausdauer in jeder körperlichen Übung und Abhärtung und zugleich einen unwi-derstehlichen Hang zum Militair. Bereits > 688 ernannte ihn Kaiser Leopold zum Oberstund Chef eines Reiterregiments; als er aber > 693 nach dem Tode seines Vaters, welcherpreuß. Generalfeldmarschall und Gouverneur von Berlin war, unter der Vormundschaftseiner Mutter die Regierung übernahm, zog er es vor, in die Kriegsdienste des Kurfürstenvon Brandenburg zu treten, der ihm das Regiment seines Vaters verlieh. Eine leiden-schaftliche Neigung zu der Tochter des Apothekers Föse, die um diese Zeit in ihm entbrannte,veranlaßte seine Mutter, ihn auf Reisen zu schicken. Er durchreiste einen Theil von Deutsch,land und Italien, gab sich überall rückhaltslos den wildesten Vergnügungen und unbän-digsten Leidenschaften hin und kehrte mit zwar entwickeltem, aber nur desto heftigerm, unbieg-samerm Charakter 1695 wieder n^ch Dessau zurück. Der Krieg, der in den Niederlandenvon Preußen, als Verbündetem Ostreichs, gegen Ludwig XIV. geführt wurde, rief ihnsogleich zu seinem Regimente; er nahm als Oberst an der Eroberung von Namur Theil,wurde zum Generalmajor ernannt und übernahm endlich, indeß mündig geworden, > 698die Regierung seines Landes. Bald darauf heirathete er, trotz des Widerstrebens seinerMutter und der Misbilligung anderer Höfe, Anna Luise Föse, erlangte später, als sie ihm zweiSöhne geboren, vom Kaiser die Erhebung der Mutter und der Kinder in den Reichsfürsten-stand und lebte mit ihr ununterbrochen in der glücklichsten, zärtlichsten Ehe. Als Regentbeschäftigte ihn, sobald er nicht im Felde war, fortdauernd die Verbesserung der Verwaltungund Bewirthschaftung seines Landes; er führte genaue Aufsicht, sah die Wirthschafts-rechnungen selbst durch, legte neue Dörfer und Vorwerke an, begann die Errichtung dertrefflichen Elbdämme und eine Menge anderer Bauten, verordnete eine mäßigere Gerichts-taxe im Lande und trug überall Sorge, den Zustand des Volks zu verbessern. Dieser wvhl-thätigen Wirksamkeit gegenüber zeigte sich aber auch die ihm eigenthümliche rücksichtsloseGewaltsamkeit und willkürliche Härte. In der Meinung befangen, er müsse der Allein-besitzer aller in seinem Fürstenthume gelegenen Rittergüter und anderer einträglicher Grund-stücke sein, zwang er die adeligen Gutsbesitzer bald mit Gewalt, bald durch die drückendstenQuälereien, ihm ihre Güter für den von seinerKammer bestimmten Taxwerth zu überlassen ;auch die Juden durften nur gegen ein hohes Schutzgeld in Dessau wohnen. Auf diese Weisekam aller Grund und Boden in seine Hände und sein Fürstenthum bot die im 18. Jahrh.inDeutschland noch neue Erscheinung eines Landes ohneAdel. Unverdrossene Sorgfalt undThätigkeit bei gleicher Gewaltsamkeit des Verfahrens widmete er auch dem Soldatenwesen.Sein Regiment zu Halberstadt, durch unablässige Übung geschult, zeichnete sich in strengerZucht, pünktlicher Ordnung und genauer Ablichtung aus. Er führte bei demselben zuerstden Gleichschritt und später die eisernen Ladestöcke ein, Erfindungen, die als zweckmäßig vonhier aus bald in die übrigen Theile der Armee sich verbreiteten. Die Geschicklichkeit seinertrefflich eingeübten .Truppen zu erproben, fand sich schon im I. 1701 Gelegenheit, als erzur Unterstützung Ostreichs im span. Erbfolgekriege zwölf Bataillons preuß. Fußvolk anden Niederrhein führen mußte. Hier zeichnete er sich unter dem General von Heyden 1702bei den Belagerungen von Kaiserswerth, Venloo, Stephanswerth und Roermonde durchUmsicht, Unerschrockenheit und rastlose Thätigkeit ans und rettete im folgenden Jahre, unterdes kaiserlichen Feldmarschalls Graf Styrum Oberbefehl gestellt, in dem unglücklichenTreffen bei Höchstädt durch seinen tapfern Widerstand gegen die Übermacht der Franzosen