Leopold II. (Großherzog von Toscana) 6k>7
sehr bald in der Mehrzahl des bad. Volks und seiner Vertreter die Überzeugung wiederWurzel, daß nur in der Einigkeit mit dem das Beste seines Volks gnstrebenden Regentenund seiner Negierung das Höchstmögliche sich erreichen lasse. (S. Baden.) Das Fami-lienleben des Großherzogs ist musterhaft und seine Herzensgüte und Mildthätigkeit sindallgemein anerkannt. Seine Familie besteht aus vier Söhnen: dem Erbgroßherzoge Lud-wig, geb. am 15. Aug. 1824, den Prinzen Friedrich, geb. 1826, Wilhelm, gcb.1829,und Karl, geb. 1832, und drei Prinzessinnen: Alexandrine, geb. >829,seit 1833vermählt mitdem gegenwärtigen Herzoge Ernst von Sachscn-Koburg und Gotha; Marie,geb. 1833, undCäcilie, gcb. >839. — Sein ältester Bruder ist der als Präsident derersten Kammer der Stände und des Landwirthschaftlichen Vereins rühmlichst bekannteMarkgraf Wilhelm (s. d.); sein jüngerer Bruder Maximilian, geb. 1796,ist Eenc-rallieutenant; seine Schwester Amalie, geb. 1795, die Gemahlin des Fürsten Karl Egonvon Fürstenberg. Von der ältern Linie lebt noch die Witwe des 1818 verstorbenen Grvß-herzogs Karl Ludwig Friedrich, Stephanie, Madame de Beauharnais und Adoptiv-tochter des Kaisers Napoleon, geb. >789, nebst ihren drei Töchtern: Luise, geb. I8II,vermählt 1830 mit dem Prinzen Gustav von Wasa, Joseph ine, geb. 1813, vermählt1833 mit dem Erbprinzen Karl von Hohenzollern-Sigmaringen, und Marie, geb. 1817,vermählt >833 mit dem Marquis Douglas-Clydesdale.
Leopold)!. (Joh. Jos. Franz Ferd. Karl), Großherzog von Toscana seit 1823,Erzherzog von Ostreich, geb. zu Florenz am 3. Oct. 1797, ist der zweite Sohn des Groß-herzogs Ferdinand's III. In zarter Jugend mußte er die Heimat verlassen, als sein Va-ter, > 799 durch Frankreichs Heere verdrängt, sich nach Wien begab, wo dessen Gemahlin,Luise Amalie, die Tochter Ferdinand's I. von Neapel, 1802 starb. Nachdem sein Vaterfür das im luneviller Frieden abgetretene Stammland das verweltlichte Erzbisthum Salz-j bürg als Kurfürst in Besih genommen hatte, folgte er demselben nach Salzburg, und als^ auch diese neuen Besitzungen seines Hauses im presburger Frieden 1805 an Ostreich undBaiern abgetreten werden mußten, nach Würzburg, da mit diesem zum Großherzogthumerhobenen Fürstenthume sein Vater für die Abtretung Salzburgs entschädigt wurde.Sorgfältig gebildet und mit der vaterländischen wie mit der deutschen Literatur vertraut,kam der Prinz 1813 nach Florenz zurück. Im I. 1817 vermählte er sich mit der Prinzes-sin Anna, der Tochter des Prinzen Maximilian von Sachsen, und am 17. Juni >823folgte er seinem Vater in der Regierung. Die weisen Verwaltungsgrundsätze seines Groß-vaters, Leopold's I., als Kaiser Leopold's II., hatten Toscana zu einem der blühendstenLänder Italiens gemacht, wo auch Wissenschaft und Kunst unter freisinniger Pflege mehrals in andern Theilen der Halbinsel gediehen, und wurden von seinem Vater auf ihn ver-erbt. Ein ruhiges Fortschreiten, ein allmäliges Umwandeln derjenigen Verhältnisse, welcheeine Regeneration bedürfen, ein besonnenes Sich-Aneignen des durch Erfahrung Geprüften,ist der Charakter seiner Regierung. Unter allen in Italien ist sie die freisinnigste in der bestenBedeutung des Worts. (S. Toscana.) Während der Großherzog durch große und zahl-reiche Bauten, durch Anlegung von Straßen u.s.w. für das Materielle des Landes sorgte,I wurden auch die moralischen und geistigen Interessen nicht außer Acht gelassen. Gelehrtereisten mit Unterstützung, wohlthätige Institute wurden begründet, die Universität wurde' regenerirt und die Justizverwaltung neu organisirt. Die religiöse Duldung, welche die Ne-gierung ausübt, gibt sich namentlich kund in dem Schutze, welchen die protestantischen Ge-meinden in Florenz, Pisa und Livorno finden. Den weisen Maßregeln der Verwaltungund dem so menschenfreundlichen wie besonnenen Charakter des Regenten, der allen Thei-len der Administration die größte Aufmerksamkeit widmet, verdankt das Land die Bewah-rung seines Wohlstandes und seiner Ruhe. Des Großherzogs Antheil an Wissenschaftund Literatur bekundet, neben so manchen andern Erscheinungen, die von ihm noch alsErzherzog vorbereitete Ausgabe der „Ojisro <Ii I.orenro äs' Sleäici" (3Bde., Flor. 1825,Fol.), welche sowol hinsichtlich der Corrercheit des Textes, als der Pracht der Ausstattungrühmliche Erwähnung verdient. Nach dem Tode seiner ersten Gemahlin am 23. März >832vermählte sich der Großhcrzog in zweiter Ehe am 7. Juni 1833 mit der Prinzessin Antoi-nette von Neapel, geb. am 19. Dec. 1813. Aus seiner ersten Ehe lebt eine Tochter Au-