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Leopold I. (König der Belgier)
ren. Eine verständige Mitte zwischen Nachgiebigkeit und Strenge haltend, gelang es ihmsehr bald, die Ruhe im Innern seiner Staaten wiederherzustellen. Die empörten Nieder-länder, welche sich L.'s Vorschlägen nicht gutwillig fügten, wurden durch ein Heer, welchesohne großen Widerstand am 3.Dec. 1791 Brüssel cinnahm, zum Gehorsam gebracht; dochbewilligte ihnen L. ihre alten Vorrechte und die Wiederherstellung vieler von Joseph aufge-hobenen kirchlichen Einrichtungen. Ebenso dämpfte er die aufrührerischen Bewegungen derUngarn, die in einem neuen Eide seine Königsrechte beschränken wollten, durch Mäßigungund Festigkeit. Mit Preußen, welches Ostreich damals bedrohte und dem Kaiser in denNiederlanden entgegenwirkte, schloß er am 27. Juli 1799 die reichenbacher Conventionund in Folge derselben bald darauf mit der Türkei einen Waffenstillstand ab, auf welchemam-t.Aug. 1791 der Friede zu Szistowa in Bulgarien folgte, worin Ostreich alle seithergemachten Eroberungen an die Türkei zurückgab. Nach solcher Wiederherstellung des In-nern und äußern Friedens begann L. sogleich für seine Unterthanen durch Verbesserung derJustiz, der Policei und der öffentlichen Erziehung zu sorgen; doch, in Folge der Vorfällein Frankreich, gleich andern Fürsten von der Besorgniß vor dem Eindringen jakobinischerIdeen nach Deutschland erfüllt, führte er in seinen Staaten eine geheime Policei ein undbeschränkte, obwol mit Milde, die von Joseph II. gestattete Rede-, Druck- und Lescfreiheit.Die immer drohender werdenden Fortschritte der franz. Revolution und die Thcilnahme anLudwig's XVI. Schicksal veranlaßt ihn und den König von Preußen endlich zu einer Zu-sammenkunft zu Pillnitz am 27. Aug. 1791, auf welcher beide Monarchen die Absicht öf-fentlich aussprachen, für die Befreiung des Königs von Frankreich aus seiner unfreiwilligenAbhängigkeit auf alle Weise wirken zu wollen. Einen kurz darauf am 7. Febr. 1792 zwi-schen ihm und Preußen zu diesem Zwecke geschlossenen Schutz - und Truhbündniß folgteebenso schnell als unerwartet sein Tod am >. März 1792. Ihm folgte in der Regierungsein Sohn Franz II., als Kaiser von Ostreich Franzi, (s. d.).
Leopold I- (Georg Christian Friedr.), König der Belgier, der Sohn des HerzogsFranz von Sachsen-Koburg und Bruder des verstorbenen Herzogs Ernst's III. (s. d.)von Sachsen-Koburg und Gotha, des Herzogs Ferdinand von Sachsen-Koburg-Kohary(s. K oh ary), der verwitweten Herzogin Victoria von Kent und der geschiedenen Groß-fürstin Konstantin, wurde am 16. Dec. 1790 geboren und erhielt eine sehr sorgfältige Er-ziehung. Nachdem durch die Vermählung seiner Schwester Juliane mit dem GroßfürstenKonstantin das koburgische Haus mit Rußland in eine nähere Verbindung getreten, wurdeder Prinz als General im russ. Heere angestellt, und als sein Bruder Ernst 1898 eine Reisenach Rußland unternahm, hatte er in dessen Abwesenheit Theil an den Negierungsgeschäf-ten und begleitete sodann den Kaiser Alexander auf den Kongreß nach Erfurt. Nur die äu-ßersten Drohungen Napoleon's konnten ihn bewegen, 1819 seine Stelle im russ. Heereniederzulegen. Hierauf widmete er sich den Angelegenheiten seines Hauses, den Künstenund Wissenschaften; unter Andern unterhandelte und schloß er 1811 zu München mit dembesten Erfolge einen Grenzvertrag mit Baiern ab. Im I. >812 besuchte er Wien und be-reiste dann Italien und die Schweiz. Als aber 1813 die Lage der Dinge in Deutschlandsich änderte, ging er im Febr. nach Polen zum Kaiser Alexander und blieb nun beim russ.Heere bis zur Einnahme von Paris. Während des Feldzuges entwickelte er ebenso vielFeldherrntalent als persönliche Tapferkeit. Er begleitete 1814 die Monarchen nach Eng-land und begab sich im Febr. 1815 zum Congreß nach Wien. Von hier ging er, nach Na-poleon's Rückkehr von Elba, zur Rheinarmee, hielt sich nach der zweiten Einnahme vonParis einige Zeit daselbst auf und ging dann nach Berlin. Hier traf ihn eine Einladung,nach England zu kommen. Die brit. Thronerbin, Auguste Charlotte, geb.am7.Jan. 1791t,welche anfangs mit dem Prinzen von Oranien sich vermählen sollte, liebte ihn, und bereitsam > 6. März 1816 zeigte eine Botschaft des Prinzen-Regenten die nahe Vermählung sei-ner Tochter mit dem Prinzen L. den beiden Parlamentshäusern an, der durch die Parla-mentsacte vom 27. März 1816 naturalisirt.wurde, den Titel eines Herzogs von Kendal,den Rang vor allen brit. Herzogen und Großbeamten, die Würde eines brit. Feldmarschallserhielt und als Mitglied in den Geh. Rath eintrat. Die Vermählung fand am 2. Mai >816statt; aber nur zu bald zerstörte der Tod seiner Gemahlin, am 5. Nov. 1817 im Kindbette,