Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
692
Einzelbild herunterladen
 

692 Leopold I. (deutscher Kaiser)

gemachte „Ollronicon" des Eusebius (Nom 1823). Es folgten die Verse an Ang. Mai,bei Gelegenheit der Auffindung der Bücher Cicero's „De repuklicu", die zu dem Ausge-zeichnetsten gehören, was die Lyrik der Italiener aufzuweisen hat. Zu Ende des I. > 822besuchte L. Nom, wo er seinen philologischen Studien lebte und einen Katalog der Barba-rinischen Bibliothek anfertigte. Der Plan des preuß. Gesandten, des Geh. StaatsrathsNiebuhr, für L. eine Professur in Berlin zu erlangen, zerschlug sich sowol wegen des Dichtersanhaltender körperlicher Leiden, wie auch wegen seiner Anhänglichkeit an die Heimat. Dieerstern nahmen so zu, daß er nach seiner Rückkehr nach Necanati sich genöthigt sah, seinenphilologischen Studien fast ganz zu entsagen. Von dieser Zeit an ist es, wo der Schmerzüber seine unglücklichen Verhältnisse, welche durch Mishelligkeit mit seinem Vater, der diepolitischen und literarischen Grundsätze des Sohnes nicht billigte, noch verschlimmert wur-den, eine Bitterkeit in ihm erzeugte, welche, identificirt mit der Trauer über die Gesunken-heit seiner Nation, auch in seinen Gedichten sich kund gibt. Sein Ruhm verbreitete sich indeßimmer mehr. Im I. 1825 besuchte er Oberitalien und verweilte längere Zeit in Mailand,dann in Florenz. Hierauf erschien die erste Sammlung seiner Canzonen (Bologna 1826),der er eine Sammlung vermischter Aufsätze unter dem Titel „Operette morali" (Mail.1827) folgen ließ. Genöthigt, von der Feder zu leben, gab er eine Blumenldse aus denDichtern und Prosaikern Italiens und Petrarca's lyrische Gedichte mit einem vortreffli-chen Commentar heraus; dann veranstaltete er eine gewählte Sammlung seiner „Osnti"(Flor. 1831). Zn fast hülflosem Zustande ging er 1833, auf Veranlassung seines Freun-des A. Ranieri, nach Neapel. Hier begann er mit dessen Hülfe eine Sammlung seinerSchriften, wovon indeß nur der erste Band, die lyrischen Gedichte enthaltend, erschien.Unter den befreundeten Seelen, die ihm in dieser letzten Epoche nahcstandcn, befand sichauch Graf Platen. L. starb in Ranieri's Armen, der ihn beim Einbruch der Cholera aufsLand nach Portici führen wollte, am 13. Juni >837 an der Brustwassersucht. Eine Über-setzung seiner „Lyrischen Dichtungen" gab Kannegießer (Lpz. 1837) heraus.

Leopold I., deutscher Kaiser 1658—1705, der zweite Sohn Kaiser Ferdinand's lll.und der Maria Anna von Spanien, geb. 1640, wurde 1655 zum Könige von Ungarn,1658 zum Könige von Böhmen und am 18. Juli desselben Jahres, trotz aller Gegenbe-mühungen Ludwig's XIV. von Frankreich, der die Kaiserkrone für sich selbst zu gewinnensuchte, hum deutschen Kaiser gewählt. Ursprünglich für den Dienst der Kirche erzogen, fander schon als Knabe sein größtes Vergnügen an geistlichen Übungen, sowie später in der Be-schäftigung mit Sprachen und Wissenschaften, und nicht ohneAbsicht unterstützte sein Ober-Hofmeister, Fürst Portia, um statt seiner zu regieren, diesen Hang zur Zurückgezogenheit.Aber wie friedliebend und zur Unthätigkeit geneigt L.'s Geist auch war, so sollte doch geradeseine lange Regierung eine ununterbrochene Kette von Unruhen, Kämpfen und Kriegensein. Gleich anfangs hatte das kaiserliche Cabinet durch unkluge Einmischung in die Wir-ren, welche in Siebenbürgen durch den Zwist des Fürsten Nagoczi mit seinem Oberlehns-herrn, dem Sultan, und nachdem Nagoczi darin seinen Tod gefunden, über die Ernennungseines Nachfolgers fortdauerten, sich in einen weitaussehenden Krieg mit der Pforte ver-wickelt. Die Türken brachen 1662 in Ungarn ein, eroberten Großwardein und Neuhäuselund streiften unter Verübung schrecklicher Grausamkeiten bis Mähren und Schlesien. Nachlangen vergeblichen Unterhandlungen durch seine Gesandten erlangte L. endlich auf demReichstage zu Negensburg im I. 1663, wo er persönlich erschien, von den deutschen Für-sten Hülfe; selbst Schweden und Frankreich sandten Truppen und die italien. Staatenund der Papst reichliche Geldbeiträge, sodaß es mit diesen Mitteln dem kaiserlichen Feld-Herrn Montecuculi (s. d.) gelang, die Türken am 1. Aug. 1664 in der Schlacht beiSt.»Eotthard an der Raab aufs Haupt zu schlagen. Aber statt diesen Sieg zu benutzen, gestat-tete der Kaiser in dem am 10. Aug. zu Vasvar aus 20 Jahre abgeschlossenen Waffenstill-stände, daß der von der Pforte begünstigte Prätendent Abaffy Fürst von Siebenbürgen blei-ben und die Pforte Großwardein und Neuhäusel behalten durfte. Der Krieg erneuerte sich,wenn auch spät, doch in einer bedenklichem Zeit desto gefahrdrohender wieder, als L. zur Er-weiterung seiner Souverainetät in Ungarn immer eigenmächtigere und gewaltsamere Maß-regeln ergriff. Zwar wurden die geheimen Unterhandlungen, welche einige Magnaten, um