Leoninische Verse Leopard! 691
Die von Beiden noch vorhandenen Gedichte finden sich in der griech. Anthologie und sindvon.Meinecke (Lpz. >791) auch besonders heransgegeben worden.
Leoninische Verse heißen nach einem Dichter des Mittelalters, Namens Leo, oder,wie Andere meinen, nach Papst Leo ll., die zu jener Zeit nicht ungewöhnlichen Hexameterund Pentameter, in denen Mitte und Schluß sich reimen. Die ersten Spuren solcher, frei-lich ganz ungesuchter Reime finden sich zwar schon hier und da bei den alten röm. Dichtern,namentlich beiOvid; aber in den Zeiten des Mittelalters wurden häufig sehr umfangreicheGedichte in solchen Versen künstlich abgefaßt, die nur in einzelnen Fällen für den Scherzsich eignen, im Allgemeinen jedoch als eine geschmacklose Spielerei zu betrachten sind.
Leoninischer Vertrag (societ»8 leoninu oder Löwengesellschaft) heißt ein Gesell-schaftsvertrag, wo ein Th.eilhaber allen Nachtheil allein trägt und der andere allen Nutzenallein zieht. Eine solche Übereinkunft ist als Gesellschaftsvertrag nach den Rechten ungül-tig, da sie vielmehr eine Schenkung ist.
Leonische Waaren, auch LyonischeWaaren, heißen Borten, Treffen und son-stige Geflechte, bei welchen man statt des echten Göld- oder Silbergespinnstes Kupferdrahtanwendet, dem ein gold- oder silberähnliches Ansehen gegeben ist. Die Waaren habenihren Namen entweder nach der Stadt Leon in Spanien oder, was wahrscheinlicher ist,nach der Stadt Lyon in Frankreich, wo dieselben noch gegenwärtig in vorzüglicher Güte fa-bricirt werden, während Leon nie als Fabrikstadt in Ruf gewesen ist. Auch in Deutschlandwerden diese Waaren sehr gut gemacht, z. B. zu Roth, Schwabach, Allersberg in Baiern,zu Wien, Mannersdorf, Schwaz und Stanz im Kaiserthum Ostreich, zu Freiberg in Sach-sen, in Hamburg, Berlin, Magdeburg und an andern Orten. Zur Bereitung bedient mansich des Kupfers, das jedoch vorzüglich rein und durch mehrmaliges Umschmelzen und Zie-hen vollkommen gleichmäßig gemacht sein muß. Den Goldschein gibt man diesem Kupferentweder durch unmittelbare Vergoldung mit Blattgold oder durch Cämentation.
Leontium, eine durch Schönheit und Geist gleich ausgezeichnete Hetäre (s. d.) inAthen, war die Schülerin und Freundin des Epikur und seines vertrauten Schülers Me-trodorus und soll eine scharfsinnige Schrift im reinen attischen Stile zur Vertheidigung derLehre Epikur's gegen Theophrast verfaßt haben. Ihre Vorzüge hat der Dichter H erme-sianax(s. d.) in mehren erotischen Liedern, die den Namen der L. führen, geschildert.
Leopard, ein großes Naubthier aus der Gattung der Katzen, ist drei Fuß lang, zweiFuß hoch an den Schultern, mit zwei Fuß langem Schwänze versehen und zeichnet sich ausdurch dunkle Flecke, die auf dem gelblichen Grunde in etwa zehn Reihen gestellt sind. DerLeopard kommt in Afrika vom Senegal bis zum Cap, aber auch in Indien vor, hält sich indichten Waldungen auf, gleicht an Sitten den übrigen Katzen und ist oft mit dem allerdingssehr ähnlichen Panther (dem Pardus der Alten) verwechselt worden, der nur in Indienlebt. Die Alten kannten beide Arten, wahrscheinlich waren aber jene Heerden einer großenKatzenart, die man den Römern bei Thiergefechten verführte (Pompejus auf einmal 4l»Stück, Augustus 42 »), Panther und nicht Leoparden.
Leopard! (Giacomo, Graf), ital. Dichter und Literat, geb. aus einer alten Familieder Mark Ancona zu Recanati am 29. Juni >798, war von Jugend auf kränklich, körper-lich verbildet und äußerst reizbar. Im väterlichen Hause erzogen, gab er sich mit größtemEifer dem Studium der alten klassischen Literatur hin. Ein Autodidakt in der griech. Sprache,brachte er es in ihrer Kcnntniß frühzeitig zu einer großen Vollkommenheit. Nicht der eigent-lich philologische Theil allein war es, der ihn bei den clafsischen Schriftstellern anzog,er drang in den Geist derselben ein und befreundete sich aufs innigste mit ihren Ansichtenund Vorstellungen, was aus seine eigenen den entschiedensten Einfluß hatte. Die An-schauungen, welche er sich von der alten Welt bildete, dienten dem Schmerze, den ihm derklägliche Zustand des neuem Italiens verursachte, zur Folie. Sein Gesang an Italienund die Betrachtungen über das Monument, welches die Florentiner ihrem größten Dich-ter zu sehen beabsichtigten (und 183» in der Wirklichkeit errichteten), machten sogleich beiihrem Erscheinen (Rom l8I8) den tiefsten Eindruck. Eine Frucht seiner philologischenStudien waren seine Bemerkungen über das von Ang. Mai und I. Zohrab l8l8 bekannt