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Leo (Leonardo)
historischen Seite der alten Literatur zuwendend. Gleichzeitig nahmen ihn persönliche Ver-bindungen mit Turnern und Demagogen und später der Umgang mit Karl Follenius inAnspruch. Durch Reisig wurde er zur Übersiedelung nach Göttingen bestimmt, wo er sichseit Ostern 1819 hauptsächlich mit dem quellenmäßigen Studium des Mittelalters be-schäftigte. Nachdem er sich in Jena die philosophische Doctorwürdc erworben, ging er 1820zu seinem FreundG. von Tücher nach Erlangen, wo er die Abhandlung „Über die Verfassungder lombard. Städte" (Nudolst. >820) schrieb und sich habilitirte. Vorzugsweise kam esihm darauf an, sich aus dem Rufe der burschenschaftlichen Demagogie zu bringen. In derHoffnung, daß die in Baiern überstandene Prüfungszcit dieses bewirkt, ging er, nachdemer noch die Abhandlung „Über Odin's Verehrung in Deutschland" (Erlang. 1822) hattedrucken lassen, nach Berlin, wo er ein eifriger Zuhörer Hegel'S war. Mit Unterstützung derverwitweten Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt machte er zu Ostern 1823 eine Reisenach Italien. Nach der Rückkehr habilitirte er sich in Berlin und gab seine „Entwickelungder Verfassung der lombard. Städte" (Hamb. 182-1) heraus. Ein Ruf nach Dorpat,den er > 825 ablehnte, bewirkte, daß er zum außerordentlichen Professor ohne Gehalt ernanntwurde. Um endlich zu einer Besoldung zu kommen, nahm er 1826 eine Collaboratorstellean der Bibliothek an. Überhäufte Arbeiten, sowie eine Unzufriedenheit mit seiner persön-lichen Lage erzeugten eine solche Gereiztheit seiner Stimmung, daß er im Nov. 1827 sichplötzlich von Berlin entfernte und von Leipzig aus um seinen Abschied «nhielt, worauf ernach Jena ging. Durch Vermittelung seiner Freunde erhielt er 1828 eine außerordent-liche Professur der Geschichte in Halle, die >836 zu einer ordentlichen erhoben wurde.Eine Frucht seiner Studien in Berlin waren die „Vorlesungen über die Geschichte des jüd.Staats" (Bcrl. l 828), deren Richtung und Auffassung er später selbst als eine irrige er-kannte. Größcrn Beifall gewannen sein „Handbuch der Geschichte des Mittelalters" (Halle1830) und die von ihm für die Heeren-Ükert'sche Sammlung bearbeitete „Geschichte deritalien. Staaten" (5 Bde., Hamb, l 820—30), denen sich seine „Zwölf Bücher niederländ.Geschichten" (2 Bde., Halle 1832—35) in rühmlicher Weise anschloffcn. Dagegen spracher in seinen „Studien und Skizzen zur Naturgeschichte des Staats" (Halle 1833) bereitsmit großer Entschiedenheit und Ünbedingtheit Meinungen aus, die denen des Tages schroffentgegentraten. Auch wurde er fleißiger Mitarbeiter an dem „Berliner politischen Wochen-blatt". Hauptsächlich war es die in Halle in gewissen Cirkeln herrschende pietistische Rich-tung, die sich seiner bemächtigte und bald großen Einfluß auf ihn gewann. Sie machtesich schon in seinem „Lehrbuch der Universalgeschichte" (6 Bde., Halle >835—33; Bd.1—3, 2. Ausl., 1839—-12), dem er einen „Leitfaden für den Unterricht in der Universal-geschichte" (1 Bde., Halle 1838—30) folgen ließ, sehr bemerkbar. Auch die Streitschrift„Herr vr. Diesterweg und die deutschen Üknversitäten" (Lpz. 1836) verrieth diesen Geist.Noch mehr trat derselbe hervor in dem „Sendschreiben an I. Görres" (Halle 1838) undin der Schrift „Die Hegclingen" (Halle 1838; 2. verm. Ausl., >'830). Seitdem ist eingewaltiger Sturm gegen L. losgebrochen. Daß hierbei manches falsche und allzu harteUrtheil mit unterlief, ist nicht zu verwundern. Zu der unwürdigen Sprache, mit der manihn angegriffen, hat er selbst den Ton angegeben. Übrigens hat sich L. durch Forschungenim Gebiete der altgerman. Sprache verdient gemacht. Dahin gehören seine „Altsächs.und angelsächs.Sprachproben" (Halle 1838); „Beowulf, das älteste deutsche,in angelsächs.Mundart erhaltene Heldengedicht, nach seinem Inhalte und nach seinen historischen undmythologischen Beziehungen betrachtet" (Halle >830) und „Die Malbergische Glosse, einRest altkelt. Sprache und Nechlsauffassung (Heft I, Halle 1832).
Leo (Leonardo), ein ausgezeichneter Komponist, geb. zu Neapel 1693, stiach Andern1701, gest. 1732 als Kapellmeister am Conservatorio St.-Onofrio und erster Organist beider königlichen Kapelle zu Neapel, hat den Ruhm, nebst Pergolesi, Piccini, Jomelli, Sac-chini, Haffe, Traetta und andern seiner Schüler die neapolitan. Schule über ganz Europaverbreitet zu haben. Er übertraf alle seine Vorgänger und galt, da er alle Gattungen derComposition in einem gleich vollendeten Grade ausbildete, für einen der größten MeisterItaliens. Ungeachtet er besonders für das Leidenschaftliche, Große und Erhabene geschaffenwar, so gelang ihm doch das Naive, Zarte und Scherzhafte nicht minder, wie dies seine ko-