Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
687
Einzelbild herunterladen
 

687

Leo XN. Leo (Heinr.)

den Herzog von Urbino zu entsetzen, und belehnte seinen Neffen Lorenzo mit dem Herzog-thum. Ungern sah er in demselben Jahre die kriegführenden Mächte sich versöhnen. Denvertriebenen Herzog von Urbino, der sich 1517 wieder in Besitz seines Landes gesetzthatte, nöthigte er sehr bald von neuem zu einer Vcrzichtleistung. In demselben Jahre ließer den Cardinal Pctrucci, der einer Verschwörung gegen L.'s Leben sich sehr verdächtig ge-macht hatte, ungeachtet des ihm gegebenen sichern Geleites, erdrosseln; Andere, derenSchuld nicht erwiesen war, wurden gefoltert, ihrer Würden entsetzt und verwiesen. SeinePrachtlicbe mußte seine Finanzen erschöpfen; sich Geld zu verschaffen, besonders auch zurVollendung der Peterskirche, ließ er der Christenheit Ablaßbriefe verkaufen. Dieser Miß-brauch gab bekanntlich den ersten Anstoß zur deutschen und schweizerischen Reformationss. d.). Anfangs schien L. auf den Widerspruch Luther's (s. d.) wenig zu achten, und alser endlich nicht mehr schweigen konnte, ging er nur allmälig zu härtcrn Maßregeln über,die nun freilich nichts mehr fruchteten. Während offener Krieg in der Kirche ausgcbrochcnwar, bemühte er sich vergeblich, gegen den türk.Kaiser Selim, der sich Ägyptens bemächtigthatte, alle christliche Monarchen zu einem Kreuzzuge zu vereinigen. Nach dem Tode Loren-zo's, der nur eine Tochter hinterlaffen hatte, vereinigte L. Urbino mit den päpstlichen Be-sitzungen; der Cardinal Giulio de Medici aber übernahm die Regierung von Florenz.Wiewol inzwischen die Reformation in Deutschland fortschritt, so genoß doch Italien deräußern Ruhe. Dieser Zustand erlaubte L., seinem Geschmack an prachtvollen Schauspielenzu folgen, den Künsten und Wissenschaften Unterstützung angedeihen zu lassen und zugleichfür die Vergrößerung der Macht seiner Familie thätig zu sein. Dabei verlor er den Plan,die Macht Frankreichs in Italien zu brechen, nie aus den Augen. Zu dem Ende schloß er1521 einen Bund mit dem deutschen Kaiser zur Wiedereinsetzung der Familie Sforza inMailand, und nahm ein Schweizerheer in Sold. Der Krieg begann; Parma und Pia-ccnza wurden genommen und von dem Papste dem Kirchenstaate einverleibt; die Ver-bündeten zogen ohne Widerstand in Mailand ein und besetzten das Gebiet des Herzogs vonFerrara, gegen den, als einen Bundesgenossen Frankreichs, L. den Bannstrahl geschleuderthatte. L. war in Rom beschäftigt, die erfochtenen Siege zu feiern, als ihn am I.Dec. >521der Tod ereilte- Ein unbefangenes Urtheil kann ihm Gutmüthigkcit, feine Geschmacks-bildung und weltliche Gewandtheit nicht absprcchen, muß ihn aber auch üppiger Pracht-liebe und jenes Mangels an Sinn für das Göttliche anklagen, der, wie bei viele» italien.Humanisten der damaligen Zeit, an frivolen Unglauben streifte. Vgl. Noscoc, „I.ite »n<1pontiticate okI,. X."(4 Bde., Livcrp. 1805; ti Bde., Lond. 1806; deutsch von Glaser,mit Henke's Anmerkungen, 3 Bde., Lpz. 1806—8; ital. mit Anmerkungen und unge-druckten Beilagen von Bvssi, l 2 Bde., Mail. 1818).

Leo XI!., Papst 1823—20, geb. am 2. Aug. 1760, hieß eigentlich Annibale dellaEenga und wurde, nachdem er als Nuntius an mehren deutschen Höfen thätig ge-wesen war, von PiuS VII. 1816 zum Cardinal ernannt. Am 28. Sept. 1823 zumPapste erwählt, zeigte er sich zwar als Freund der Wissenschaften, bekundete aber in kirch-licher Beziehung eine illiberale Gesinnung. Hatte er schon in seiner Antrittsbullc die Frei-maurerei und die Bibelgesellschaften verdammt, so ließ er außerdem die Jnguisitionsge-fängnisse Wiederaufbau!», ordnete bei Ankündigung des Jubeljahres 1823 das Gebet umAusrottung,.der Ketzereien an und verwarf das Gesuch der Schlesier um Aufhebung desCölibats. Überdies mißfiel er auch dem röm. Volke und dein Cardinalcollegium durch seinhartes und selbständiges Regiment in dem Grade, daß bei seinem Tode, am l O.Febr. 1820,Niemand trauerte.

Lev, byzant. Kaiser, s. ByzantinischeS Reich.

Leo (Heinr.), ordentlicher Professor der Geschichte an der Universität zu Halle., geb.am 10. März >700 zu Rudolstadt, besuchte das dasige Gymnasium und bezog im Herbst1816 die Universität zu Breslau, um Medicin zu studircn. Die auf der Reise in Berlingemachte Bekanntschaft mit Ludw. Jahn (s. d.) riß ihn auf eine neue Bahn. Wie diemeisten Jünger des damaligen Liberalismus, wendete kr sich der Bestimmung des Schul-mannes zii. Er verließ Breslau im Sommer 1817, reiste mit Wolfg. Menzel durch dasRicsengcbirge nach Dresden und setzte dann seine Studien in Jena fort, sie besonders der