684 Lenormand Lentulus
Lenormand (Marie Anne), eine in den vornehmsten Kreisen bekannt gewordeneKartenschlägerin und Wahrsagerin in Paris, die mit Gewandtheit und Schlauheit die vul-gaire Neugierde zu täuschen verstand, warzuAlenxon l772 geboren und wurde daselbstbei den Benedictinerinnen erzogen. Schon frühzeitig fing sie an, aus Kaffeesatz, Karten
u. s. w. wahrzusagen. Noch vor dem Ausbruche der Revolution kam sie nach Paris, wosie während der Schreckenszeit gefangen gesetzt wurde. Ganz besonders war ihr die Kaise-rin Josephinc zugethan. Sie kam deshalb auch bald in Nus, lebte während der ersten Jahreder Kaiserregicrung auf großem Fuß und wurde von den achtbarsten Damen sehr häufigbesucht, bis sic sich in politische Umtriebe cinließ und deshalb 1899 des Landes ver-wiesen wurde. Hierüber erzürnt, schrieb sie „Souvenirs prnpbetignes ll'uns 8ib)IIs 8>ules cuusos <le son srreststion, le > I «lecemlire 1809", eine Prophezeiung des Sturzesdes Welttyrannen und seines Anhangs und des Triumphs der Legitimität, die sie aber erstnach der Restauration, 1814, herausgab. Im I. 1818 selbst vom Kaiser Alexander vonRußland ausgesucht, lebte sie später eine Zeit lang in Brüssel, dann wieder in Paris, wo sie1843 starb. Viel Aufsehen erregten ihre „Mmoires lüstnrchues et seeretss Us I'impera-trice äoseplnne" (2Bde., Par. l 829), welche interessante Nachrichten über diese enthalten.
Lenotre (Andr.), ein um die Vervollkommnung der Gartenkunst äußerst verdienterMann, geb. >013 zu Paris, wo sein Vater Obcraufseher des Gartens der Tuilerien war,knüpfte bei dem Maler Simon Vouet, dessen Leitung crübergcben wurde, mit Lebrum (s.d.)das engste Freundschaftsbündniß, widmete sich sehr bald ausschlicßend dem Studium derGar-tenkunst und zeigte sein Talent zuerst im Schlosse Vaur, am glänzendsten aber in der An-legung der Gärten zu Versailles, wofür ihn Ludwig XlV. nicht glänzend genug zu beloh-nen wußte. Nach der Vollendung der Anlagen zu Versailles wurden durch ihn die Gärtenzu Chantilly, St.-Cloud, Mcndon, Sccaux, in d;n Tuilerien, zu Fontainebleau und dieherrliche Terrasse zu St.-Germain thcilS verschönert, theils geschaffen. Amiens verdankt ^ihm den schönen Spaziergang Autri. Im I. >878 reiste er nach Nom, wo er vom PapstJnnocenz XI. mit großer Auszeichnung ausgenommen wurde. Er starb zu Paris l 799.
Lento bezeichnet in der Musik das langsamste Zeitmaß und fodert einen dem desA b a g i o (s. d.) ähnlichen Vortrag.
Lentütus, der Name einer patrizischcn Familie des röm. Geschlechts der Cornelier(s. Cornelius), wird zuerst bei der Belagerung des Capitols durch die Gallier im I. 39»
v. Chr. erwähnt, wo ein Lucius Cornclius L. allein von den Senatoren dazu auffodcrte,sich durch den Feind zu schlagen, nicht ihm den Frieden abzukaufen. — Aus der spätem Zeitder Republik ist besonders Publius Cornclius Lentulus Sura bekannt, der, nachdemer im I. 75 Prätor, 71 Consul gewesen war, im I. 79 mit 63 Andern wegen seines un-sittlichen Lebens durch die Censoren aus dem Senat gestoßen wurde. In der abergläubi-schen Hoffnung, er sei nach Cinna und Sulla der dritte Cornelier, dem die Herrschaft überRom beschicken sei, verband er sich 63 v. Chr. mit Cati lin a (s. d.) und stand, als dieser dieStadt verlassen hatte, an der Spitze der in Rom zurückgebliebenen Verschworenen. Durchseine Unentschlossenheit aber wurde die Ausführung des Plans, Nom anzuzünden und dieGegner zu ermorden, hinausgeschoben, und die Unvorsichtigkeit, mit der er sich mit den Al-lobrogischen Gesandten einließ, trug vornehmlich dazu bei, daß es dem Cicero gelang, ihn 'und die andern Häupter der Verschwörung zur Untersuchung zu ziehen. Mit ihnen erlitter, nachdem er die Prätur, die er in diesem Jahre zum zweiten Mal bekleidete, niedergclegthatte, den Tod durch Henkershand im Gefängniß. — Pu blius Cornelius Lentu-lus Spinther, dem der Vorige, nachdem er seine Theilnahme an der Verschwörungeingestanden, zur Obhut übergeben wurde, war damals curulischer Ädil, wurde im I. 69Prätor und war als Consul im I. 57 für die Rückbcrufnng Cicero's (s. d.) thätig. ImI. 49 schloß er sich als eifriger Optimat an Pompcjus, dem er früher verfeindet gewesen, 'floh vor Cäsar aus Asculum und begab sich, nachdem ihn dieser aus Corfinium mit Domi-tius frei entlassen hatte, zum Pompcjus, starb aber bald nach dessen Ermordung. — Lu-eius Cornelius Lentulus Crus trat im I. 61 v. Chr. als Ankläger des Clodius
(s. d.) auf. Mit C. Marcellus stand er als Consul im I. 49 dem Cäsar entgegen undwirkte dahin, daß dessen Fricdensbedingungen verworfen wurden, dann floh er zum Pom-