Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
682
Einzelbild herunterladen
 

682 Len.qerke Lenglet du Fresuoys

keine andern Fesseln als die der Klugheit anzulcgcn. Sic wählte einen Liebhaber nachihrem Geschmack und gab ihn ans, wenn er ihr nicht mehr gefiel. Der Cardinal Richelieusoll zuerst ihre Gunst genossen haben. Demselben folgten in chronologischer Ordnung Co-ligny, Villarccaux, der Marquis von Sc'vigne, der große Condc, der Herzog de Larochc-foucauld, der Marschall d'Albrct, der Marschall d'Estrccs, d'Efsiat, Gourville, Lachakreund noch in Ninon's hohem Alter die Abbes Gedoyn und Chäteauncuf. Da ste von ihrenLiebhabern nie Geschenke nahm, auch dieselben aus Eitelkeit oder Leidenschaftlichkeit nichtverrietst, sondern ans Hang zur Sinnlichkeit einfach verließ, so blieben alle die angesehenenund berühmten Männer, die sich nacheinander ihrer Gunst erfreuten, ihre Freunde. Inihren übrigen Lebcnsverhältniffc» benahm sie sich mit Würde und großer Redlichkeit. Umgänzlich sorgenlos zu sein, lieh sie ihr Vermögen auf Leibrenten und bezog so ein jährlichesEinkommen von 8— l 0000 Livres. Bis in ihr hohes Alter blieb ihr Haus ein Sammel-platz aller geistreichen und liebenswürdigen Personen des Hofs und der Stadt, und jungeLeute, die freilich oft ihrer Verführung unterlagen, besuchten ihre Gesellschaften» um sichGeschmack und Wcltbildung anzueigncn; auch die Gelehrten und Dichter erschienen undzogen sic bei ihren Werken zu Rathc. Scarron las ihr seine Romane, Saint-Evremontseine Gedichte, Molierc seine Komödien, Fontenellc seine Gespräche, Larochcfoucauld seinephilosophischen Betrachtungen vor. Als die Königin Christine von Schweden nach ihrerAbdankung nach Paris kam, wollte sie nur zwei Besuche abstatten, nämlich der Ninon undder Akademie. Ungeachtet die Ninon im Rufe der Unbeständigkeit und auch der Irreligio-sität stand, suchten doch oft die achtbarsten Frauen ihren Umgang, ja ihre Freundschaft.Auch die Frau von Maintcnon war und blieb aus früherer Zeit ihre Freundin. Ninon wardie Mutter zweier Söhne geworden. Der eine, Namens Laboissiere, starb 1732 als Ma-rincbcamtcr zu Toulon, der andere soll sich in seine eigene Mutter verliebt und nach derEntdeckung des Geheimnisses erstochen habe». Ninon starb am l 7. Oct. 1706. Sie ver- jmachte dem jungen, bei ihr eingcführtcn Voltaire 2000 Livres zum Ankauf von Büchern.Man schreibt ihr eine kleine Schrift „lbm cucj»ette venFve" (1649) und mehre in den Wer-ken Saint-Evremont's enthaltene Briefe zu. Ihr Leben beschrieben Damours und Lebrct;Douxmcnil gab ,Moi»oires pour sorvir L I'tiistoiro <Iv5Ia<I. cl« k^." (Par. 1751) heraus.

Lengerke (Alex, von), Landesökonomicrath und Gcncralsecrctair des Landesökono-mie-Collcgiums für die preuß. Staaten in Berlin, wurde zu Hamburg geboren, widmetesich der Landwirthschaft, conditionirte mehre Jahre als Verwalter und pachtete dann einLandgut. Verluste mannichfachcr Art verleideten ihm jedoch das Pachtgcschäft, sodaß erdasselbe aufgab und, nachdem er einige Reisen durch Deutschland gemacht hatte, sich inBremen häuslich nicdcrließ. In dieser Zeit schrieb er seine „Darstellung der Landwirlh-schaft in den Gcoßhcrzogthümcrn Mecklenburg" (Königsb. >831); die „Anleitung zumpraktischen Wiesenbau" (2.Aust., Prag 1844); „Reise durch Deutschland" (Prag 1839)und das „Landwirthschaftliche Conversations-Lcxikon" (4 Bde., Prag >837—38, nebstSupplcmentband, Braunschw. 1842). Im I. >84l folgte er dem Rufe als Professorder Landwirthschaft am Carolinum zu Braunschweig, doch schon im folgenden Jahre kamer in seine noch gegenwärtige Stellung nach Berlin. In Braunschwcig beendigte er dasschon früher angcfangenc größere Werk „Landwirthschaftliche Statistik der deutschen Bun- '«dcsstaatcn" (2 Bde., Braunschw. >840—4>). Gegenwärtig gibt er die „Annalen derLandwirthschaft in den preuß. Staaten" (Berl. 1842 fg.) heraus.

Lenglet du Fresnoys (Nicolas), ein sehr thätiger franz. Schriftsteller, gcb. am4. Oct. 1674, studirte in Paris und machte schon als Student durch einige Schriften Auf-sehen. Im I. > 705 wurde er erster Secretair dcS Kurfürsten von Köln, Jos. Clemens vonBaicrn, der zu Lille residirte, gab jedoch, um ohne allen Zwang seinen Studien leben z»können, diese Stelle auf, und war später selbst durch die glänzendsten Anerbietungen nicht >zu bewegen, sich von irgend Jemand abhängig zu machen. Nicht einmal im hohen Alterund in dürftiger Lage folgte er den immer dringendern Einladungen seiner reichen Schwe-ster in Paris. Wiederholt hatte er seiner Schriften wegen in der Bastille zu sitzen. BeimLesen eines Buchs eingeschlafen, fiel er vom Stuhle in den Kamin und starb am >8. Jan.1755. Aus der großen Menge seiner über die verschiedenartigsten Gegenstände sich ver-