Lemur Lenclos 681
geb. zuLyonI 773, kam früh nach Paris i» die Schule Dcjoux's, verherrlichte alle aufeinan-der folgenden Negierungen durch seine Werke und starb als königlicher Bildhauer 1827.Im Ganzen abhängig von David und seiner Classicität, war er doch reich an cigenthüm-lichen Motiven und dabei in Betreff der Aufträge einer der bevorzugtesten Bildhauer derneuern Zeit. Nachdem er an David's Plan einer colossalen Statue, die Nation vorstellend,bethciligt gewesen, schuf er im Aufträge des Direktoriums für verschiedene Negierungslo-calc und Sitzungssäle die Statuen des Numa, Cicero, Leonidas, Brutus, Lycurg u. s. w.Unter Napoleon wurde ihm das berühmte 72 F. lange Giebelreliefder Colonnabe des Louvreanvertraut, welchem die Jury den großen Decennalpreis zuerkannte. Unter den Bourbonsverfertigte er die Neiterstatuen Heinrich's IV. (für den Pont-neuf) und die Ludwig's XIV.(letztere zweimal). In den meisten seiner Werke ist der Stil rein und nicht ohne eine ge-wisse Größe, doch schimmert auch die franz. Affectation nicht selten durch. L.'s Persönlich-keit war eher abstoßend als angenehm.
Lemur, gewöhnlich in der Mehrzahl Lemüres, war bei den Römern die allgemeineBenennung für die abgeschiedenen Seelen der Verstorbenen, von denen man die guten alsHausgötter oder Laren (s. d.) verehrte, die bösen hingegen als nächtliche Gespenster undPoltergeister fürchtete, die unstet umherirrten und die Lebenden vielfach beunruhigten.(S. Larv e.) Um nun Letztere zu versöhnen und aus den Häusern zu verbannen, wurdejährlich in den Mitternachtsstunde» des 9., l I. und 13. Mai das Fest der Lemurien, dieUonmriu, gefeiert, das ursprünglich Uemui'ikl geheißen haben soll, zu Ehren des vom Celererschlagenen Nemus, um dessen Geist zu beschwichtigen. Beim Schweigen der Nacht gingnämlich der Hausherr barfuß und leise zu einem Brunnen, wehrte durch eine symbolischeBewegung mit den Fingern die Schatten ab, wusch sich dreimal die Hände in demselben,ging dann wieder zurück, nahm schwarze Böhnen in den Mund und warf diese, ohne sichdabei umzusehcn, neun Mal über den Kopf hinter sich, jedesmal mit den Worten: „DieseBohnen streue ich euch, mit ihnen kaufe ich mich und die Mcinigen los". Hieraus wusch ersich nochmals die Hände, schlug an ein hohles kupfernes Gefäß und sagte dabei neun Mal inbittendem Tone: „Vlunss exite paterni", d. h. zieht von dannen, ihr Seelen meiner Vor-fahren ! Nun konnte er sich umsehen, und mit diesem Acte war die Feier vollendet. Einegenaue Beschreibung dieser Ceremonie gibt uns Ovid im fünften Buche seiner „Vasti".
Lena, einer der drei großen Ströme Sibiriens im Gouvernement Irkutsk, dessenQuelle von der Mündung über 300 M. entfernt ist, hat eine Länge von 310 M. und einStromgebiet, welches gegen 3700» lüM. umfaßt. Er entspringt im Baikalgebirge imWesten des Baikalsces, hat bei Kirensk noch eine Seehöhe von I >00 F. und bei Jakutsk,wo er in die völlige Niederung tritt, von 3 70 F., und fließt von hier sehr langsam, in breiter,zum Theil seichter Strömung, dem nördlichen Eismeere zu. Ein breites, aus unzähligenMündungsarmen bestehendes Deltaland liegt hier dem Flusse vor, der unter 73° nördlicherBr., in starrer arktischer Region, der großenJnselgruppe Neu-Sibirien gegenüber, mündet.Unter den Nebenflüssen der L. zeichnet sich zur Rechten der Witim, die Olekma und der Al-ban, zur Linken der Wilui aus, sämmtlich schiffbare, breite und wasserreiche Ströme. Diedie L. umwohnenden Völker, z. B. Burjaten, Tunguscn und Jakuten, nähren sich beson-ders vom Fischfänge. An de» Ufern des Flusses findet man häufig Mammuthzähne undMammuthknochen.
Lenäos ist der Beiname des Bacchus, dem die Lcnäcn, das Kelterfest, in Athenim Monat Lenäon, mit dramatischen Wettkämpfen gefeiert wurden. Vgl. Böckh, „Uberdie Lenäen" in den „Abhandlungen der berliner Akademie der wissenschaftlich-historisch-philologischen Classe"(>816—17).
Lenau (Nikolaus), s. Niembsch von Strehlenau.
Lenclos (Anne, genannt Ninon de), eine durch ihre Galanterie bekannte Französin,wurde am 15. Mai 1016 zu Paris aus adeliger Familie geboren. Ihre Altern starbenzeitig; .schon mit 15 Jahren sah sich Ninon frei und Herrin ihrer Handlungen. Sie hattesich selbst durch Lectüre, namentlich aus den Werken Montaigne's, gebildet, besaß vielGeist, Witz und Geschmack, tanzte, sang und spielte das Clavicr und war sehr bald vonAnbetern und Heirathslustigen umschwärmt. Jndeß beschloß Ninon, sich im Lebensgenüsse