Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
679
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Lemierre Leinnos 679

Gymnasium, ein Jungfraucnstift für elf adelige und bürgerliche Jungfrauen, mit einerÄbtissin an der Spitze, das zu Anfänge des I 4. Jahrh. gestiftet wurde, ein Vcguinenhausund ein Waisenhaus. Ein besonderer Industriezweig ist das Schneiden von Mcerschaum-Pscifenköpfeii.

Lemierre oder Lemiere (Ant. Marin), franz. Schauspicldichtcr, geb. zu Parisam >2. Jan. 172:;, war der Sohn eines Sporers, der für die Erziehung desselben keinOpfer scheute, und zog, nachdem er seine Studien beendigt, die Aufmerksamkeit des Gcne-ralpächters Dupin auf sich, der ihn unter dem Titel eines Sccretairs zu sich nahm. Er con-currirtc mehrmals um den Preis bei der Akademie und sah auch sechs seiner Gedichte ge-krönt. Sein erstes Trauerspiel „kl.vpermnsstre" ließ er >7 58 aufführen und erntete damit,trotz der beißenden Kritik Fre'ron's, außerordentlichen Beifall. Seine später» Trauerspielemachten weit weniger Glück; die besten unter ihnen sind „Im veuvo >I>> 5Ialabar" (177V)';„L-N'nevelt" (1784), beide eigentlich blos bürgerliche Trauerspiele, und sein letztes „6uil-laiime Uli", das bei der ersten Aufführung mit Kälte aufgenonimen, kurz vor dem Aus-bruche der Revolution ein Lieblingsflück des Publicums, von den Kritikern aber der rau-hen und harten Verse wegen mit Recht getadelt wurde. Außerdem hat er mehre beschrei-bende und Lehrgedichte verfaßt, die an schönen Einzclnheitcn reich sind, was besondersvon den Gedichte» „Im pointure"(Par. 1769)und „ImsKrrstes, on !es usaz;e8 üa I'anuee"(Par- I77V) gilt. Manches Anmuthige enthalten auch seine „Liöces üigitives" (Par.1782). Erst 1781 erhielt er eine Stelle in der Akademie. Durch die Greuel der Revolutionwurde er förmlich betäubt und starb, nachdem er fast alle Mittel zu seinem Unterhalte ver-loren, zu Saint-Germain-cn-Laye am r. Juli 1792. Seine „Oeuvres" wurden von Per-rin (3 Bde., Par. 18IV) hcrausgcgcbcn.

Lemma, s. Lohnsatz.

Lemmas (Simon), eigentlich Lcmchen, ein beißender Satiriker, geb. zwischen151 v—2V zu Margadant in Graubündten, kam 1533 auf die Universität nach Ingolstadtund ging dann nach Wittenberg, wo er sich insbesondere mit Melanchthon befreundete, demer, als 1535 wegen der Pest die Universität nach Jena verlegt wurde, dahin folgte und mitwelchem er auch wieder nach Wittenberg zurückkchrte. Ein gescheidter Kopf, chber von feu-rigem Geiste ließ er sich zu so vielen Anstößigkeiten verleiten, daß man seinem Wunsche, eineProfessur in Wittenberg zu erhalten, allenthalben Hindernisse in den Weg legte. Am mei-sten schadete er sich durch die Herausgabe eincr Sammlung von Epigrammcn(Witt. 1538),in welchen er nicht nur mehre Wittenberger verspottete, sondern auch den Erzbischof Cardi-nal Albrcchk, Luthcr's Feind, als Beschützer der Wissenschaften pries. Hierüber erzürnt,begnügte sich Luther nicht mit der Wegnahme der noch vorhandenen Exemplare und derBestrafung des Druckers, sondern verankaßte sogar des Herausgebers Relegation von derUniversität. Dieser war inzwischen nach Basel gegangen. Kaum hatte er hier das Rclega-tionspatcnt gelesen und von Luthcr's heftiger Strafpredigt wider ihn gehört, als er seineEpigramme, mit einem zweiten Buche vermehrt, aufs neue hcrausgab (1538), in welchemletzter» er sich die gröbste» Ausfälle aufLuther und seine andern Gegner erlaubte und Schmä-hungen mit Obscönitätcn abwechseln ließ. Camerarius schrieb dagegen seine ernste undwürdige „Llegi-r-- imckoiporileas", veranlaßt« aber L. dadurch nur zu einer „Vpologia", inder er seine ersten Epigramme in Schutz nahm und neue heftige Angriffe aufLuthcr machte.Diese Apologie gehört unter die größten literarischen Seltenheiten; noch seltener aber istdie von L. unter dem Namen Imams Ui-aeus lluvauali« herausgcgcbcnc „blnnaclioporno-maclüa", in welcher er, wie er schon längst gedroht hatte, wenn man ihm keine Ehrenerklä-rung gäbe, „die Greuel des wollüstigen Wittenbergs" aufdeckcn wollte. Diese schmuzigeSchrift ist Luther dedicirt und eine Art Komödie der niedrigsten Art, worin Venus, Luther,Jonas, Spalatin, ihre Frauen mit ihren Liebhabern und einigen Nebenpersonen die unzüch-tigste» Gespräche führen. Nichtsdestoweniger gelang es L., im I. > 54V an dem ncucrrich-tctcn Gymnasium zu Chur in Graubündten als Lehrer angestellt zu werden, wo er indcß am24. Nov. I55V an der Pest starb. Von, seinen übrigen Schriften erwähnen wir noch seine„Vmornm libri IV" (1542) und seine Übersetzung der „Odyssee" (2 Bde., Vas. 1549).

LkMNvs, die nördlichste gricch. Insel im Ägcischcn Meere, zwischen Tcncdss und