Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
674
Einzelbild herunterladen
 

674 Leipzig (Schlachten)

und Wachau das Gleichgewicht der Kräfte wieder her, und obschon Napoleon zur Feier desSieges die Glocken in L. läuten ließ, so waren die Früchte dieses Tages sür ihn doch unbe>deutend; denn cs befanden sich bei Einbruch der Nacht beide Parteien so ziemlich in dersel-ben Stellung, wie vor der Schlacht. Die Ankunft der Nordarmee, die Napoleon so garnicht erwartet hatte, setzte ihn in sichtbare Bedrängniß. Er hatte früher Nachricht davonals die Verbündeten, die ihrerseits zwar nicht besiegt, doch die Tapferkeit der Franzosen aufallen Punkten anerkennen mußten, denn auch die Entsendung Giulay's nach Lindenauhatte ihren Zweck nicht erreicht.

So ließ man durch ein stillschweigendes Übereinkommen am 17. Oct. die Waffen ru-hen. Die Verbündeten erwarteten die Ankunft ihres dritten Hauptcorps unterBenningsenvon Dresden über Grimma; Napoleon dachte an einen ehrenvollen Rückzug, zu welchemEnde er durch den gefangenen östr. Grafen Meervcldt mit dcnVerbündetenUnterhandlun-gcn anzuknüpfen suchte. Er soll einen Waffenstillstand angetragen, ungehindert über dieSaale zu gehen verlangt, dagegen die Herausgabe der Oder - und Weichselfestungen unddie Geneigtheit zum Frieden angebotcn haben. Aus seiner Geneigtheit, zu unterhandeln,schloß man aufseine Schwäche und gab den Anträgen kein Gehör, zumal da man nun auchvon der Ankunft der Nordarmee Kunde erhielt, vor welcher sich Ney und Marmont überdie Parde nach Schönfeld zurückzogcn. Am >8. Oct. war Napoleon zu einem Vertheidi-gungskampfc gezwungen und mußte sich um den Rückzug schlagen. Er nahm seine Stel-lung mehr rückwärts zwischen der Pleiße und Parde, gedeckt durch die Dörfer Konnewitz,Probstheida, Holzhausen, Paunsdorf und Schönfeld. Die halleschc Vorstadt von L. wurdedurch eine hinter der Parde in Lähr's Garten aufgesiellte Batterie unter Dombrowski undArrighi, Herzog von Padua, vertheidigt. Bertrand hielt noch immer den Paß bei Lindenaufrei, durch welchen schon alles unnütze Fuhrwerk nach Lützen zu fortgeschafft wurde. Inder Mitte seiner Garden bei Probstheida befand sich Napoleon, um jedem bedrängten PunkteHülfe senden und das Ganze leiten zu können. Die Verbündeten bezweckten ihrem Planevom 16. gemäß die Vereinigung mit Benningsen und der Nordarmee und befanden sichbald genug auf günstigem Terrain, um ihr Geschütz - und Gewehrfeuer ganz wirken zu las-sen. Blücher griff Schönfeld und die halle'sche Vorstadt an; der Kronprinz von Schwedensetzte bei Plaußig, Grasdorf und Taucha über die Parde und rückte gegen Paunsdorf undebenfalls gegen Schönfcld. Ihm näherte sich Benningsen von der grimmaischen Straße herund trieb Macdonald von Holzhausen nach Stötteritz. Gegen Probstheida drängten dieCorpS der großen verbündeten Armee, und der Erbprinz von Hessen-Homburg versuchtedie Pleiße wieder zu gewinnen. Aber aller Anstrengung ungeachtet und obschon durch Giu-lay und die Reserven unterstützt, konnte er doch seine Absicht nicht erreichen. Poniatowskikämpfte mit Heldenmuth, und seine Krieger bewährten eine spartanische Tapferkeit. Da-gegen gelang es den Verbündeten gegen Mittag, das Vorwerk Meusdorf zu nehmen, wo-durch die Erstürmung von Probstheida, wo der heftigste Kampf wüthete, ausführbar wurde.Blücher's Versuche wurden zurückgewiesen und durch schwieriges Terrain aufgehalten.Nur die Schweden hatten leichteres Spiel, zumal da die gegen sie stehenden sächs. und wür-temberg. Truppen, welche größtenthcils das Reynier'schc CorpS bildeten, zu den Verbünde-ten übergingen. So wurde die Verbindung Benningsen's mit den Schweden erleichtert,Paunsdorf mit geringer Mühe erstürmt, der Fall von Schönfeld durch Längeren erzwun-gen und die Eroberung von Probstheida, obwol nach langem, schwankendem Kampfe, end-lich erreicht. Bei alledem wußte Napoleon noch immer die Lücken auszufüllen und die Nach-theile auszuglcichen; noch war seine Linie nirgend durchbrochen, er nirgend im Rückengenommen; die Kräfte der Verbündeten erschöpften sich nach und nach, und es schien denFranzosen ein erträglicher Rückzug noch immer möglich. Allein derselbe wurde schwierigdurch den Mangel an freien Colonnenwcgen, da alle, die nach der Nanstädtcr Vorstadt undweiter nach dem Engpaß von Lindenau führten, mit fliehendem Gepäck und mit Truppenin großer Verwirrung bedeckt und keine Brücken über die Pleiße für solchen Fall geschla-gen, auch sonst keine Vorkehrungen getroffen waren. Nur die Stadt selbst war kurze Zeitvorher einigermaßen gegen einen ersten Anlauf gesichert und zu einer Vertheidigung ein--erichtet worden. Poniatowski und Macdonald wurden bestimmt, den Rückzug zu decken,