Leipzig (Schlachten) 673
sten Schwarzenberg, der de» Oberbefehl über die verbündeten Heere führte, obschon diedrei Monarchen von Ostreich, Rußland und Preußen selbst zugegen waren, ging dahin, dieFranzosen in drei Colonnen anzugreifen. Der rechte Flügel der franz. Armee unter Ponia-towski lehnte sich an die Dörfer Dölitz und Markkleeberg und war durch die Pleiße mit ih-ren abgeleiteten Armen und durch ein schwieriges Terrain gut gedeckt; die Stellung zog sichdann gegen Wachau, den Hauptpunkt des Centrums, welches die Corps von Augereau undBieter bildeten, bis zum Flecken Liebertwolkwitz, als dem Stützpunkte des linken Flügels,wo Lauriston mit dem fünften Corps stand. Die Colonne des linken Flügels der Verbün-deten sollte auf dem linken Ufer der Pleiße Hinunterrücken, zwischen Lösnig und Konnewitzden Fluß überschreiten und so den feindlichen rechten Flügel umgehen; die nächsten Reser-ven aber sollten diese Bewegung unterstützen. Die mittlere Colonne hatte Befehl, auf demi rechten Ufer der Pleiße hinabzuziehen und gegen Wachau zu rücken; die dritte Colonnel nahm auf der Landstraße nach Liebertwolkwitz diesen Ort selbst zum Richtpunkte. Die bei-den letztem Colonnen sollten die Franzosen in der Fronte beschäftigen und dadurch dieBewegung der ersten Colonne, durch welche Napoleon von L. und allen seinen Nückzngs«punkten abgeschnitten werden konnte, begünstigen. Endlich war noch das Corps des Ge-nerals Eiulay, 100«><) M. stark, bestimmt, Lindenau zu nehmen, während der Schlacht inL. einzudringen und somit die Vernichtung des Feindes zu vollenden. Allerdings kam eshierbei noch darauf an, wie sich unterdessen, die Verhältnisse bei der Nordarmce gestaltenwürden. Napoleon hatte dieselbe durch seine frühere Demonstration über Wittenberg undDessau nach der Mark hin zu täuschen gehofft; allein weder der Kronprinz von Schwedennoch Blücher ließen sich dort lange irre machen und statt sich aufBerlin zurückzuziehen, umes zu decken, nahmen sie ihre Richtung nach Halle, um am 16. Oct. gleichfalls gegen L. vor-zudringen. An gedachtem Tage, früh um 7 Uhr, setzten sich die verbündeten Truppen inBewegung, trieben die franz. Vorposten aus den Dörfern Markkleeberg und Wachau und, drückten merklich auf die feindliche Stellung. Das Victor'sche Corps mußte Liebertwolk-
^ witz an den General Klenau überlassen und um 9 Uhr schon war der Kampf allgemein.
Beide Theile zeigten glänzenden Muth und unerschütterliche Tapferkeit. Die Colonne deslinken Flügels der Verbündeten litt jedoch bedeutend durch die Standhaftigkeit der Polen,die jeden Übergang über die Pleiße wehrten und, durch das Terrain begünstigt, ein wirksa-! nies Feuer unterhalten konnten. Ebenso gab das von Holzhausen herangezogene zwölfteCorps Macdonald's dem franz. linken Flügel einen sichern Anhalt; auch hatte Napoleonauf den Höhen von Liebertwolkwitz, wo er den Kampf ordnete, den Verbündeten die aufkurze Zeit errungenen Vortheile wieder entrissen. Dies schien ihm der günstige Augenblick,um durch einen Angriff auf das Centrum der Feinde den Sieg zu vollenden. Schon dran-gen seine Colonnen gegen Gossa und Eröbcrn vor und nahmen diese Stellungen. DemGrafen Wittgenstein, der hier befehligte, wurden nun die Reserven, welche auf dem linkenUfer der Pleiße der dort fechtenden Colonne beistehen sollten, zugesendet, um dem Andrangedes Feindes kräftiger zu begegnen. Solches glückte auch; allein Macdonald ließ die soge-nannte Schwedenschanze erstürmen und sicherte dadurch dem linken Flügel der Franzoseneinen wesentlichen Vortheil. Am hartnäckigsten wurde bei Wachau gekämpft, von wo aus- Napoleon fort und fort gegen das Centrum der Verbündeten wirkte. Zn der That würdenseine Anstrengungen Erfolg gehabt haben, hätte er ihnen mehr Nachdruck geben können,zumal da auch Poniatowski bei Markkleeberg, wo man sich mit der größten Hitze schlug, nichtzum Wanken gebracht werden konnte. Nun hätte zwar das Corps von Ney, weiches jetztvon Delitzsch her anlangte, den Ausschlag geben können; allein inzwischen hatte auch Blü-cher's Heer sich dem Kampfplätze mehr und mehr genähert. Es war am 16. Oct. von Hallenach Schkeuditz gerückt, hatte das Corps von Marmont bei Wahren, Lindenthal und Brei-! tcnfeld angegriffen, bei Möckern nach hartem Widerstande entscheidend geschlagen und be-
. drohte nun L. von dieser Seite her. Deshalb mußte Ney ihm entgegengeschickt werden, und
so ging der entscheidende Moment verloren. Die Franzosen mußten einzelne vertheilte Punkteaufgeben; im muthigen Angriff eines russ. Gard.ekosackenregiments wurde ihnen sogar eineeroberte Batterie wieder abgenommen; die russ. Grenadiere stellten zwischen der PleißeConv.-Lex. Neunte Aufl. VIII. 43