Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
665
Einzelbild herunterladen
 

665

Leipzig

an der Thomaskirchc, jeßt Großmann, der Nachfolger Nosenmüller's ts. d.) undTzschirner's (s. d.), ist zugleich Superintendent und Professor. Mit der Peterskirche,einem unscheinbaren Gebäude ohne Thurm, mit einem Vermögen von 22000» Thlrn., istseit >713 eine Katechetenanstalt verbunden. An der Universitätskirche ist seit >83-1 ein be-sonderer Universitätsprediger, Professor Krehl, angestellt. Zu Zwecken homiletischer Übun-gen dienen das Montägige große Prcdigcrcollegium, gegründet 1623; das homiletische Se-minar des Universitätspredigers, seit >833; die Lausitzer Predigergescllschaft, gegründet1716, und mehre andere homiletische Gesellschaften. Ferncrsind hierzu erwähnen die Bibel-gesellschaft, die Missionsgesellschaft und der evangelische Verein derGustav - Adolf- Stif-tung (s.d.). Die reformirte Gemeinde ist durch den Ankauf des alten Postgebäudcs, in wel-chem sie schon früher ihren Gottesdienst hielt, in den Besitz einer eigenen Kirche gelangt, diesie neu eingerichtet hat. Die katholische Kirche benutzt, seitdem das früher innegehabte Localin der Pleißenburg schadhaft geworden, gemeinschaftlich mit den Protestanten die Neu-kirche, während die Deutsch-Katholiken zur Zeit noch eines eigenen Locals für ihre Gottes-verehrung entbehren. Die Griechen haben eine Privatkapelle, die Juden mehre Privatsy-nagogen; auch besitzen letztere seit 1815 einen Gottesacker außerhalb der Stadt, währendsie früher ihre Lobten nach Dessau bringen mußte». Die beiden gelehrten Schulen sind dieThomas - und die Nikolaischule. Jene entstand als eine triviale Klosterschule, wahrschein-lich gleichzeitig mit dem im Anfänge des 13. Jahrh. gestifteten Thomaskloster, und kamnach der Reformation mit diesem an den Nach. Sie zählt 60 Alumnen, die das Sänger-chor bilden, und gegen 160 Externen. Wie die Schule als gelehrte Anstalt seit mehr alshundert Jahren zur Verbreitung gründlicher Gelehrsamkeit und insbesondere humanisti-schevBildung wesentlich beigetragen hat, so hat auch das Sängerchor sich fortwährend denRuf als eines der vorzüglichsten in Deutschland bewahrt. An der Spitze der Schule stehtder Rector und Professor St all b au m (s. d.) und ihm zur Seite der Conrector Jahn(s. d.), unter welches Ersten; Vorgängern wir nur anJ.M. Geßncr (s.d.), J.A. Ernesti(s. d.), I. F. Fischer (s. d.) und F. W. E. No st (s. d.) erinnern, an der Spitze des Chorsder Cantor Hauptmann, der Seb. B a ch (s. d.), I. F. D o l e s (s. d.), I. A. H i l l e r (s. d.),Schicht (s. d.) und Wcinlig (s. d.) zu berühmten Vorgängern hatte. Die Nikolaischuleentstand zuerst im Anfänge des 16. Jahrh. als eigentliche Stadtschule, erlangte im 16.Jahrh. den Vorzug vor der. Thomasschule und nahm namentlich seit >820 wieder einenneuen Aufschwung. Die Zahl der Schüler beläuft sich auf 10V; der gegenwärtige Rectorist der Professor Nobbe (s.d.), der I. I. Neiöke (s.d.) unter seine Vorgänger zählt.Die vorzüglichsten unter den übrigen Unterrichtsanstalten sind die von dem BürgermeisterMüller und dem Superintendenten Rosenmüller 1792 gegründete Nathsfreischule für Kin-der armer oder verarmter Altern, an der Plato (s.d.) und Dolz (s.d.) lehrten (vgl. Dolz,„Die Rathsfreischule in L. während der ersten 50 Jahre ihres Bestehens", Lpz. 1833);die l 803 gegründete, seit 1838 in eine erste und zweite abgetheilte allgemeineBürgerschule,der zuerst L. F. G. E- Gedicke (s. d.) als Director Vorstand, dem I. K. C. Vogel (s. d.)nachfolgte, unter welchem >833 eine Realschule als Zwciganstalt ins Leben trat; die vondem Buchhändler Joh. Wendler >788 gestiftete Freischule; das^von Sam. Heinicke(s.d.) 1778 begründete Taubstummeninstitut unter der Direction von K. G. Reich; dieBürgerschule der katholischen Gemeinde, und unter den Privatinstituten das von C. G.Hander. Unter den Vereinen zur Förderung wissenschaftlicher Bildung sind zu erwähnendie Deutsche Gesellschaft zu Erforschung vaterländischer Sprache und Alterthümer (s. Hi-storische Vereine); die >763 begründete Akademie der bildenden Künste unter demDirector Neher und die damit neuerdings in Verbindung gesetzte Baugewerksschule unterdem Director Geutebrück; die von dem Grafen von Hohenlhal 1765 gestiftete Leipzigerökonomische Societät, welche seit >833 einen Volkskalender herausgibt; die fürstlich Ja-blonowski'sche Gesellschaft der Wissenschaften (s. Jablonowski); die 1783 von Ehr.Dan. Beck (s. d.) gebi-ldete Philologische Gesellschaft, die 1809 zum königlich philologischenSeminar erhoben wurde und seit des Stifters Tode unter der Leitung Gottfr. Hermann'ssteht; die >823 begründete Naturforschende Gesellschaft, die sich 1823 mit der >789gestifteten Linnesschen Gesellschaft vereinigte; die 1793 von Gottfr. Hermann gestiftete

5 ?

V'

'L-.