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Gerichtsstände seit 1835 i» Wegfall gekommen. Schon 1817 erhielt die Bürgerschafteine Art Vertretung durch die aus ihrer Mitte gewählten Communrepräscntanten. Andie Stelle derselben traten in L-, noch vor Erscheinen der allgemeinen Städteordnung, imOtt. 1831 die Stadtverordneten. Ihre Zahl beträgt 6N, nämlich 3» aus der Classe derangesessenen Bürger, 15 vom Handelsstande und >5 von den übrigen Ständen und Ge-werben, und ihre Hauptbefugnisse bestehen in der Controle des Stadtraths namentlich inBeziehung auf die Verwaltung des Stadtvermögens und in dem Rechte der Wahl desStadtraths. Die Sitzungen derselben sind zum Thcil öffentlich; die Protokolle werden,aber in der Regel sehr spät, gedruckt. Die Verpflichtung der Bürger zum Wachdienste vcr-anlaßte im > 3. Jahrh. den Zusammentritt der Nüstungsschützen, die sich seit 1580 in Rü-siungs- und Büchsenschüßen theilten, 1826 sich wieder vereinigten, 183-t ihr neugcbauteS^ Schützenhaus bezogen und 1843 das Jubelfest ihres 40!>jährigen Bestehens feierten.Bgl. Gretschel, „Die Schühengesellschaft zu L." (Lpz. 1836). Neben ihnen bestanden dieallbekannten Stadtsoldaten bis zum I. 1836, wo die Ereignisse im Sept. die Einrich-tung der Communalgarde nothwendig machten, die dann gesetzlich geordnet wurde undder die waffenfähigen Mitglieder der Schühengesellschaft als besondere Compagnien einge-reiht wurden. Die Communalgarde hatte zu Ostern >845 einen Totalbestand von 1941M.,vertheilt in 14 Compagnien und eine Escadron. Außer dem Bürgermeister, welcher gleichi dem Superintendenten Mitglied der ersten Kammer der Ständeversammlung ist, hat dieBürgerschaft zwei Abgeordnete in die zweite Kammer zu senden. Die Garnison, welchebis I83V nur so stark war, um die Wache in der Pleißenburg und die Posten an einigen! königlichen Kassen zu versehen, ist gegenwärtig auf zwei Bataillons Schützen erhöht. Das! Budget der Stadt beträgt durchschnittlich im Jahre 26660V Lhlr. und es stehen Ein-nahme und Ausgabe im gehörigen Verhältnis die Stadtschuld von 2,466606 Thlr.^ wird seit 1832 zu drei Procent verzinst und sieht in Folge der jährlichen bedeutenden Aus-losungen einer schnellen Tilgung entgegen. Auch ist L. der Sitz der Landeslottcrie, dieI 1836 aus der Vereinigung der früher hier und in Dresden bestehenden besonder« Lotterienhervorging, an welcher erster«L. einen Antheil hatte, bis es solchen 1833 gegen eine bedeu-tende Entschädigung an den Staat abtrat. Unter denen zur Förderung der gemeinenWohlfahrt getroffenen Anstalten erwähnen wir der Feueranstalten, denen sich 1845 frei,willig eine Rettungscompagnie angeschlossen hat, des 1826 eingerichteten Pfand - undLeihhauses, mit welchem eine Sparkasse verbunden ist, und des 1844 entstandenen Fiacre-vereinS; unter den gemeinnützigen Privatinstituten der 1826 vom Professor Ritterichgestifteten Heilanstalt für arme Augenkranke, die seit 1823 als klinisches Institut benutztwird, des 1831 gegründeten Orthopädischen Instituts, der Homöopathischen Berathungs-anstalt, des von der Loge Balduin >827 gestifteten Frauenvereins und der von der Ve»trauten Gesellschaft 1834 begründeten Kleinkinderbewahranstalt; und neben den verfehle-denen Badeeinrichtungen, wie z.B. von Krüger, insbesondere der 1843 eingerichteten treff-lichen Schwimmschule in der Elster von Neubert.
Unter den wissenschaftlichen Anstalten steht die Univ ersität oben an, die der durchdie Uneinigkeiten zwischen Böhmen und Deutschen im 1.1469 herbeigeführten Auswan-derung einer großen Anzahl prager Studenten unter Anführung von Otto von Münster-berg und Johann Hosmann ihre Stiftung verdankt. Die vom Kurfürsten Friedrich demStreitbaren und dessen Bruder Wilhelm hierzu nachgesuchte päpstliche Einwilligung gabAlexander V. unterm 9. Sept. 1469. Als eigentlicher Stiftungstag wird der 4. Dec.1409 angenommen, und Otto von Münsterberg war der erste Rector. Die Gesammt-heit der Lehrer und Studirenden wurde in vier Nationen, die sächs-, meißnische, fränkischej (nachher bairische) und polnische geschieden. Sie wurde zunächst ausgestattet mit dem großen, und dem kleinen Fürstencollegium (Petrinum), zu welchen später das Frauencollegium(s. Collegiaturen) kam, und der Besoldung für 26 Magistri, bis zu diesem Behufe dieDörfer Hohenheida, Gottscheuna und Merkwitz übergeben wurden; auch erhielt sie 1413durch Papst Johann XX11I. sechs Kanonikate. Die medicinische Facultätwurde zwar 1415gestiftet, aber erst 1438 mit zwei Professoren beseht. Der Reformation widersetzte sich dieUniversität mit großer Hartnäckigkeit. Der Kurfürst Moritz wurde gleichsam ihr zweiter