Leipzig 659
Leipzig, die Hauptstadt des gleichnamigen Kreise- (63 IHM. mit 372V0V E.) unddie zweite Stadt des Königreichs Sachsen, hinsichtlich der allgemeinen Bedeutung, die siein Wissenschaften, Handel und Geschichte gewonnen hat, zumal wenn man auf die Be-schränktheit ihres Umfangs und die geringe Anzahl ihrer Bewohner Rücksicht nimmt, eineder ausgezeichnetsten Städte Europas, liegt in einer großen, fruchtbaren und von wohlha-benden Dörfern belebten Ebene, die von der Elster in mehren Armen, der Pleiße und Pardebewässert wird, welche theilweise die Stadt berühren und sich hier miteinander vereinigen.Sie zerfällt in die innere Stadt, die Vorstädte und die neuen Anbaue. Die innere Stadt,die einen Umfang von noch nicht 9000 Ellen hat, war früher stark befestigt, doch sind dirFestungswerke, mit deren Abtragung >784 der Anfang gemacht wurde, bis auf wpr^zeSpuren verschwunden. In dieselbe führten, außer dem blos in beschränktem Maße ge-brauchten Thore der Pleißenburg, vier Hauptthore, das Grimmaischc, Peters-, Ranstädterund Hallesche Thor, die aber, bis auf das Petersthor, ebenfalls abgetragen sind, nachdemdas an den Thoren vom Abende an zu zahlende Thor- oder Einlaßgeld bereits im Aug.1824 abgeschafft worden war. Nach den vier Hauptthoren ist die innere Stadt in vier nachdiesen benannte Viertel eingetheilt. Sie umfaßt acht größere öffentliche Plätze, darunter den450F. langen, 242 F. breiten, ein regelmäßiges Viereck bildenden Marktplatz, der >845»eu gepflastert und mit dem Stadtwappen in Steinmosaik geziert wurde, und den Börsen-platz (sonst Naschmarkt). Von den Vorstädten ist die eigentliche Stadt durch die rings umsie herum führende Promenade getrennt, die, zum Theil aus Linden-, zum Theil aus Ka-stanienalleen bestehend, sehr schöne Anlagen umschließt, wie den Park mit dem künstlichangelegten Schneckenberge. In denselben befinden sich die Denkmale Hiller's und Seb.Bach's (vor der Thomasschule), des Bürgermeisters Müller (im Park) und Gellert's (aufdem Schneckenberge); auch wurde hier in der Nähe der ersten Bürgerschule, im Sept.1843, der Grundstein für Thaer's Standbild gelegt. Die Promenade berührt mehreschöne Plätze, so den großartigen Augustusplatz, den Noßplatz, den Königsplatz oder dieEsplanade mit dem Standbilde König Friedrich August's l., von Öser, den Fleischerplatzund den Wageplatz. Auch die Vorstädte sind in ähnlicher Weise wie die innere Stadt ineine Grimmaische, Peters-, Nanstädter und Hallesche Vorstadt getheilt, zu denen >'m 18.Jahrh. die neu angelegte Johannisvorstadt hinzukam. Außerhalb der Vorstädte entstan-den allmälig seit 1834 die Friedrichsstadt, vor dem äußersten Grimmaischen Thore, an derdresdner Chaussee, die an jene grenzende Marienstadt, vor dem Hinterthore, rechts vonder Leipzig-dresdner Eisenbahn, und der neue Anbau vor dem Windmühlenthore, in derNähe des Sächs.-bair. Bahnhofs; auch wurde die Sandgrube seit 1832 parcellirt, alsGartenland verpachtet und so in eine große freundliche Anlage verwandelt. Die den Haupt-thoren der inner» Stadt entsprechenden Thore der Vorstädte, das äußerste Grimmaische,Peters-, Nanstädter Thor und das Gerberthor, erhielten 1843 die Nanien Dresdner, Zei-tzer, Frankfurter und Hallesches Thor, wo gleichzeitig die neuentstandenen Straßen und öf-fentlichen Plätze benannt wurden und mehre der bereits bestehenden ihre alten Namen mitneuen vertauschen mußten, wie z. B. der alte Neumarkt in Universitätsstraße, der Esels-Platz in Ritterplatz, der Ranstädter Steinweg in Frankfurter Straße umgewandelt)vurde.Das neue Dresdner Thor und das ehemalige Hinterthor (nunmehr Truchaer Thor ge-nannt) wurden 1844 so weit hinausgcrückt, daß sie zugleich von den neuen Anbauen dieFriedrichs- und die Marienstadt mit umfaßten. Die Gesammtzahl der Häuser belief sich zuEnde des I. 1844 auf > 920. Die Straßen sind reinlich gehalten, aber im Allgemeinenschlecht gepflastert; neben mehren schönen, breiten und geraden Straßen, z. B. der Katha-rinenstraße, der Grimmaischen Straße und der neuen Königsstraße im ehemals Neimer'-schcn Garten, gibt es freilich auch sehr viele unregelmäßige und sehr enge Gäßchen. DieStadt wie die Vorstädte sind durchweg, ausgenommen die neuerdings parcellirten, frühergeschlossenen Grundstücke, mit Gas, die neuen Anbaue nur spärlich mit Öllampen beleuch-tet. Die Bevölkerung vermehrte sich mit dem steigenden Wachsthum der Stadt und derenblühenden Verkehr und belief sich am Ende des 1.1843 auf 54519 Individuen.
Als die ausgezeichnetsten Gebäude sind zunächst unter den Kirchen die Thomaskirche,(1482—96) mit einem merkwürdig hohen Dache, die Nikolaikirche (1513—25), welche